Copiapoa - Living on the Edge
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Kakteen in Südamerika

Friedrich Ritter

Band 3: Chile

II. Untergattung: COPIAPOA
Sektion 5 (11 Arten) - Serie b (9 Arten)

[Seite 1102]
45.) COPIAPOA KRAINZIANA RITTER 1963, Taxon 12(1), S.30

Körper grünlichhellgrau, nicht bereift, stark von unten sprossend, große dichte Haufen bildend von bis über 1 m Höhe und 1 m Breite, ohne Rübenwurzel; Triebe 6-12 cm dick, hartfleischig, mit eingesenktem bestacheltem Filzscheitel. Rippen 13-24, gerade, ca 15 mm hoch, mit schmalen Kanten, Rippen im Querschnitt dreieckig, unter den Areolen gering gekerbt, über ihnen etwas gehöckert, so daß die Areolen etwas hängend sind. Areolen graufilzig, rundlich, im Blühalter 3-6 mm Durchmesser, erhaben, wenige bis 7 mm freie Entfernung, an alten Köpfen oft genähert bis zur Berührung und dann ein fortlaufendes Filzband bildend. Stacheln sehr variabel, abstehend bis halb ausseits gerichtet, bei der Normalform fein, nadeldünn, gerade oder häufiger verbogen und kraus, weich, kaum stechend, weiß oder grau oder seltener fast schwarz mit meist weißer Basis, in Natur vergrauend, wenn nicht vor den Nebeln geschützt; Randstacheln dünner und krauser, ca 10 - 12, ca 1 - 2 cm lang; Mittelstacheln etwas dicker, von gleicher Farbe, ca 12 - 20 von ca 2 - 3 cm Länge; junge Köpfe haben nur halb so viele Mittelstacheln . 

Blüte 25 - 35 mm lang, nahezu ebensoweit geöffnet, nachts schließend, von charakteristischem Duft (registriert 4 Blüte verschiedener Exemplare). Ovarium blaß gelblich, rundlich, 4 - 7 mm Durchmesser, schuppenlos oder mit sehr wenigen schmalen rötlichen Schuppen, namentlich am oberen Ende, aber zuweilen auch bis unterhalb der Mitte, Schuppen viel kleiner als die der COPIAPOA CINEREA und GIGANTEA. Nektarkammer goldgelb, etwa tassenförmig, 2 - 3 mm hoch, 4 - 5 mm weit, halb geschlossen durch die basalen Stbbl., Nektar spärlich. Rö. darüber 9 - 12 mm lang, oben 10 - 14 mm weit, trichterig, mit wenigen größeren, nach unten hellgelben, nach oben rotbräunlichen gespitzten Schuppen. Filamente hellgelb, 13 - 18 mm lang, die unteren die längeren, Insertionen bis zum Saum, Beutel goldgelb bis zitrongelb. Griffel hellgelb, 18 - 22 mm lang, wovon 3 - 4 mm auf die 7 - 9 gespreizten Narbenlappen kommen, welche die Beutel nicht überragen. Petalen hellgelb, die äußersten mit rot-bräunlichen Enden, 13 - 16 mm lang, 4 - 7 mm breit, spatelförmig, Enden gerundet, größte Breite bei etwa 2/3 Länge. 

Frucht weißlich bis rosa, ca 1 cm lang. 

Samen ca 1,6 mm lang, 1,3 mm breit, 0,8 mm dick, dorsal stark gewölbt, etwas gekielt, Testa schwarz, glänzend, glatt oder mit sehr feinen ausgeflachten Höckerchen; Hilum oval, bräunlich, schräg ventralseits. 

Typusort nördlich Taltal, in der höchsten Küsten-Kordillere. Von mir entdeckt 1954. Typus damals gesandt an die Stadt. -Sukk.-Samml. in Zürich. Nr. FR 210. Abb. 1053/1055. Sämlingsbild in BACKEBERG, Bd. 3, S. 1912 und Tafel 147 links, letzteres Bild mit der Beschriftung ,,COPIAPOA SCOPULINA RITTER“ Ein weiteres Bild in den Samenkatalogen der Firma H. WINTER 1955/1958.


45a) VAR. SCOPULINA RITTER 1963, Taxon 12 (1), S. 30  

syn. COPIAPOA SCOPULINA RITTER nom. nud. im Katalog H. WINTER 1957, Nr. 209; in den Katalogen ebenda 1955/1956 unzutreffend als COPIAPOA GIGANTEA Nr. FR 209 aufgeführt.

