Copiapoa - Living on the Edge
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Kakteen in Südamerika

Friedrich Ritter
 

Band 3: Chile

II. Untergattung: COPIAPOA
Sektion 5 (11 Arten)  - Serie a (2 Arten)

37.) COPIAPOA DEALBATA RITTER 1959, "Cactus" Nr. 63, S.137

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syn. COPIAPOA CINEREA VAR. DEALBATA (RITTER) BACKEBERG 1962, Die Cactaceae, Bd. 6, S. 3823

Körper stark und dicht sprossend, mächtige Halbkugeln mit zahlreichen Köpfen bildend, ohne Rübenwurzel, in Natur stark grauweiß bereift wie COPIAPOA CINEREA oder noch weißer. Köpfe 6-12 cm dick, mit stark filzigem grauem stachellosem Scheitel, der flach oder ein wenig erhaben ist. Rippen 21-33, ca 1 cm hoch, über den Areolen etwas höckerig, unter ihnen etwas gekerbt, so daß die Areolen nach abwärts weisen. Areolen grau- bis etwas orangebraunfilzig, 5-8 mm lang, 3-5 mm breit, 10-25 mm freie Entfernung, etwas in die Rippen eingesenkt. Stacheln schwarz, meist nur 1 Mittelstacheln vorhanden, abstehend, gerade oder etwas nach unten gebogen, 2-5 cm lang, zuweilen darüber noch 1-3 kleinere dünnere, ebenso abstehende Stacheln; Sämlinge mit mehreren nach unten gebogenen Randstacheln und ohne Mittelstacheln. 

Blüte (registriert 3 Blüte verschiedener Exemplare der einzig bekannten Fundstelle) geruchlos, trichterig geöffnet, ca 35 mm lang, Öffnung ebenso weit. Nektarkammer 4-5 mm hoch, ca 4 mm weit, halboffen durch Wandverdickung oben und die gegen den Griffel geneigten basalen Stbbl. . Rö. darüber trichterig, etwa 1 cm lang, oben etwa 15 mm weit, mit wenigen großen schmalen Schuppen, die unteren grünlichgelb, die oberen rotbraun. Filamente: untere 15-18 mm lang, obere halb so lang, alle blaßgelb, Beutel blaßgelb bis zitrongelb, Insertionen besonders über der Nektarkammer auf ca 2 mm Höhe, darüber wenige bis zum Saum. Griffel blaßgelb, 25-30 mm lang, 1,5 mm dick, die Beutel überragend, mit ca 7 sehr kurzen, etwas zugespitzten blaß zitrongelben [Seite 1092] Narbenlappen mit öfters etwas rötlichen Enden. 

Frucht rundlich, ca 15 mm Durchmesser, grünlichweiß, oben oft etwas rötlich, nur am Fruchtnapf mit einigen schmalen, 5-8 - langen blassen oder rötlichen Schuppen, zuweilen schuppenlos. 

Samen ca 1,5 mm lang, 1,0 mm breit, 0,5 mm dick, dorsal stark gewölbt, wenig gekielt, schwarz, wenig glänzend, fein und nicht geflacht gehöckert; Hilum weiß, kurzoval, ventral, Mikropyle eingeschlossen. 

Typusort ostwärts von COPIAPOA CARRIZALENSIS in dürrerer Gegend, nur von hier bekannt. Von mir entdeckt 1956. Typus gesandt an die Städt. Sukk.-Samml. in Zürich. Nr. FR 509. Abb. 1035/1036. Sämlingsbild in BACKEBERG, Bd. 3, Tafel 144, unten rechts.

Eine nahe Verwandtschaft besteht mit COPIAPOA CARRIZALENSIS, die in der nächsten Nachbarschaft wächst, während die Verwandtschaft mit der viel weiter im Norden wachsenden COPIAPOA GIGANTEA und COPIAPOA CINEREA viel weitläufiger ist. 

BACKEBERGs Umkombination der DEALBATA zu einer Varietät von CINEREA beruht auf grober Unkenntnis und zudem auf Leichtfertigkeit in der Bearbeitung (nämlich daß er trotz seiner Unkenntnis eine Umkombination wie diese machte). Er hat sich dabei offenbar allein verführen lassen von meiner Angabe, daß COPIAPOA DEALBATA stark weiß bereift ist und darin COPIAPOA CINEREA in Natur noch übertreffen kann. Es handelt sich aber hier um ein Merkmal von taxonomisch minimaler Wertigkeit, das sich innerhalb einer Art als sehr variabel erweist und zudem stark vom klimatischen Umwelteinfluß abhängt. Nun sind aber schon die Sämlingsbilder, die BACKEBERG selbst von COPIAPOA DEALBATA und COPIAPOA CARRIZALENSIS bringt, im wesentlichen gleich, während sein Sämlingsbild von COPIAPOA CINEREA (Bd. 3, Tafel 144) ganz verschieden davon ist. 

