Copiapoa - Living on the Edge
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Kakteen in Südamerika

Friedrich Ritter

Band 3: Chile

II. Untergattung: COPIAPOA
Sektion 4 (17 Arten)

[Seite 1094]

39.) COPIAPOA COLUMNA-ALBA RITTER 1959 "Cactus" Nr.65, S.199

syn. COPIAPOA CINEREA VAR. FLAVESCENS BACKEBERG nom. nud. 1959
syn. COPIAPOA CINEREA VAR. COLUMNA-ALBA (RITTER) BACKEBERG 1962

Körper einzeln, ohne Rübenwurzel, säulig, meist etwas schief zum Erdboden in windabgewandter Richtung wachsend, bis 75 cm hoch und 10-20 cm dick, stark grauweiß bereift ähnlich der COPIAPOA CINEREA oder dieselbe manchmal noch übertreffend; Scheitel flach, stark filzig, orange bis orangegrau, stachellos. Rippen etwa 27-47, sehr stumpf, ca 10 mm breit, 5-8 mm hoch, mit starken Kerben unter und etwas Höckern über den Areolen, so daß diese nach unten weisen; Trennfurchen geschlängelt. Areolen eingesenkt, 2-5 mm Durchmesser, 4-8 mm freie Entfernung, länglich, zunächst orange- gelbfilzig, vergrauend. Stacheln im Neutrieb schwarz bis gelbbraun, nicht oder sehr spät vergrauend; junge Pflanzen haben etwa 4-5 feine, 5-8 mm lange Randstacheln und einen derberen abstehenden, 1-2 cm langen Mittelstacheln; ältere Pflanzen mit 0-5 Randstacheln von 5-10 mm Länge, sehr ausseits gerichtet, dazu meist nur mit einem, seltener 2-3 derberen Mittelstacheln von 1-2 cm; Stacheln meist etwas nach abwärts gebogen mit Ausnahme der obersten geraden Stacheln. 

Blüte 2-3 cm lang, geruchlos, trichterförmig. Nektarkammer 1-2 mm hoch und ca 4 mm weit, offen, Rö. darüber 6-10 mm hoch, blaßgelb mit einigen kleinen schmalen Schuppen mit roter Spitze. Filamente: untere 15-18 mm lang, obere kaum über 10 mm, blaßgelb, Beutel goldgelb, Insertionen über der Nektarkammer dichter als weiter oben. Griffel nahezu 2 cm lang, blaßgelb, die ca 10 kurzen spreizenden Narbenlappen dunkler gelb, nicht über die Beutel hinausragend. Petalen ca 10-13 mm lang, 3-5 mm breit, oben abgerundet oder kurz zugespitzt, blaßgelb, ganz ohne Rot. 

Frucht 7-10 mm Durchmesser, kuglig bis etwas länglich, ganz im Scheitelfilz steckend, blaß, am oberen Ende grünlich bis rosa, mit wenigen, 3-4 mm langen Schuppen, besonders am Napfrand, aber auch seitlich bis zur Fruchtmitte hinab oder noch tiefer; Fruchtfleisch viel weniger saftig als bei COPIAPOA CINEREA; in der getrockneten Frucht zerreibt es sich staubförmig, während es in der getrockneten CINEREA-Frucht klebrig ist wie eine Paste. 

Samen ca 1,2 mm lang, 0,7 mm breit, 0,4 mm dick, dorsal stark gewölbt, gekielt; Testa schwarz, glänzend, sehr fein flach gehöckert; Hilum ventral, weiß, langoval.

Typusort: Etwa der 26. Breitengrad in Küstennähe; Verbreitung südlich der COPIAPOA CINEREA bis nahe CHAÑARAL. Typus gesandt an die Städt. Sukk.­Samml, in Zürich. Von mir entdeckt 1956. Nr. FR 530. Abb. 1039/1041.

Sämlingsbild in BACKEBERG, Bd. 3, Tafel 144 unten links (über diesem Bild oben links ein Sämling der COPIAPOA CINEREA von ganz anderem Aussehen). Jungpflanzenbilder im gleichen Band Abb. 1828 und 1829 oben.

