Copiapoa - Living on the Edge
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Kakteen in Südamerika

Friedrich Ritter

Band 3: Chile

II. Untergattung: COPIAPOA
Sektion 5 (11 Arten) - Serie b (9 Arten)

[Seite 1099]

44.) COPIAPOA GIGANTEA BACKEBERG 1936, Jahrb. Dt. Kakt.-G., Bd.1, S.104

Die Diagnose lautet: "columnaris, proliferans, vertice lanafulva et aculeis clausa, olivacea-subcinerea; costis ad 22, modice undatis; areolis ad 18 mm inter se remotis; aculeis 7 radialibus, centralibus 1 (ad 2?), umbrinis.“ 

Wenn BACKEBERG nicht den Fundort angegeben hätte und 1937 ein Foto (Blätter f. Kakt.-forsch. 1937-8, wiedergegeben in seinem Handbuch, Bd. 3, 5. 1907), wäre es kaum möglich, die Diagnose mit Sicherheit auf eine bestimmte COPIAPOA zu beziehen. Während er im deutschen Text 1936 die Zahl der Rippen zu 17-22 angibt, gibt er sie in 1937 und später zu 14-22 an. Über die Mittelstacheln sagt er 1937 ebenfalls "1(-2?)“, 1959 und 1966 aber "1-2“. Sonst weisen die späteren Beschreibungen keine Veränderungen gegenüber der ersten von 1936 auf. Ich mache diese Angaben so genau, weil es einer sorgfältigen Prüfung bedarf, um festzustellen, ob sich BACKEBERGs Name "GIGANTEA“ auf meine COPIAPOA EREMOPHILA RITTER Nr. FR 476 bezieht, welcher Name erstmals im WINTER-Katalog 1958 erscheint, oder auf näher küstenwärts wachsende Formen, die BACKEBERGs COPIAPOA HASELTONIANA näher stehen als meiner COPIAPOA EREMOPHILA, so daß ich dieselhenmit HASELTONIANA als zwei Varietäten einer einzigen Art ansehe. Zu letzterem Schluß bin ich nach Prüfung aller Angaben BACKEBERGs gekommen. An der Straße von PAPOSO an der Küste ins Landes innere nach Osten durchquert man nacheinander drei Zonen mit eigenen Variabilitätakreisen von COPIAPOA dieser 5. Sektion: An der Küste wächst "COPIAPOA HASELTONIANA BACKEBERG“, deren Verbreitungsgebiet sehr groß ist; von da nach Osten macht die Straße in Windungen einen stärkeren Aufstieg, wo die Feuchtigkeit bald derart zunimmt, daß keine COPIAPOA dieser Sektion mehr zu finden ist. Wenig weiter östlich wird es wieder etwas dürrer, und es stellt sich die COPIAPOA ein, auf die ich die Angaben für COPIAPOA GIGANTEA BACKEBERG beziehe. Noch weiter gegen Osten, am Rand der Vollwüste, wächst meine COPIAPOA EREMOPHILA als einzige Kakteenart. BACKEBERGs GIGANTEA ist auf die mittlere Formengruppe zu beziehen gemäß folgenden Angaben:

  1. "14-22 Rippen“, nach eigener Ermittlung 14-26 Rippen. Nur hier fand ich, daß die Blühbarkeit oft schon bei 14 Rippen beginnt, bei COPIAPOA EREMOPHILA beginnt sie erst bei ca 18 Rippen.

  2. Die Angabe, daß die Stacheln anfangs hornfarben seien, stimmt besser zur mittleren Formengruppe, während COPIAPOA EREMOPHILA anfangs honiggelbe bis dunkler gelbbraune Stacheln hat.

  3. Die Länge der Stacheln auf BACKEBERGs Foto trifft für Pflanzen der mittleren Formengruppe zu, während die Stacheln von COPIAPOA EREMOPHILA etwa doppelt so lang sind und stärker miteinander verflochten.

  4. BACKEBERG gibt für die Randstacheln ,,ca 7“ an, während es bei COPIAPOA EREMOPHILA 8-12  sind, selten im Blühalter 7.

  5. BACKEBERG gibt an: "1(-2?) Mittelstacheln“, was auf die mittlere Formengruppe zutrifft, bei der meist 1 Mittelstacheln entwickelt ist. Bei manchen Pflanzen stehen der oberste oder die beiden obersten Randstacheln so viel tiefer, daß sie auch als 2. oder als 2. und 3. Mittelstacheln bezeichnet werden können. Dagegen hat COPIAPOA EREMOPHILA deutlich 2-3, seltener 1 oder 4 Mittelstacheln, von den Randstacheln umgeben.

  6. BACKEBERG gibt in Bd. 3, S. 1903 als Herkunft an: "Pampa de Antofagasta, am Ausgang nach Paposo hinab, zwischen Felsgeröll“, was besser auf die mittlere Formengruppe zutrifft, welche am Ausgang der kleinen Schlucht gegen den Steilabfall nach Paposo hinunter wächst, während COPIAPOA EREMOPHILA einige km weiter nach Osten im Inneren wächst.

  7. Sämlinge meiner COPIAPOA EREMOPHILA (BACKEBERG hatte nur Sämlinge gesehen) erschienen BACKEBERG selbst nicht identisch mit seiner COPIAPOA GIGANTEA, denn er schreibt im KAKT.-LEXIKON, S. 96, über COPIAPOA EREMOPHILA RITTER: "unbeschrieben, ist eine der C. GIGANTEA als Sämling ähnliche olivgrüne Pflanze mit etwas horngelben Randstacheln und Mittelstacheln und gleicher Rippenzahl. Eine Form?“.

