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COPIAPOA GIGANTEA BACKEBERG 1936, Jahrb. Dt. Kakt.-G., Bd.1, S.104
Die Diagnose lautet: "columnaris, proliferans, vertice
lanafulva et aculeis clausa, olivacea-subcinerea; costis ad 22, modice
undatis; areolis ad 18 mm inter se remotis; aculeis 7 radialibus,
centralibus 1 (ad 2?), umbrinis.“
Wenn
BACKEBERG nicht den Fundort angegeben hätte und 1937 ein Foto (Blätter
f. Kakt.-forsch. 1937-8, wiedergegeben in seinem Handbuch, Bd. 3, 5.
1907), wäre es kaum möglich, die Diagnose mit Sicherheit auf eine
bestimmte COPIAPOA zu beziehen. Während er im deutschen Text 1936 die
Zahl der Rippen zu 17-22 angibt, gibt er sie in 1937 und später zu 14-22
an. Über die Mittelstacheln sagt er 1937 ebenfalls "1(-2?)“, 1959 und 1966 aber
"1-2“. Sonst weisen die späteren Beschreibungen keine Veränderungen
gegenüber der ersten von 1936 auf. Ich mache diese Angaben so genau,
weil es einer sorgfältigen Prüfung bedarf, um festzustellen, ob sich
BACKEBERGs Name "GIGANTEA“ auf meine COPIAPOA EREMOPHILA RITTER Nr. FR
476 bezieht, welcher Name erstmals im WINTER-Katalog 1958 erscheint,
oder auf näher küstenwärts wachsende Formen, die BACKEBERGs COPIAPOA
HASELTONIANA näher stehen als meiner COPIAPOA EREMOPHILA, so daß ich
dieselhenmit HASELTONIANA als zwei Varietäten einer einzigen Art ansehe.
Zu letzterem Schluß bin ich nach Prüfung aller Angaben BACKEBERGs
gekommen. An der Straße von PAPOSO an der Küste ins Landes innere nach
Osten durchquert man nacheinander drei Zonen mit eigenen Variabilitätakreisen
von COPIAPOA dieser 5. Sektion: An der Küste wächst "COPIAPOA
HASELTONIANA BACKEBERG“, deren Verbreitungsgebiet sehr groß ist; von da
nach Osten macht die Straße in Windungen einen stärkeren Aufstieg,
wo die Feuchtigkeit bald derart zunimmt, daß keine COPIAPOA dieser
Sektion mehr zu finden ist. Wenig weiter östlich wird es wieder etwas dürrer,
und es stellt sich die COPIAPOA ein, auf die ich die Angaben für COPIAPOA
GIGANTEA BACKEBERG beziehe. Noch weiter gegen Osten, am Rand der Vollwüste,
wächst meine COPIAPOA EREMOPHILA als einzige Kakteenart. BACKEBERGs
GIGANTEA ist auf die mittlere Formengruppe zu beziehen gemäß folgenden
Angaben:
-
"14-22
Rippen“, nach eigener Ermittlung 14-26 Rippen. Nur hier fand ich, daß
die Blühbarkeit oft schon bei 14 Rippen beginnt, bei COPIAPOA
EREMOPHILA beginnt sie erst bei ca 18 Rippen.
-
Die
Angabe, daß die Stacheln anfangs hornfarben seien, stimmt besser zur
mittleren Formengruppe, während COPIAPOA EREMOPHILA anfangs
honiggelbe bis dunkler gelbbraune Stacheln hat.
-
Die
Länge der Stacheln auf BACKEBERGs Foto trifft für Pflanzen der mittleren
Formengruppe zu, während die Stacheln von COPIAPOA EREMOPHILA etwa
doppelt so lang sind und stärker miteinander verflochten.
-
BACKEBERG
gibt für die Randstacheln ,,ca 7“ an, während es bei COPIAPOA EREMOPHILA
8-12 sind, selten im Blühalter 7.
-
BACKEBERG
gibt an: "1(-2?) Mittelstacheln“, was auf die mittlere Formengruppe
zutrifft, bei der meist 1 Mittelstacheln entwickelt ist. Bei manchen Pflanzen
stehen der oberste oder die beiden obersten Randstacheln so viel tiefer, daß
sie auch als 2. oder als 2. und 3. Mittelstacheln bezeichnet werden können.
Dagegen hat COPIAPOA EREMOPHILA deutlich 2-3, seltener 1 oder 4 Mittelstacheln,
von den Randstacheln umgeben.
-
BACKEBERG
gibt in Bd. 3, S. 1903 als Herkunft an: "Pampa de Antofagasta,
am Ausgang nach Paposo hinab, zwischen Felsgeröll“, was besser
auf die mittlere Formengruppe zutrifft, welche am Ausgang der
kleinen Schlucht gegen den Steilabfall nach Paposo hinunter wächst,
während COPIAPOA EREMOPHILA einige km weiter nach Osten im Inneren
wächst.
-
Sämlinge
meiner COPIAPOA EREMOPHILA (BACKEBERG hatte nur Sämlinge gesehen)
erschienen BACKEBERG selbst nicht identisch mit seiner COPIAPOA
GIGANTEA, denn er schreibt im KAKT.-LEXIKON, S. 96, über COPIAPOA
EREMOPHILA RITTER: "unbeschrieben, ist eine der C. GIGANTEA als
Sämling ähnliche olivgrüne Pflanze mit etwas horngelben Randstacheln
und Mittelstacheln
und gleicher Rippenzahl. Eine Form?“.
