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Ritter F. (1980)
Kakteen in
Südamerika (3):1048 -
1053
Über COPIAPOA CONGLOMERATA (PHIL.)
LEMBCKE und COPIAPOA SOLARIS (RITT,) RITT,
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COPIAPOA CONGLOMERATA (PHIL.) LEMBCKE wird von LEMBCKE
publiziert Februar 1966 in K.u.a.S. als comb. nov. Basionym ist ECHINOCACTUS
CONGLOMERATUS R.A.PHILIPPI in Florula atacamensis 1860, Art Nr. 144,
[Seite 1049]
LEMBCKE setzt dazu synonym COPIAPOA FEROX LEMBCKE & BACKEBERG in BACKEBERG:
Die Cactaceae, Bd. 3, S. 1922 von Ende 1959. LEMBCKE
gibt die lateinische Diagnose durch PHILIPPI wieder, Die Kakteenart, welche
nach LEMBCKE ECHINOCACTUS CONGLOMERATUS PHILIPPI sein soll, hatte ich am 18.
März 1956 bei EL COBRE entdeckt und tags darauf bei BLANCO ENCALADA, welches
nahe südlich liegt, Ich hatte alle für die Kenntnis der Art nötigen
Notierungen einschließlich Blüte, Frucht und Samen. Aus der Literatur ergab
sich, daß diese Art bislang nicht beschrieben worden war. Dabei bemühte ich
mich vergeblich, den von PHILIPPI beschriebenen ECHINOCACTUS CONGLOMERATUS
mit irgendeiner chilenischen Art in volle Ubereinstimmung zu bringen.
Die Beschreibung PHILIPPIs auf die hier gefundene Art
zu beziehen, ergab sich aus mehreren Angaben PHILIPPIs als völlig unmöglich.
So gibt PHILIPPI 20 Rippen an, während die Rippenzahl dieser Art meist 9-10,
weniger häufig 8 oder 11 beträgt; trotz Suche fand ich keine höhere Anzahl
der Rippen als 11. Die Diskrepanz zwischen 11 und 20 Rippen ist
unüberbrückbar. Den Durchmesser der Köpfe ich mit 8-12 cm fest (Stacheln
natürlich nicht eingeschlossen). PHILIPPI gibt dagegen 15-25 Linien an, das
sind 5-6 cm, was ebenfalls unvereinbar ist. Nicht zutreffend ist zudem
PHILIPPIs Angabe, daß die Stacheln mittelmäßig seien, sie sind im Gegenteil
stärker als bei jeder sonst bekannten COPIAPOA, Die Mittelstacheln sollen
gleich den 3 oder 4 oberen Randstacheln sein, was ebensowenig zutrifft, denn
die Mittelstacheln sind beträchtlich stärker und übertreffen meist die
oberen Randstacheln um das Doppelte an Dicke und Länge. Jeder einzelne der
angeführten Widersprüche macht es für sich allein schon unmöglich, den
PHILIPPIschen Namen CONGLOMERATUS auf die genannte Art von EL COBRE zu
beziehen. Auch paßt die Angabe der Küstenfelsen sehr schlecht auf unsere
Wüstenart. Die Beschreibung PHILIPPIs trifft auch auf keine andere dort
wachsende Art zu, so daß seine Fundortangabe "EL COBRE“ unrichtig sein muß,
denn ich bin über die dort vorkommenden Arten gut unterrichtet.
Aber solche falschen Herkunftsangaben sind in der
älteren Literatur so erstaunlich häufig, daß man sämtliche Ortsangaben aus
früherer Zeit mit der größten Skepsis aufnehmen muß; sie sind das
Unzuverlässigste in der alten Literatur; jedem, der ältere Literatur
durchgearbeitet hat, ist solches bekannt, Offenbar ist es eine COPIAPOA
gewesen, die PHILIPPI für die Beschreibung von ECHINOCACTUS CONGLOMERATUS
vorgelegen hat. BR. & R. haben ECHINOCACTUS CONGLOMERATUS synonym gesetzt zu
COPIAPOA CINERASCENS, und vermutlich ist so richtig, zumal PHILIPPI diese
außerordentlich häufige Art der Küstenfelsen von CHAÑARAL wohl gekannt haben
wird, aber dieselbe nicht unter dem Namen ECHINOCACTUS CINERASCENS aufführt.