Diese Mittelgruppe, auf die ich also den Namen COPIAPOA GIGANTEA BACKEBERG beziehe, hat nun aber eine der größten Variationsbreiten, die mir bei COPIAPOA begegnet ist, und einige Exemplare nähern sich etwas der östlicheren COPIAPOA EREMOPHILA an, mit welcher im Zwischengebiet auch Hybriden auftreten. COPIAPOA EREMOPHILA als eine bloße regionale Varietät zu COPIAPOA GIGANTEA zu stellen, halte ich aufgrund meiner Feldbeobachtungen für unzutreffend. Wie oben angegeben, nehme ich BACKEBERGs "COPIAPOA HASELTONIANA“ als eine Varietät von COPIAPOA GIGANTEA, wobei VAR. HASELTONIANA in dürreren Gebieten wächst als VAR. GIGANTEA. Erstere wächst in zwei völlig getrennten Dürregebieten: 

  1. entlang dem Strand, 

  2. im bergigen Hinterland am Rand der Vollwüste; 

Dazwischen befindet sich der Westabfall der Küstenberge mit feuchterem Klima und ohne COPIAPOA GIGANTEA. Gegen die Wüste des Hinterlandes wächst sie aber nur gegen Süden, während sie im gleichen Klima und in gleicher Höhenlage etwas nördlicher, nämlich östlich von PAPOSO, gegen die Wüste hin durch COPIAPOA EREMOPHILA vertreten ist. Da klimatische oder standörtliche Faktoren für eine solche Trennung nicht ersichtlicb sind, wird man annehmen, daß eine echte artliche Trennung zwischen COPIAPOA GIGANTEA VAR. HASELTONIANA und COPIAPOA EREMOPHILA vorliegt, und daß aus diesem Grund keine Vermischung beider dem Rand der Vollwüste entlang zu einer einheitlichen Population erfolgen konnte; denn es ist ja anzunehmen, daß sich beide irgendwo im Gebiet südlich des Typusortes der COPIAPOA ERIMOPHILA am Wüstenrand treffen, jedoch ist diese Gegend nicht erforscht. HASELTONIANA dagegen zeigt örtlich fließende Ubergänge in GIGANTEA, so daß man beide nur als Varietäten einer einzigen Art auffassen kann. BACKEBERG fand seine COPIAPOA GIGANTEA auf einer nächtlichen Durchfahrt in einem Mietsauto vom Wagenfenster aus und sammelte mit einor Taschenlampe schnell Belegexemplare zum Mitnehmen. Wenn er später in seiner Publikation angibt, daß die Art bis 1 m hoch und 20 cm dick wird, so wird dies eine übertriebene Schätzung nach dem Gedächtnis sein (vermutlich hat er auf seinen Forschungsfahten überhaupt keine Messungen mit dem Zentimetermaß gemacht, erst recht nicht bei Zeitnot in der Nacht), und er konnte auch nur kleinere Stücke mitnehmen. Seine gemachten Größenangaben treffen etwa für COPIAPOA EREMOPHILA zu, die mittlere Formengruppe bleibt aber etwas kleiner und beträchtlich kleiner als was VAR. HASELTONIANA an Größe erreicht. Die Größenschätzungen großer Kakteen pflegen zuallermeist als übertrieben sich zu erweisen.

Im folgenden mache ich Angaben über COPIAPOA GIGANTEA VAR. GIGANTEA gemäß eigenen Notierungen: Triebe grüner als bei VAR. HASELTONIANA, weniger dick und lang, der Filzscheitel variiert von orange zu blaßbraun. Rippen 14-26, meist etwas höher als bei VAR. HASELTONIANA. Areolen etwa wie bei VAR. HASELTONIANA, jedoch meist blasser. Stacheln sehr variabel, nadelförmig bis mehr pfriemlich, blasser gelblich oder hellbraun, im Alter schwarzgrau; Randstacheln 5-7, manchmal nur 1 cm lang, sonst länger, manchmal bis 4 cm lang, mehr ausseits gerichtet als bei COPIAPOA EREMOPHILA und im ganzen mehr gerade, weniger miteinander verflochten; Mittelstacheln meist 1 ebensolcher oder etwas längerer, zuweilen 1-2 halbmittlere darüber. 

Blüte (registriert 8 Blüte verschiedener Exemplare am Typusort) 25-40 mm lang, bis zu 5 cm weit offen, geruchlos. Ovarium nur am oberen Rand mit wenigen rötlichbraunen zugespitzten Schuppen. Nektarkammer 1,5-2,5 mm lang, tubisch, gelb, geschlossen durch die basalen Stbbl. . Rö. darüber außen mit wenigen großen rotbraunen Schuppen. Beutel zitrongelb. Griffel mit 7-12 gelben, 1-2 mm langen Narbenlappen, welche die Beutel gering überragen. Petalen hell zitrongelb, 15-25 mm lang, 6-9 mm breit, spatelförmig, oben gerundet oder gering zugespitzt, weit ausgebreitet, die äußeren mit etwas Rot. Nr. FR 708b. Abb. 1051.

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 © 2001-2006 Paul Klaassen
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