Unterschiede gegen VAR. KRAINZIANA: Sproßhaufen lockerer, im ganzen etwas höher; Köpfe 10-20 cm dick. Rippen 13-20, im ganzen mehrere mm höher, später fast ungekerbt. Areolen etwa ebenso groß und gleich gefärbt, dichter gereiht, im Alter oft fortlaufende Filzbänder bildend. Stacheln stärker, gerade oder gering gebogen oder nur die unteren Randstacheln stärker abwärts gebogen; Stacheln grau bis dunkelbraun bis schwarz, stärker ausseits gerichtet und oft besenförmig abstehend; Randstacheln nadelförmig, 8-12, 7-35 mm lang; Mittelstacheln pfriemlich, 4-8, 20-35 mm lang. Blüte, Frucht und Samen ohne deutliche Unterschiede. Typusort wie VAR. KRAINZIANA, mit welcher sie nur zusammen zu finden ist. Die von VAR. KRAINZIANA am meisten abweichenden Exemplare finden sich aber nur in einem Bezirk, wo letztere mit COPIAPOA CINEREA zusammen wächst, und man wird sie als Hybriden zwischen ihnen aufzufassen haben. VAR. SCOPULINA geht in Natur völlig über in VAR. KRAINZIANA. Man müßte also SCOPULINA eigentlich als Form innerhalb der Variationsbreite von COPIAPOA KRAINZIANA ansehen. Wenn ich aber gleichwohl sie als eine eigene Varietät aufstellte, so deshalb, weil keine völlige Vermischung der Merkmale stattfindet, sondern bei VAR. SCOPULINA eine Anzahl Eigenschaften normalerweise kombiniert miteinander auftreten. Wie solches zu erklären ist, könnte wohl nur durch eingehendere Untersuchungen, namentlich in Kultur bei Reinzüchtungen und kontrollierten gegenseitigen Befruchtungen geklärt werden. Was ich ursprünglich als COPIAPOA SCOPULINA nom. nud. aufgestellt hatte (also als eigene Art, nicht als VAR.), zeigt meine Abb. 1056 eines Rippenstücks. Diese Pflanze ist völlig verschieden von COPIAPOA KRAINZIANA in ihrer Bestachlung, so daß sie BACKEBERG, so wie ich sie damals auffand, selbstverständlich als eine von COPIAPOA KRAINZIANA verschiedene Art aufgefaßt hätte. Was dagegen BACKEBERG in seinem Handbuch, Bd. 3, Tafel 147 links als "COPIAPOA SCOPULINA RITTER“ abbildet, um sie in VAR. SCOPULINA nom. nud. umzukombinieren, ist eine typische VAR. KRAINZIANA. Solches braucht aber nicht auf einer Namens- oder Etiketten- Verwechslung zu beruhen. Bei der großen Variabilität in der Bestachlung werden gewiß auch von VAR. SCOPULINA rein gezüchtete Samen eine stärkere Aufspaltung bei ihrer Aufzucht zeigen, namentlich aber, wenn solche Samen in Natur geerntet wurden und zum großen Teil aus der Befruchtung mit Pollen der typischen VAR. KRAINZIANA hervorgegangen waren. An drei Stellen überschneidet sich COPIAPOA KRAINZIANA mit einer anderen COPIAPOA-Art, nämlich mit COPIAPOA CINEREA, COPIAPOA GIGANTEA VAR. HASELTONIANA und COPIAPOA MONTANA, und in diesen drei Bezirken der Überschneidung finden sich Hybriden mit jeweils der entsprechenden anderen Art.