Bei dieser Art fand ich eine Rippen-zahl bis zu 22, was zu PHILIPPIs Angabe
stimmt; die Körperfarbe ist nicht immer sehr grau und öfters mehr grün, der
Wuchs meist stark haufenbildend, wie von PHIL. angegeben.
Bei alledem muß aber PHILIPPI die neue Art von EL COBRE
gekannt haben, denn unter der Nr. 145 der gleichen Abhandlung macht er
Angaben über eine andere Art, ohne ihr jedoch einen Namen zu geben, mit
folgenden Worten (in deutscher Übersetzung): "Ich sah nahe COBRE im
Küstengebiet der Wüste bei 24° 15‘ geographischer Breite und sonst nirgends
eine Kaktee von 2 und 1/2 bis 3 Zoll Durchmesser, Rippen 8 bis 10, stark
hervortretend, die Stacheln der Stachelpolster aufrecht“. Die Angabe, daß er
sie persönlich sah und zwar in der Wüste von EL COBRE (statt an den
Küstenfelsen von dort), daß sie ihm als etwas Eigenes aufgefallen ist und
8-10 sehr hervortretende Rippen hat, machen es ziemlich gewiß, daß diese
unbenannte Art also und nicht ECHINOCACTUS CONGLOMERATUS, wie LEMBCKE meinte,
die von uns in den Wüsten von EL COBRE gefundene Art ist.
Bei der Bestimmung nach der Literatur muß mit großer
Sorgfalt vorgegangen werden. Man muß nach dem Grundsatz verfahren, daß, wenn
auch nur ein einziges angegebenes Merkmal in keiner Weise zutreffen kann,
die betreffende Beschreibung nicht auf die zu bestimmende Art bezogen werden
darf. Die Unvereinbarkeiten von ECHINOCACTUS CONGLOMERATUS mit der
fraglichen Art von EL COBRE sind so zahlreich, daß ich bei meiner eigenen
Publikation dieser Art ECHINOCACTUS CONGLOMERATUS überhaupt nicht erwähnt
habe, weil es mir nicht in den Sinn kam, daß jemals ein Sachbearbeiter eine
derart weit greifende Fehlbestimmung machen könnte.
Die neue Haufenkaktee von EL COBRE zeigt in der
Gesamtheit ihrer Merkmale entschieden COPIAPOA-Charakter, sie zeigt jedoch
eine Anzahl [Seite 1050]
bemerkenswerter Abweichungen, die sich bei keiner der zahlreichen COPIAPOA-Arten
finden und namentlich die Blüte betreffen, die mit ihrer gleichmäzigen
Beschuppung und ihrer starken Filzbedeckung einen etwas ursprünglicheren
Entwicklungszustand aufweist als ihn alle sonst bekannten COPIAPOA-Arten
zeigen. Ich hatte daraufhin eine eigene Gattung aufgestellt: PILOCOPIAPOA.
Die Unterschiede sind im einzelnen aufgeführt in der Originalpublikation,
die ich hier oben wiedergegeben habe.
