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COPIAPOA KRAINZIANA RITTER 1963, Taxon 12(1), S.30
Körper grünlichhellgrau, nicht bereift, stark von unten sprossend, große
dichte Haufen bildend von bis über 1 m Höhe und 1 m Breite, ohne Rübenwurzel;
Triebe 6-12 cm dick, hartfleischig, mit eingesenktem bestacheltem
Filzscheitel. Rippen 13-24, gerade, ca 15 mm hoch, mit schmalen Kanten, Rippen
im Querschnitt dreieckig, unter den Areolen gering gekerbt, über ihnen
etwas gehöckert, so daß die Areolen etwas hängend sind. Areolen graufilzig,
rundlich, im Blühalter 3-6 mm Durchmesser, erhaben, wenige bis 7 mm freie
Entfernung, an alten Köpfen oft genähert bis zur Berührung und dann
ein fortlaufendes Filzband bildend. Stacheln sehr variabel, abstehend bis
halb ausseits gerichtet, bei der Normalform fein, nadeldünn, gerade
oder häufiger verbogen und kraus, weich, kaum stechend, weiß oder grau
oder seltener fast schwarz mit meist weißer Basis, in Natur vergrauend,
wenn nicht vor den Nebeln geschützt; Randstacheln dünner und krauser, ca
10 - 12, ca 1 - 2 cm lang; Mittelstacheln etwas dicker, von gleicher Farbe, ca
12 - 20 von ca 2 - 3 cm Länge; junge Köpfe haben nur halb so viele Mittelstacheln
.
Blüte
25 - 35 mm lang, nahezu ebensoweit geöffnet, nachts schließend,
von charakteristischem Duft (registriert 4 Blüte verschiedener
Exemplare). Ovarium blaß gelblich, rundlich, 4 - 7 mm Durchmesser, schuppenlos
oder mit sehr wenigen schmalen rötlichen Schuppen, namentlich am
oberen Ende, aber zuweilen auch bis unterhalb der Mitte, Schuppen viel
kleiner als die der COPIAPOA CINEREA und GIGANTEA. Nektarkammer goldgelb, etwa
tassenförmig, 2 - 3 mm hoch, 4 - 5 mm weit, halb geschlossen durch die
basalen Stbbl., Nektar spärlich. Rö. darüber 9 - 12 mm lang, oben 10 - 14
mm weit, trichterig, mit wenigen größeren, nach unten hellgelben,
nach oben rotbräunlichen gespitzten Schuppen. Filamente hellgelb, 13 - 18
mm lang, die unteren die längeren, Insertionen bis zum Saum, Beutel
goldgelb bis zitrongelb. Griffel hellgelb, 18 - 22 mm lang, wovon 3 - 4 mm
auf die 7 - 9 gespreizten Narbenlappen kommen, welche die Beutel nicht
überragen. Petalen hellgelb, die äußersten mit rot-bräunlichen Enden,
13 - 16 mm lang, 4 - 7 mm breit, spatelförmig, Enden gerundet, größte
Breite bei etwa 2/3 Länge.
Frucht
weißlich bis rosa, ca 1 cm
lang.
Samen ca 1,6 mm lang, 1,3 mm breit, 0,8 mm dick, dorsal stark gewölbt,
etwas gekielt, Testa schwarz, glänzend, glatt oder mit sehr feinen
ausgeflachten Höckerchen; Hilum oval, bräunlich, schräg ventralseits.
Typusort nördlich Taltal, in der höchsten Küsten-Kordillere.
Von mir entdeckt 1954. Typus damals gesandt an die Stadt. -Sukk.-Samml.
in Zürich. Nr. FR 210. Abb. 1053/1055. Sämlingsbild in BACKEBERG, Bd. 3,
S. 1912 und Tafel 147 links, letzteres Bild mit der Beschriftung ,,COPIAPOA
SCOPULINA RITTER“ Ein weiteres Bild in den Samenkatalogen der Firma H.
WINTER 1955/1958.
45a)
VAR. SCOPULINA RITTER 1963, Taxon 12 (1), S. 30
syn.
COPIAPOA SCOPULINA RITTER nom. nud. im Katalog H. WINTER 1957, Nr. 209;
in den Katalogen ebenda 1955/1956 unzutreffend als COPIAPOA GIGANTEA Nr. FR
209 aufgeführt.