BACKEBERG bildet in Bd. 6 auf S. 3834 eine COPIAPOA ab als ,,COPIAPOA KRAINZIANA RITTER“ mit einer Beschreibung im Text, zu welcher er bemerkt: ,,Eine ganz ungewöhnliche Abänderung erschien aus Samen dieser Art mit einem einzigen Exemplar“ (es folgt eine Beschreibung desselben) . . . . es wird schwer festzustellen sein, warum einige Arten so stark den gesamten Habitus abändern....“ Die Abb. zeigt zweifellos keine echte COPIAPOA KRAINZIANA und scheint nach ihrem Aussehen eine Naturhybride COPIAPOA KRAINZIANA x MONTANA zu sein, zumal COPIAPOA MONTANA gerade nahe jener Stelle wächst, wo ich den KRAINZIANA-Samen gesammelt hatte, aus dessen Aussaat jenes abweichende Exemplar hervorgegangen war. BACKEBERG kommt bei seinen Erörterungen nicht auf den naheliegenden Einfall, daß eine Hybride vorliegt. Hybriden kommen aber in Kultur aus naturgeernteten Samen viel häufiger heran als in Natur selbst, weil sie in Natur wegen disharmonischem Erbgut meist schon als Sämlinge nicht hochkommen, wohl aber unter Kulturschutz. Man muß doch bedenken, daß von den meist vielen Tausenden oder den Millionen von Samenkorn, welche ein Exemplar im Laufe seines Daseins heranreift, im Durchschnitt nur ein einziges Korn wieder zu einer fruchtenden Pflanze heranwächst, welche das Mutterexemplar für die nächste Generation ersetzt; die Auslese auf Lebensbewährung ist also in Natur enorm stark. Fälle von Hybriden werden bei Aussaaten viel häufiger auftreten als in Natur, wobei Aufklärungen über die Art der Hybridnatur bei Kulturaussaat um so weniger möglich sind als man unorientiert zu sein pflegt über folgende Punkte: 

  1. über die natürliche Variationsbreite der Art; 

  2. über das Vorhandensein von geographischen oder ökologischen Varietäten; 

  3. über die Möglichkeit einer Feststellung, ob es sich bei einer solchen Ausnahme um eine echte zweite Art handelt; 

  4. ob es sich um eine Hybride der Aussaat-Art mit einer anderen Art handelt und mit welcher, zumal der Aussäer fat nie orientiert ist, mit welchen anderen hybridisierbaren Arten diejenige der Aussaat in Natur zusammen vorkommt; alles dies unter der Voraussetzung, daß der ausgesäte Same rein war und daß keine Namens-Verwechslung vorgekommen ist (wie zuweilen bei BACKEBERGs Sämlingsbildern). 

Unter solchen Umständen haben derartige Bilder von undefinierbaren Exemplaren, die irgendwo nach einer Aussaat herangewachsen sind, in einem Handbuch der Kakteenkunde nichts zu suchen, denn sie können nur der Verwirrung dienen, haben aber für niemanden einen Informationswert. Exemplare, die aus Mangel an Unterlagen unerforschbar sind, gehören nicht in ein Kakteenbuch; im anderen Fall würde man ins Uferlose geraten, da man mit Abbildungen und Beschreibungen socher undefinierbaren Stücke ganze Bände füllen könnte, ohne daß irgend jemandem damit gedient wäre. Erst recht gilt solches für Farbaufnahmen solcher nicht klärbaren Exemplare, wie dies BACKEBERG öfters tat, denn bekanntlich erhöhen Farbbilder die Publikationskosten um das Vielfache (soweit es sich nicht um Massenauflagen handelt), während der Erwerber solcher Publikationen für seine Mehrkosten keinen vermehrten Informationswert erhält.

VAR. SCOPULINA wurde von mir gleichzeitig mit VAR. KRAINZIANA gefunden. Zum Unterschied von den Abbildungen in BACKEBERG, Bd. 3, Tafel 147 links und Bd. 6, S. 3835, welche aus Samen meiner ehemaligen "COPIAPOA SCOPULINA RITTER nom. nud., Nr. FR 209“ aufgekommen sein sollen, zeige ich in Abb. 1056 ein getrocknetes Rippenstück des 1955 von mir als "COPIAPOA SCOPULINA Nr. FR 209“ bezeichneten Exemplars, welches eine völlig andere Bestachlung zeigt und das ich heute als eine Hybride zwischen COPIAPOA KRAINZIANA und COPIAPOA CINEREA ansehe und nicht als eine eigene Art "SCOPULINA“, während ich den Namen "SCOPULINA“ als Varietätsnamen führe für die der COPIAPOA KRAINZIANA angeglicheneren Exemplare, entsprechend obiger Beschreibung. Zu COPIAPOA KRAINZIANA VAR. SCOPULINA Nr. FR 209 a. Davon liegt mir kein Foto vor.

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 © 2001-2006 Paul Klaassen
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