Im Jahr 1958 hatte ich das Manuskript an Herrn BUINING
in Holland eingesandt für eine Publikation der PILOCOPIAPOA RITTER, die sich
jedoch sehr verzögerte. Ein Jahr später erschien der dritte Band von
BACKEBERGs Kakteen-Monographie und in diesem auf S. 1922 die
Veröffentlichung einer COPIAPOA FEROX LEMBCKE & BACKBG spec. nov., von
BLANCO ENCALADA mit einer sehr ungenügenden Beschreibung, die sich offenbar
auf einen einzelnen eingesandten Kopf stützte; weder Blüten noch Früchte
noch Samen noch der Haufenwuchs dieser Art waren dem Publizierer BACKEBERG
bekannt, Normalerweise kommt die Publikation einer Neuheit erst dann in
Frage, wenn alles Kennzeichnende, soweit noch Aussicht auf dessen
Beschaffung besteht, geklärt worden ist, so daß über die Stellung der
fraglichen Neuheit Sicherheit besteht, weil im anderen Fall Publikationen
sehr häufig zu einer Belastung für die Taxonomie werden, Nachdem die
Kakteensystematik heute dadurch so schwierig, verworren und oft unentwirrbar
geworden ist, weil man von gewissen Seiten mit Uberstürzung schnell
publizierte, alles was man an Neuem entdeckt zu haben glaubte oder nur
wähnte und hoffte, entdeckt zu haben, auch wenn nur dürftigste Kenntnisse
vorlagen, ohne die erforderlichen Unterlagen zu komplettieren, ohne die
erforderliche kritische Besinnung, ohne Sicherung, ob in sonstig
Publiziertem vielleicht schon vorhanden, kann man meines Erachtens ein
derartiges Vorgehen nicht noch einfach dadurch gewähren lassen und also
fördern, daß man selbst mit sorgfältigeren Untersuchungen einem solchen
Publizierer gegenüber freiwillig zurücktritt,
Wer so unsorgfältig arbeitet, daß er nicht abwarten
will, die für COPIAPOA diagnostisch so relevanten Merkmale: Blüte, Frucht
und Samen in Erfahrung zu bringen, sollte gegenüber einer Arbeit, in welcher
alle diese Daten mit Sorgfalt gesammelt und für die Publikation schon lange
zuvor eingesandt worden waren, meines Erachtens keinen Prioritätsanspruch
sich erjagt haben, auch wenn er mit einer unfertigen Publikation sich einen
zeitlichen Vorsprung gesichert haben sollte. Im übrigen bedürfen einige
Angaben in BACKEBERGs Diagnose seiner COPIAPOA FEROX der Korrektur: Der
Körper hat nicht normalerweise einen grünlichweißen Belag, wie ihn BACKEBERG
für das vorgerückte Alter angibt; die Areolen sind erhaben, ihr Filz ist
gelbbräunlich, ehe er ergraut; die Stacheln sind nicht "zuerst blaß
hornfarben“, sondern gelblichbräunlich, erst danach vergrauend, der 5 mm
Areolen -Abstand gilt nur für junge Stadien, später nähern sich die Areolen
bis zur Berührung. Es fehlen alle generativen Angaben, die eine Zuordnung
zur Gattung COPIAPOA erst ermöglichen. Es fehlt zudem die vom Nomenklatur-Code
geforderte Angabe eines Typus-Exemplars, ohne welche die Publikation eines
Taxon gemäß Artikel 35 ungültig ist. Aus genannten Gründen kann COPIAPOA
FEROX nur als ein nomen nudum angesehen werden, und ich sah keine
Veranlassung, mein schon ein Jahr zuvor eingesandtes, sorgfältig
ausgearbeitetes Manuskript wieder zurückzufordern, zumal diese Art unter dem
Namen PILOC. SOLARIS bereits seit drei Jahren eingeführt worden war, Der
Liebhaber ist immer verärgert, wenn er einen bereits eingeführten Namen
wechseln soll. Die Nomenklaturregeln zeigen da eine
Verbesserungsbedürftigkeit, eine solche Verbesserung würde der taxonomischen
Ordnung zugute kommen, wenn der "Mihismus“ gewisser Autoren eine Schranke
erführe, LEMBCKE stellt in seinem erwähnten Artikel meine PILOCOPIAPOA
SOLARIS synonym zu seiner COPIAPOA CONGLOMERATA (PHIL.) LEMBCKE, Als
BACKEBERG seine COPIAPOA FEROX LEMBCKE & BACKEBERG publizierte, waren ihm
also weder Frucht noch Blüte noch Samen bekannt. Als später meine
PILOCOPIAPOA SOLARIS publiziert wurde, wußte BACKEBERG nicht, daß es sich um
dieselbe Art handelte, die er selbst zuvor als COPIAPOA FEROX publiziert
hatte, aber auf die Angabe des völlig in Wolle gehüllten Ovarium hat er ohne
weiteres PILOCOPIAPOA als selbständiges Genus anerkannt, LEMBCKE, BACKEBERGs
Mitautor der COPIAPOA FEROX, hätte daher dies außergewöhnliche Merkmal der
Bewollung des Ovarium - für Backeberg beweisend als Gattungskriterium für
[Seite 1051] Aufstellung einer
PILOCOPIAPOA in seinen Argumenten für Nichtigmachung der PILOCOPIAPOA als
Gattung nicht einfach stillschweigend übergehen dürfen, sowohl in seiner
neuen Beschreibung dieser Art als auch in seinen Zeugnissen für den
COPIAPOA-Charakter dieser Art im Schlußabsatz seines Artikels, während
BACKEBERG im Kakt.-Lex. auf S. 362 schreibt:
"Dieses Genus ist interessant, auch deshalb, weil
RITTER hier meinem Trennungsprinzip folgt,“ Allerdings war diese Bewollung
für mich nur einer von zahlreicheren Unterschieden, um meine Gattung
PILOCOPIA aufzustellen, denn man darf nie Gattungen auf ein einziges
Trennungsprinzip gründen, wie es BACKEBERG getan hat.
