Copiapoa - Living on the Edge
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Kakteen in Südamerika

Friedrich Ritter
 

Band 3: Chile

II. Untergattung: COPIAPOA
Sektion 5 (11 Arten)
Serie b (9 Arten)

42.) COPIAPOA CINEREA (PHIL.) Br. & R. 1922

[Seite 1097]
syn. ECHINOCACTUS CINEREUS PHIL. 1860, Florula atacamensis, 5. 23

PHILIPPI gibt als Verbreitung an: "An der Küste des Taltal-Tales bei 25° 24‘ Breite häufig“. Er hat dabei gewiß die COPIAPOA GIGANTEA BACKEBERG mit hinzugerechnet, da er fortfährt: "bis nach Cobre 24° 15‘ Breite“, aber selbst die Verbreitung von COPIAPOA GIGANTEA reicht nicht bis nach Cobre. Die Herbarmuster von PHILIPPI in Santiago stammen aber von Taltal, und die Beschreibung ist von Pflanzen bei Taltal genommen und begreift nicht COPIAPOA GIGANTEA ein, so daß die Bestimmung der Art ECHINOCACTUS CINEREUS PHILIPPI eindeutig ist. Bei geringer Variabilität von Blüte, Frucht und Samen ist diese Art namentlich hinsichtlich der Bestachlung sehr variabel und zwar in Abhängigkeit von klimatischen Faktoren. Das Strandgebiet von Taltal ist völlige Wüste; nach Osten beginnt diese Art in noch sehr dürrem Gebiet mit stark weiß bereiften kleinen Säulen, die einzeln sind oder etwas sprossen, aber gewöhnlich nicht unten, sondern seitlich bis oben. Die Bestachlung ist pfriemlich, schwarz, gerade, kurz, und meist finden sich nur 1-2 Mittelstacheln, während Randstacheln ganz fehlen oder nur 1-3 kleine nadelförmige ausgebildet sind. 

Weiter nach Osten, an den Berghängen und zwischen ihnen, wo es mehr regnet, bis in die Nähe von LAS BREAS, entwickelt diese Art meist lockere Gruppen mit mehr basaler Sprossung, und die Köpfe erreichen die größten Ausmaße mit bis über 1 m Länge, wobei sich die unteren Teile umlegen. Die Bestachlung ist hier üppiger, Randstacheln sind 4-8 entwickelt und Mittelstacheln 1-3; die Stacheln sind länger und dicker, schwarz bis dunkelbraun. Es handelt sich dabei mehr um eine ökologische als geographische Variabilität. 

Zwischen den Formen bestehen fließende Übergänge. Im Herbarmaterial von PHILIPPI befinden sich beide Typen, wohl von je einem Exemplar stammend. Die Beschreibung durch PHILIPPI ist aber nach dem reicher bestacheltem Exemplar gemacht; er wird wohl angenommen haben, daß das geringer bestachelte Exemplar infolg der Dürre des Standortes entfaltungsgehemmt war, so daß er es in sein Beschreibung nicht einbezog. Offenbar sind aber beide Bestachlungsformen erblich, auch wenn stärkere Umwelteinflüsse mitwirksam sein werden.

P. C. HUTCHISON hat eine sorgfältige Studie über diese Art gemacht ("Cact. Suc . Journ.“ (USA) 1953, 5. 63/72), wobei er ausführlich die Frage erörtert, welcher Bestandteil aus dem Herbar von PHILIPPI als Lectotypus anzusehen sei. Da in der Beschreibung von PHILIPPI die wenig stachlige Form nicht erwähnt wird, ist die von ihm beschriebene mehrstachlige Form als nomenklatorischer Lektotypus anzusehen. HUTCHISON wendet sich dagegen, daß ROSE, der das Herbar besichtigt hatte, die wenigstachlige Form als Lektotypus ausgewählt habe. Davon kann aber keine Rede sein, denn in der einzigen Publikation ROSE‘s (The Cactaceae, Bd. 3, 5. 86) wird für "COPIAPOA CINEREA (PHILIPPI) BR. & R.“ überhaupt kein Lektotypus aufgestellt, sondern ROSE verarbeitet beide Stachelformen in seiner Diagnose: "Stacheln einzeln oder zuweilen 5 oder 6, starr, schwarz, obere Randstacheln 4 mm lang, untere Randstacheln 12-16 mm lang, Mittelstacheln 18-20 mm lang“; d. h. für ROSE bildeten beide Formen zusammen den Typus; legitim werden Lektotypen aber erst aufgrund ihrer Publikation. Da aber HUTCHISON die Formen nur beschreibt, ohne Varietäten aufzustellen, ist diese ganze Typusfrage für die Praxis belanglos, wie man überhaupt diesen Reglementierungen ein zu großes Gewicht beilegt, während in der Praxis der Taxonomie fast nie irgendetwas dabei herausgekommen ist. Ich selbst mache keine legitime Publikation der wenigbestachelten Formen als eigene Varietät in Anbetracht der vielen Übergänge in Natur, die in zahlreichen Fällen eine taxonomische Einordnung bei Bestimmungen unmöglich machen würden.