Wenn BACKEBERG COLUMNA-ALBA zu einer Varietät der COPIAPOA CINEREA umkombinierte, so hatte er seine Zuständigkeit für taxonomische Bearbeitungen überschritten, zumal ich in "Cactus“ eine sorgfältige Gegenüberstellung der Differenzen zwischen beiden Arten ausgearbeitet hatte, um welche sich BACKEBERG nicht kümmerte. Aus den Sämlingabildern, die er von COPIAPOA COLUMNA-ALBA bringt, konnte er diesen Schluß nicht ableiten, zumal der Unterschied gegenüber seinem Sämlingsbild von COPIAPOA CINEREA recht beträchtlich ist; überdies werden die wesentlichsten Artmerkmale erst im Blühalter manifest. Statt meinen Vergleich zwischen den beiden Arten sorgfältig zu beachten, schreibt BACKEBERG ohne ein Wort der Diskussion darüber (Bd. 6, 5. 3822), daß meine Vergleichsaufstellungen in "Cactus“ nichts daran änderten, daß die RITTER‘ sche Trennung nicht aufrechtzuerhalten sei. Da BACKEBERG kaum Felderfahrungen über COPIAPOA CINEREA hatte, stützte er seine Bearbeitung dieser Art völlig auf das Feldstudium dieser Art durch HUTCHISON (Cact. Succ. Journ. America 1953, S. 63/72), wo lediglich die Formen von Taltal, wo keine COPIAPOA COLUMNA-ALBA wächst, beschrieben und abgebildet werden, so daß er dieser Darstellung nichts über die Beurteilung der COPIAPOA COLUMNA-ALBA entnehmen konnte. BACKEBERGs Umkombination ist daher ohne wissenschaftliche Fundierung. Daß es sich um zwei selbständige Arten handelt, erweist meine Feldbeobachtung, denn COPIAPOA COLUMNA-ALBA ist in ihrem weiten Verbreitungsgebiet von CHAÑARAL bis ESMERALDA völlig einheitlich, ohne sich nach Norden den auf wenige km folgenden südlichsten Formen der COPIAPOA CINEREA im geringsten anzunähern. COPIAPOA MELANOHYSTRIX RITTER spec. nov. ist eine Art, die der COPIAPOA COLUMNA-ALBA fraglos näher steht als CINEREA, sie trifft sich bei ESMERALDA mit COPIAPOA COLUMNA-ALBA, ohne sich mit ihr zu vermischen. Wenn wir sie also als selbständige Art führen müssen, so gilt noch entschiedener, daß die unter sich differenteren CINEREA und COLUMA-ALBA als zwei gute Arten zu führen sind. Leider hat BACKEBERG sich immer für berufen gehalten, meine auf Feldstudien fußenden Forschungsergebnisse vom Schreibtisch aus mit den allerdürftigsten Unterlagen oder auch ohne Unterlagen zu "korrigieren“. Ich gebe hier einen Vergleich der COLUMNA-ALBA mit CINEREA:

COPIAPOA CINEREA, alle Varietäten  COPIAPOA COLUMNA-ALBA

Körper reichlich sprossend, nur an sehr dürren Standorten nicht sprossend.

 Körper nicht ohne Verletzungen sprossend.

Rippen 12 bis ca 30, ca 2 cm breit, 10-18 mm hoch, im Alter in der Längserstreckung zusammengeschoben, sodaß die Areolen stärker genähert werden und Querfalten an den Rippen hinablaufen; Trennfurchen im Alter  kaum geschlängelt.

Rippen 27-47, (altersmäßig weit mehr‘Rippen als COP. CINEREA, da alle Alterastadien ab Blühbegmnn zusammengefaßt sind). Rippen ca 1 cm breit, 5-7 mm hoch, im Alter nicht zusammengeachoben; Trennfurchen auch im Alter stärker geschlängelt .

Areolen rund oder kaum länglich, nicht  oder wenig eingesenkt, von Anfang an grau.

Areolen deutlich länglich, stärker eingesenkt, orangefarben.

Stacheln schwarz oder (VAR. ALBISPINA) bräunlich bis weiß, vergrauend.

 Stacheln schwarz bis gelbbraun, nicht vergrauend.
Stbl.länger, bis über die Spitzen der Petalen. Stbl. weniger lang.

Petalen 13-15 mm lang, 5-7 mm breit, die äußeren mit rotem Mittelstreif.

Petalen 10-12 mm lang, 4 mm breit, rein gelb, auch die äußeren.

Frucht-Fleisch saftiger, getrocknet klebrig.  Frucht-Fleisch saftarm, getrocknet zerreibbar.
Samen über 1,5 mm lang.  Samen 1,2 mm lang.

Die Zusammenstellung zeigt die beträchtliche Verschiedenheit bei er Arten. Durch ihre orangefarbenen Areolen und nicht vergrauenden Stacheln ist COPIAPOA COLUMNA-ALBA dekorativer als COPIAPOA CINEREA und beansprucht als Einzelsäule weniger Platz.


39a. VAR. NUDA RITTER var nov.

A var. columna-alba recedit stirpe aspinoso usque perveniente ca 3-10 cm diam.; costis nonnullis paucioribus; habitat Cifuncho, Depart. Taltal, Chile,

Unterschiede gegen VAR. COLUMNA-ALBA: Jungpflanzen sind unbestachelt, die spätere Bestachlung ist normal und beginnt früher oder später, manchmal erst, nachdem die Pflanze 10 cm Dicke erreicht hat. Die Zahl der Rippen ist etwas weniger. Regionale Varietät vom Typusort CIFUNCHO, Depart. Taltal. Von mir entdeckt 1956. Nr. FR 530a. Abb. 1042.

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