Diese
Mittelgruppe, auf die ich also den Namen COPIAPOA GIGANTEA BACKEBERG beziehe, hat nun aber eine der größten Variationsbreiten, die mir bei
COPIAPOA begegnet ist, und einige Exemplare nähern sich etwas der östlicheren
COPIAPOA EREMOPHILA an, mit welcher im Zwischengebiet auch Hybriden
auftreten. COPIAPOA EREMOPHILA als eine bloße regionale Varietät zu COPIAPOA
GIGANTEA zu stellen, halte ich aufgrund meiner Feldbeobachtungen für
unzutreffend. Wie oben angegeben, nehme ich BACKEBERGs "COPIAPOA
HASELTONIANA“ als eine Varietät von COPIAPOA GIGANTEA, wobei VAR.
HASELTONIANA in dürreren Gebieten wächst als VAR. GIGANTEA. Erstere wächst
in zwei völlig getrennten Dürregebieten:
-
entlang
dem Strand,
-
im
bergigen Hinterland am Rand der Vollwüste;
Dazwischen
befindet sich der Westabfall der Küstenberge mit feuchterem Klima und
ohne COPIAPOA GIGANTEA. Gegen die Wüste des Hinterlandes wächst sie
aber nur gegen Süden, während sie im gleichen Klima und in gleicher Höhenlage
etwas nördlicher, nämlich östlich von PAPOSO, gegen die Wüste hin
durch COPIAPOA EREMOPHILA vertreten ist. Da klimatische oder standörtliche
Faktoren für eine solche Trennung nicht ersichtlicb sind, wird man
annehmen, daß eine echte artliche Trennung zwischen COPIAPOA GIGANTEA
VAR. HASELTONIANA und COPIAPOA EREMOPHILA vorliegt, und daß aus diesem
Grund keine Vermischung beider dem Rand der Vollwüste entlang zu einer
einheitlichen Population erfolgen konnte; denn es ist ja anzunehmen, daß
sich beide irgendwo im Gebiet südlich des Typusortes der COPIAPOA
ERIMOPHILA am Wüstenrand treffen, jedoch ist diese Gegend nicht
erforscht. HASELTONIANA dagegen zeigt örtlich fließende Ubergänge in
GIGANTEA, so daß man beide nur als Varietäten einer einzigen Art
auffassen kann. BACKEBERG fand seine COPIAPOA GIGANTEA auf einer nächtlichen
Durchfahrt in einem Mietsauto vom Wagenfenster aus und sammelte mit
einor Taschenlampe schnell Belegexemplare zum Mitnehmen. Wenn er später
in seiner Publikation angibt, daß die Art bis 1 m hoch und 20 cm dick
wird, so wird dies eine übertriebene Schätzung nach dem
Gedächtnis sein (vermutlich hat er auf seinen Forschungsfahten überhaupt
keine Messungen mit dem Zentimetermaß gemacht, erst recht nicht bei
Zeitnot in der Nacht), und er konnte auch nur kleinere Stücke mitnehmen.
Seine gemachten Größenangaben treffen etwa für COPIAPOA EREMOPHILA zu,
die mittlere Formengruppe bleibt aber etwas kleiner und beträchtlich
kleiner als was VAR. HASELTONIANA an Größe erreicht. Die Größenschätzungen
großer Kakteen pflegen zuallermeist als übertrieben sich zu erweisen.
Im
folgenden mache ich Angaben über COPIAPOA GIGANTEA VAR. GIGANTEA gemäß
eigenen Notierungen: Triebe grüner als bei VAR. HASELTONIANA, weniger
dick und lang, der Filzscheitel variiert von orange zu blaßbraun. Rippen
14-26, meist etwas höher als bei VAR. HASELTONIANA. Areolen etwa wie bei
VAR. HASELTONIANA, jedoch meist blasser. Stacheln sehr variabel, nadelförmig
bis mehr pfriemlich, blasser gelblich oder hellbraun, im Alter
schwarzgrau; Randstacheln 5-7, manchmal nur 1 cm lang, sonst länger, manchmal
bis 4 cm lang, mehr ausseits gerichtet als bei COPIAPOA EREMOPHILA und
im ganzen mehr gerade, weniger miteinander verflochten; Mittelstacheln meist 1
ebensolcher oder etwas längerer, zuweilen 1-2 halbmittlere darüber.
Blüte
(registriert 8 Blüte verschiedener Exemplare am Typusort) 25-40 mm lang,
bis zu 5 cm weit offen, geruchlos. Ovarium nur am oberen Rand mit wenigen
rötlichbraunen zugespitzten Schuppen. Nektarkammer 1,5-2,5 mm lang, tubisch,
gelb, geschlossen durch die basalen Stbbl. . Rö. darüber außen mit
wenigen großen rotbraunen Schuppen. Beutel zitrongelb. Griffel mit 7-12
gelben, 1-2 mm langen Narbenlappen, welche die Beutel gering überragen.
Petalen hell zitrongelb, 15-25 mm lang, 6-9 mm breit, spatelförmig, oben
gerundet oder gering zugespitzt, weit ausgebreitet, die äußeren mit
etwas Rot. Nr. FR 708b. Abb. 1051.
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