Weitere Angaben über COPIAPOA CINEREA finden sich in meinen Vergleichs-Aufstellungen unter COPIAPOA COLUMNA-ALBA, COPIAPOA DEALBATA und COPIAPOA CINEREA­Varietäten. Nr. FR 207. Abb. 1047/1049. Weitere Abb. in SCHUMANN, Nachtrag 1903, Abb. 15, und in BACKEBERG, Bd. 3, Abb. 1824/1827 und 1830/1831 sowie in HUTCHISON l. c. Abb. 48/58.2.)VAR. ALBISPINA.


42a. VAR. ALBISPINA RITTER 1963, Taxon 12 (1), 5. 30 
syn. COPIAPOA ALBISPINA BACKEBERG nom. nud. 1959

Diagnosis emendata: A var. cinerea recedit corpore minore, basi proliferanti, paulum pruinoso; costis 12-21; spinis luridis ad albis acumine pullo, marginalibus 0-6, acicularibus, rectis vel curvatia, inter se imparibus, 3-30 mm longis, centralibus 1-3, subulatis, 2-5 cm longis; habitat Taltal, 10 km ad septentriones versus, litore maris, Chile

Ich gebe hier eine Vergleichs-Aufstellung der Varietäten der COPIAPOA CINEREA:

 
1.) VAR. CINEREA (a) (b) 2.) VAR. ALBISPINA
Formen des Dürreklimas. Formen des Normalklim.
Körper nicht oder wenig sprossend, und dann öfters oben, stark grauweiß bereift. Körper stärker sprossend, und gewöhnlich unten, stark grauweiß bereift. Körper stärker sprossend, und gewöhnlich unten, weniger stark bereift, Triebe etwas kleiner als (a) und (b).
Rippen 12-28. Rippen 14-30. Rippen 12-21.
Stacheln schwarz, gerade, Stacheln schwarz bis dunkelbraun, gerade,  Stacheln weiß bis hell bräunlichgelb, dunkel gespitzt, gerade bis gebogen,
Randstacheln fehlend oder 1-3 feine, Mittelstacheln 1-2, kurz, pfriemlich . Randstacheln 4-8, dünn pfriemlich, Mittelstacheln 1-3, stark pfriemlich, länger. Randstacheln nadelförmig und kurz, bis pfriemlich und lang, unter sich ungleich, 3-30 mm lang, Mittelstacheln 1-3, dicker, 2-5 cm lang.

Standort nahe Taltal nach Osten.

Standort Hinterlana der Küste, östlich, südlich und nördlich von Taltal. Standort zwischen Strandfelsen, ca 10 km nördlich von Taltal.

Blüte, Frucht und Samen ohne klar erkennbare Unterschiede.

VAR. ALBISPINA kann nicht als eigene Art gelten, da beim Zusammentreffen mit der VAR. CINEREA völlig mit ihr hybridisierend. Die von BACKEBERG hervorgehobene Braunfärbung des Körpers ist nicht allgemein typisch für diese Varietät. ALBISPINA ist eine ökologische Varietät, sie wächst dort, wo die hohen regenreicheren Küstenberge steil zum Strand abfallen, so daß der Strand hier, im Gegensatz zum Strand bei der Ortschaft Taltal, zuweilen etwas Regen empfängt und der direkte Einfluß des Meeres ein den Standorten der Typusvarietät etwas abweichendes Klima verursacht. Wenn BACKEBERG in Bd. 3 die VAR. ALBISPINA zu einer selbständigen Art erheben wollte, so genügte dazu nicht die Beobachtung von Sämlingen, die ihm allein zugänglich waren. In seinem Kakt.. Lexikon führt er ALBISPINA nicht mehr als eigene Art auf. Diese Var. wurde von mir entdeckt 1954. Nr. FR 207a, Im Juni 1954 an die Städt. Sukk.-Samml. in Zürich gesandt unter der Nr. 266. Abb. 1050. Sämlingsbilder in BACKEBERG, Bd. 3, 5. 1904 Mitte und unten.

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