Nun habe ich aber eine weitergehende Auffassung des
Gattungsbegriffs als BACKEBERG, namentlich was dessen taxonomische
Vorrangstellung des Blüten-Integumentes betrifft. Ich bin heute der
Auffassung, daß man PILOCOPIAPOA nur als eine Untergattung zu COPIAPOA
setzen sollte.
LEMBCKE schreibt im genannten Artikel: "Obgleich RITTER
diese Art ausführlich und genau beschrieben hat, möchte auch ich dies tun,
zumal meine Beobachtungen sich nicht genau mit denen von RITTER decken. . .
. Ich gab an: "Frucht grün bis rot“. LEMBCKE erklärt: "Frucht anfangs grün,
bei Vollreife rötlich...“ Ich habe bei der Angabe "grün bis rot“ nur
vollreife Früchte berücksichtigt. Wer viel Kakteenfrüchte in Natur gesammelt
hat, weiß, gaß es auch sonst häufig Kakteenarten gibt, bei denen neben
gereiften farbigen Früchten auch solche sind, die ihre Grünfärbung bei der
Reife beibehalten haben; dafür dürfte die Belichtungsstärke entscheidend
sein, LEMBCKEs Schluß war jedenfalls umgekehrt, einer Gewohnheit
entsprechend: Weil ungereifte Früchte grün sind, schloß er, daß alle
grünfarbigen Früchte unausgereift sein müssen. LEMBCKE meint: "Der Vorgang
des Öffnens (der Frucht) scheint nicht immer reibungslos zu verlaufen, man
findet z. T. verkrüppelte Früchte,“ Offenbar hat sich da LEMBCKE irgendwie
getauscht. Ich habe nur normal reifende Früchte gefunden, aber viele Blüte
entwickeln sich, wie auch sonst oft zu beobachten, mangels Befruchtung nicht
zu reifen Früchten. Meine Kenntnis der Frucht beruht auf vielen Stunden der
Fruchtsuche während mehrmaliger Besuche der Standorte; Lembcke war nur mal
ganz flüchtig dort.
LEMBCKE schreibt weiter: "RITTER ist der Ansicht, daß
diese Art den Küstennebel meidet. Dieses trifft nach meinen Beobachtungen
nicht zu, wäre auch nicht möglich, da es außerhalb der Nebelzone in dieser
Gegend keine Lebensmöglichkeiten für Pflanzen gibt.“ Ich selbst glaube die
Gegend hinreichend gut zu kennen, um urteilen zu können. Ich habe bei
viermaliger Anwesenheit in den Bergen von EL COBRE und BLANCO ENCALADA in
allem etwa sechs Tage das Gebiet durchwandert und dementsprechend auch viel
mehr Kakteenarten dort gefunden als LEMBCKE seinem Artikel gemäß und seinem
kurzen Besuch entsprechend bekannt geworden sind, nämlich an Arten vier
COPIAPOA, ohne nahe Verwandtschaft mit einander (SOLARIS, BOLIVIANA,
TENUISSIMA und HUMILIS), zwei PYRRHOCACTUS (GLAUCESCENS und FLOCCOSUS und
dessen regionale Varietät MINOR), zwei TRICHOCEREUS (FULVILANUS und
DESERTICOLA), zwei EULYCHNIA ( IQUIQUENSIS VAR. PULLILANA und BREVIFLORA
VAR. TALTALENSIS) und zwei Opuntien (CUMULOPUNITA BERTERI und CYLINDROPUNTIA
TUNICATA VAR. CHILENSIS). Ich habe mehrfach Gebirgsaufstiege dortselbst
gemacht von der Küste gegen Osten bis zum Ende der Kakteen-Vorkommen.