Unterschiede
gegen VAR. KRAINZIANA: Sproßhaufen lockerer, im ganzen etwas höher; Köpfe
10-20 cm dick. Rippen 13-20, im ganzen mehrere mm höher, später fast
ungekerbt. Areolen etwa ebenso groß und gleich gefärbt, dichter gereiht,
im Alter oft fortlaufende Filzbänder bildend. Stacheln stärker, gerade oder
gering gebogen oder nur die unteren Randstacheln stärker abwärts
gebogen; Stacheln grau bis dunkelbraun bis schwarz, stärker ausseits gerichtet und oft
besenförmig abstehend; Randstacheln nadelförmig, 8-12, 7-35 mm lang; Mittelstacheln
pfriemlich, 4-8, 20-35 mm lang. Blüte, Frucht und Samen ohne deutliche
Unterschiede. Typusort wie VAR. KRAINZIANA, mit welcher sie nur zusammen
zu finden ist. Die von VAR. KRAINZIANA am meisten abweichenden
Exemplare finden sich aber nur in einem Bezirk, wo letztere mit COPIAPOA
CINEREA zusammen wächst, und man wird sie als Hybriden zwischen ihnen
aufzufassen haben. VAR. SCOPULINA geht in Natur völlig über in VAR.
KRAINZIANA. Man müßte also SCOPULINA eigentlich als Form innerhalb
der Variationsbreite von COPIAPOA KRAINZIANA ansehen. Wenn ich aber
gleichwohl sie als eine eigene Varietät aufstellte, so deshalb, weil
keine völlige Vermischung der Merkmale stattfindet, sondern bei VAR.
SCOPULINA eine Anzahl Eigenschaften normalerweise kombiniert miteinander
auftreten. Wie solches zu erklären ist, könnte wohl nur durch
eingehendere Untersuchungen, namentlich in Kultur bei Reinzüchtungen
und kontrollierten gegenseitigen Befruchtungen geklärt werden. Was ich
ursprünglich als COPIAPOA SCOPULINA nom. nud. aufgestellt hatte (also als
eigene Art, nicht als VAR.), zeigt meine Abb. 1056 eines Rippenstücks.
Diese Pflanze ist völlig verschieden von COPIAPOA KRAINZIANA in ihrer
Bestachlung,
so daß sie BACKEBERG, so wie ich sie damals auffand,
selbstverständlich
als eine von COPIAPOA KRAINZIANA verschiedene Art aufgefaßt hätte. Was
dagegen BACKEBERG in seinem Handbuch, Bd. 3, Tafel 147 links als
"COPIAPOA
SCOPULINA RITTER“ abbildet, um sie in VAR. SCOPULINA nom. nud.
umzukombinieren, ist eine typische VAR. KRAINZIANA. Solches braucht aber
nicht auf einer Namens- oder Etiketten- Verwechslung zu beruhen. Bei
der großen Variabilität in der Bestachlung werden gewiß auch von VAR.
SCOPULINA rein gezüchtete Samen eine stärkere Aufspaltung bei ihrer
Aufzucht zeigen, namentlich aber, wenn solche Samen in Natur geerntet
wurden und zum großen Teil aus der Befruchtung mit Pollen der typischen
VAR. KRAINZIANA hervorgegangen waren. An drei Stellen überschneidet
sich COPIAPOA KRAINZIANA mit einer anderen COPIAPOA-Art, nämlich mit COPIAPOA
CINEREA, COPIAPOA GIGANTEA VAR. HASELTONIANA und COPIAPOA MONTANA, und in diesen
drei Bezirken der Überschneidung finden sich Hybriden mit jeweils der
entsprechenden anderen Art.