Die wesentlichsten Art-Differenzierungen bekunden sich aber erst im Blühalter. Ich habe in der Original-Publikation eine Anzahl wesentlicher Unterschiede zwischen COPIAPOA DEALBATA und COPIAPOA CINEREA nebeneinander gestellt in der normalen Variationsbreite von beiden. Leider hat BACKEBERG dies in seinen Erörterungen für die Einziehung der DEALBATA als eigene Art völlig übergangen, womit seine Umbenennung keine sachliche Basis hat. Ich gebe hier nochmals eine Gegenüberstellung beider Arten, aus der sich eine beträchtliche Unterschiedlichkeit ergibt, wobei ich außer der Aufstellung in der Original-Publikation weitere Feststellungen verwendet habe. überschneidungen in den Zahlenangaben (Triebdicke, Rippen-zahl, Areolen-entfernung) sind nicht real, sondern infolge Zustands-Zusammenfassungen inhomolog, entsprechend den Erläuterungen in der Einleitung dieses Werks (S. 13/14). BACKEBERG, der gewöhnlich nur auf einzelne Exemplare hin beschrieben hat und der also die Variations- Verbreiterungen durch die Erbformen der Fortpflanzungsgemeinschaft (des "genpools“), durch das Pflanzenalter und durch die verschiedenartigsten Umwelteinflüsse nicht in Rechnung stellte, hat öfters Arten von mir zu Varietäten umkombiniert, wenn inhomologe teilweise Uberdeckungen der Variationsbreiten-Angaben in meinen Beschreibungen vorlagen.

COPIAPOA CINEREA einschließ Varietäten

COPIAPOA DEALBATA

Körper nur an feuchteren Standorten locker sprossend.   Körper immer stark und dicht sprossend.
Triebe 8-18 cm dick    Triebe 6-12 cm dick.
Rippen 12-30, zwischen den Areolen im Alter nicht oder kaum verschmälert, mit geraden Trennfurchen, mit stumpfen Kanten, ohne oder mit stumpfen Kinnen unter den Areolen; Rippen ungekerbt oder gering gekerbt, nur bei Sämlingen tief gekerbt. Rippen 21-33, zwischen den Areolen auch im Alter stark verschmälert, mit geschlängelten Trennfurchen; bei größeren Areolen -Entfernungen mitten zwischen den Areolen schmale lange Zwischenhöcker. Rippen immer gekerbt, Kanten ziemlich scharf.
Areolen 4-5 mm Durchmesser, 1-15 mm entfernt Areolen oval, ca 6 mm lang, 4 mm breit, 10-25 mm entfernt,
stärker eingesenkt.
Stacheln gerade. Stacheln gerade bis gebogen, der Mittelstacheln doppelt so lang als bei COPIAPOA CINEREA.
Blüte 25-30   mm lang. Blüte 35 mm lang.
Nektarkammer offen, 1-2 mm hoch, ohne Wandvorsprung. Nektarkammer halboffen, 4-5 mm hoch, mit Wandvorsprung.
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COPIAPOA CINEREA nebst Varietäten COPIAPOA DEALBATA
Staubbeutel goldgelb. Staubbeutel schwefel- bis zitrongelb.
Griffel wenig über 2 cm lang, nichtüber die Beutel ragend. Griffel 2,5-3 cm lang, über die Beutel ragend.
Samen stark glänzend, stärker gekielt, sehr ausgeflacht gehöckert. Samen wenig glänzend, schwächer gekielt, erhabener gehöckert.

Eine untrügliche Dokumentation für Verwandtschaft liefern in diesem Fall die Samen von COPIAPOA CINEREA und COPIAPOA GIGANTEA (einschließlich der VAR. HASELTONIANA) einerseits, von COPIAPOA DEALBATA und COPIAPOA CARRIZALENSIS andererseits. Beidesmal sind die beiden zusammengehörigen Arten in ihren Samen nur schwer und unsicher von einander zu unterscheiden, dagegen sind die Samen der nicht zusammengehörigen Samen hinlänglich verschieden und leicht zu unterscheiden. Verbindende Zwischenglieder zwischen beiden Serien sind nicht gefunden.

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 © 2001-2006 Paul Klaassen
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