Wandert man z. B. von der Küste von BLANCO ENCALADA gegen Osten das Gebirge
hoch, so findet man am Fuß der Berge in einer vorzugsweise Sonnenzone
zunächst spärliche COPIAPOA SOLARIS, von kleinerem Wuchs. Beim Aufstieg
kommt man in die Hauptnebelzone, gekennzeichnet durch den starken
Flechtenbewuchs, COPIAPOA SOLARIS fehlt dann völlig. Als ich erstmals 1956
über die Vorberge gegen Osten hinaus gelangte, kam der Nebel hier zu Ende,
und ich trat in strahlendes Sonnengelände ein, und erst jetzt erschien
erneut COPIAPOA SOLARIS, und zwar in ihrem üppigsten Wuchs. Entsprechend
notierte ich damals auf meiner Wanderung: "PILOCOPIAPOA wie EL COBRE, bis
120 cm hohe Haufen, oberhalb der Nebelzone landeinwärts, beginnt dort, vo
COPIAPOA MARGINATA“ (jetzt COPIAPOA BOLIVIANA) " und EULYCHNIA wgen Dürre zu
Ende gehen.“ (Kakteen-Notizheft Nr. 27, Seite 1348.) Von jener bezeichneten
Stelle ist das Foto mit dem Rucksack neben dem größten Haufen. Man sieht die
Wüste, in der andere Kakteen fehlen, den wolkenlosen Himmel und die Schatten
der Steine, welche die Besonnung anzeigen. Wenn LEMBCKE erklärt, es sei gar
nicht möglich, daß [Seite 1052]
diese Art die Nebelzone meide, weil es außerhelb derselben keine
Lebens-möglichkeit für Pflanzen gäbe, so muß ich widersprechen, weil diese
Art fast ganz auf gelegentliche Regen angewiesen ist, Nässende Nebel
vermögen nur in der Hauptnebelzone die Erde so weit zu durchfeuchten und die
Pflanzen zu kühlen mit Herabsetzung ihrer Wasserverdunstung, daß
Kakteenwuohs mit der wesentlicheren Hilfe gelegentlicher Regen möglich ist.
In die Zone der COPIAPOA SOLARIS mögen gelegentlich Nebel vordringen, aber
sie vermögen nicht die Erde nennenswert zu durchfeuchten, Als ich das
letztemal jene Gegend besuchte, war nicht lange Zeit vorher ein erlösender
Regen gefallen, der Boden war noch durchfeuchtet, und die Körper der
COPIAPOA SOLARIS hatten ihre Wasserreserven wieder aufgefüllt. Weiter
abwärts, in einer nebeligeren Zone, waren von PYRRHOCACTUS GLAUCESCENS eine
Anzahl Exemplare verdurstet oder nahe am Verdursten, weil der Regen zu spät
gefallen war; die Nebel hatten nicht genügt; auch hier war der Boden erst
jetzt vom Regen gründlich durchfeuchtet worden.
Ich hatte die PILOCOPIAPOA SOLARIS in meiner
Publikation sehr ausführlich und meines Erachtens ganz eindeutig beschrieben.
Die Angaben über diese Art, die LEMBCKE später für eine genaue Kenntnis
dieser Art, aber mit einer ungenügend kurzen Beschreibung machte, bringen
nichts Neues hinzu. Ich war daher etwas erstaunt, daß LEMBCKE als Begründung
für seine eigene Beschreibung angibt, daß "es angebracht ist, daß diese Art
nun eindeutig festgelegt wird,“ Der Leser kann leicht selbst urteilen, wenn
er LEMBCKEs "eindeutig festlegende“ Beschreibung mit der meinigen von damals
vergleicht. Ich habe diese ganze Darstellung der sachlichen Klärung wegen
gegeben, ich möchte nicht, daß sich Herr LEMBCKE persönlich durch mich
verletzt fühlt. Ich bin sicher, daß er seinen Artikel nicht in der Absicht
geschrieben hat, meine wissenschaftliche Arbeit herabzusetzen, sondern daß
er sich nur in Einigem geirrt hatte. Auch sind meine obigen Beanstandungen
unfertiger Publikationen nicht an die Adresse von LEMBCKE gerichtet, denn er
hat gewiß die Beschreibung der COPIAPOA FEROX LEMBCKE & BACKEBERG nicht
selbst verfaßt oder zu drukken veranlaßt.