BACKEBERG
bildet in Bd. 6 auf S. 3834 eine COPIAPOA ab als ,,COPIAPOA KRAINZIANA RITTER“
mit einer Beschreibung im Text, zu welcher er bemerkt: ,,Eine ganz
ungewöhnliche Abänderung erschien aus Samen dieser Art mit einem
einzigen Exemplar“ (es folgt eine Beschreibung desselben) . . . . es
wird schwer festzustellen sein, warum einige Arten so stark den gesamten
Habitus abändern....“ Die Abb. zeigt zweifellos keine echte COPIAPOA
KRAINZIANA und scheint nach ihrem Aussehen eine Naturhybride COPIAPOA KRAINZIANA x MONTANA zu
sein, zumal
COPIAPOA MONTANA gerade nahe jener
Stelle wächst, wo ich den KRAINZIANA-Samen gesammelt hatte, aus
dessen Aussaat jenes abweichende Exemplar hervorgegangen war. BACKEBERG
kommt
bei
seinen Erörterungen nicht auf den naheliegenden Einfall, daß eine
Hybride vorliegt. Hybriden kommen aber in Kultur aus naturgeernteten Samen
viel häufiger heran als in Natur selbst, weil sie in Natur wegen
disharmonischem
Erbgut meist schon als Sämlinge nicht hochkommen, wohl aber unter
Kulturschutz. Man muß doch bedenken, daß von den meist vielen
Tausenden oder den Millionen von Samenkorn, welche ein Exemplar im Laufe
seines Daseins heranreift, im Durchschnitt nur ein einziges Korn wieder
zu einer fruchtenden Pflanze heranwächst, welche das Mutterexemplar
für die nächste Generation ersetzt; die Auslese auf Lebensbewährung ist also in Natur enorm stark. Fälle von Hybriden werden bei
Aussaaten viel häufiger auftreten als in Natur, wobei Aufklärungen
über die Art der Hybridnatur bei Kulturaussaat um so weniger möglich
sind als man unorientiert zu sein pflegt über folgende Punkte:
-
über
die natürliche Variationsbreite der Art;
-
über das Vorhandensein
von geographischen oder ökologischen Varietäten;
-
über die Möglichkeit
einer Feststellung, ob es sich bei einer solchen Ausnahme um eine
echte zweite Art handelt;
-
ob es sich um eine Hybride der
Aussaat-Art
mit einer anderen Art handelt und mit welcher, zumal der Aussäer fat
nie orientiert ist, mit welchen anderen hybridisierbaren Arten diejenige
der Aussaat in Natur zusammen vorkommt; alles dies unter der
Voraussetzung,
daß der ausgesäte Same rein war und daß keine Namens-Verwechslung
vorgekommen ist (wie zuweilen bei BACKEBERGs Sämlingsbildern).
Unter
solchen Umständen haben derartige Bilder von undefinierbaren Exemplaren,
die irgendwo nach einer Aussaat herangewachsen sind, in einem Handbuch
der Kakteenkunde nichts zu suchen, denn sie können nur der Verwirrung
dienen, haben aber für niemanden einen Informationswert. Exemplare, die
aus Mangel an Unterlagen unerforschbar sind, gehören nicht in ein
Kakteenbuch; im anderen Fall würde man ins Uferlose geraten, da man mit
Abbildungen und Beschreibungen socher undefinierbaren Stücke ganze
Bände
füllen könnte, ohne daß irgend jemandem damit gedient wäre. Erst
recht gilt solches für Farbaufnahmen solcher nicht klärbaren Exemplare,
wie dies BACKEBERG öfters tat, denn bekanntlich erhöhen Farbbilder die
Publikationskosten um das Vielfache (soweit es sich nicht um
Massenauflagen handelt), während der Erwerber solcher Publikationen für
seine Mehrkosten keinen vermehrten Informationswert erhält.
VAR.
SCOPULINA wurde von mir gleichzeitig mit VAR. KRAINZIANA gefunden. Zum
Unterschied von den Abbildungen in BACKEBERG, Bd. 3, Tafel 147 links und
Bd. 6, S. 3835, welche aus Samen meiner ehemaligen "COPIAPOA SCOPULINA
RITTER nom. nud., Nr. FR 209“ aufgekommen sein sollen, zeige ich in
Abb. 1056 ein getrocknetes Rippenstück des 1955 von mir als
"COPIAPOA
SCOPULINA Nr. FR 209“ bezeichneten Exemplars, welches eine völlig
andere Bestachlung zeigt und das ich heute als eine Hybride zwischen COPIAPOA
KRAINZIANA und COPIAPOA CINEREA ansehe und nicht als eine eigene Art
"SCOPULINA“,
während ich den Namen "SCOPULINA“ als Varietätsnamen führe für
die der COPIAPOA KRAINZIANA angeglicheneren Exemplare, entsprechend obiger
Beschreibung. Zu COPIAPOA KRAINZIANA VAR. SCOPULINA Nr. FR 209 a. Davon
liegt mir kein Foto vor.
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