Nachbemerkungen: Eine Stellungnahme zu dem Aufsatz von
LEMBCKE hatte ich am 25, Februar 1966 an den damaligen Schriftführer der
Deutschen Kakteen-Gesellschaft, Herrn Prof. E. HAUSTEIN, gesandt mit
folgendem Begleitschreiben: ". . . . Das Februarheft der Zeitschrift "K.u.a.S.“
wurde mir per Luftpost zugesandt, in welchem ich einen Aufsatz finde von
LEMBCKE: "COPIAPOA CONGLOMERATA (PHIL.) LEMBCKE“ , Diese Umbenennung beruht
auf einer groben Fehlbestimmung durch LEMBCKE, Abgesehen davon muß dieser
Aufsatz bei jedem Leser den Eindruck erwecken, daß ich in meiner
wissenschaftlichen Arbeit sehr unzuverlässig sei, Ich sah mich daher
genötigt, einen Artikel mit einer Stellungnahme zu schreiben und habe bei
dieser Gelegenheit einen weiteren Artikel verfaßt mit Stellungnahme zu einer
anderen Veröffentlichung von LEMBCKE und BACKEBERG über NEOCHILENIA
PSEUDOREICHEI, welche ebenfalls berichtigt werden mußte, Da beide
Publikationen von LEMBCKE in Ihrer Zeitschrift erfolgten, so ist es
notwendig, daß die Berichtigungen in derselben Zeitschrift gegeben werden,
da die Leser einen Anspruch auf Aufklärung haben, wenn sie aus Versehen
unrichtig informiert worden waren.“ Da in einem Antwortschreiben vom 20,
März 1966 die von mir abgefaßten Kritiken mit keinem Worte berührt wurden
und auch die folgenden Hefte dieser Zeitschrift sich darüber ausschwiegen,
so wandte ich mich am 14. Juni 1966 schriftlich an den 1, Vorsitzenden der
D. K.G., Herrn HELMUT GERDAU, indem ich nochmals vorstellig wurde und unter
anderem schrieb: ...
-
erstens haben die Leser Ihrer Zeitschrift ein
Anrecht darauf, Berichtigungen durch Ihre Zeitschrift selbst zu erfahren,
wenn sie aus Versehen falsch unterrichtet worden waren...;
-
zweitens muß jeder Leser jenes Aufsatzes von Herrn
LEMBCKE den Eindruck gewinnen, daß ich für wissenschaftliche
Sachbearbeitungen nicht kompetent sei, und ich habe daher selbst ein
unbedingtes Anrecht darauf, daß diese meine Berichtigungen in Ihrer
Zeitschrift erscheinen.
Falls Sie gleichwohl meine Entgegnungen auf LEMBCKEs
Artikel ablehnen sollten, müßte ich dieselben an anderer Stelle publizieren
und mit der Bemerkung, daß meine Berichtigungen der Ausführungen des Herrn
LEMBCKE in den Spalten Ihrer Zeitschrift keine Aufnahme gefunden hätten.“
Leider waren meine Bemühungen vergebens. In einem Antwortschreiben vom 28.
Juni wurde [Seite 1053] mein
Ansinnen mit keiner Silbe berührt, wie auch in der Zeitschrift nie eine
Berichtigung publiziert wurde, Ob auch nach dieser zweiten Zuschrift Herr
Prof. HAUSTEIN es war, der die Publikation verhinderte, weiß ich nicht.
Diese Nachbemerkungen beziehen sich nur auf die damalige Zeit, Schriftführer
und erster Vorsitzender haben längst gewechselt, und ich habe heute nicht
den geringsten Anlaß zu Beanstandungen, da meinen Arbeiten wohlwollendes
Interesse und Anerkennung von der Deutschen Kakteen-Gesellschaft und ihrem
Vorstand entgegengebracht wird. |