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Kakteen in Südamerika

Friedrich Ritter

Band 3: Chile

II. Untergattung: COPIAPOA
Sektion 4 (17 Arten)

[Seite 1085]

29.) COPIAPOA HYPOGAEA RITTER "Cactus" Nr. 66, 1960, S19

Körper einfach oder zu zwei Köpfen, weichfleischig, in Natur flach mit dem Erdboden oder etwas in ihn eingesunken; der assimilierende Teil der Pflanze selbst flach oder nach der Mitte vertieft, eine kleine flache Grube bildend, mit riesiger Rübenwurzel mit verdünntem Hals; Köpfe 30  -    65 mm dick, von graubrauner Farbe, nur gering grünlich, fast von der gleichen Farbe des Wüstenbodens, in dem die Art wächst; Scheitel weiß  -    filzig. Rippen 10  -    14, oft etwas gedreht, in Natur stark aufgelöst in kleine breite flache Höcker von ca 4  -    7 mm Durchmesser und ebensolcher Höhe, unten oft etwas kinnartig vorgezogen; wenn Berippung erkennbar ist, sind die Trennfurchen nicht oder nur gering geschlängelt. Eine Besonderheit sind kleine feine Längsriefen der Oberfläche, von den Areolen ausgehend bis nach unten an die Höckerbasis; sie sehen nach Schrumpfungserscheinungen aus, aber die Runzeln bleiben auch bei Vollsaftigkeit erhalten, wenigstens fand ich es so auch bei Exemplaren, die dem Standort schon vor Jahren entnommen und feucht gehalten worden waren. BACKEBERG erklärt in Bd. 6, S. 3831, daß er dies Merkmal bei aus Samen gezogenen Exemplaren nicht gesehen habe; ich habe darüber keine Erfahrung. Ich weiß auch nicht, wie weit die Samen rein sind, denn in der Kultur sind anscheinend beide Varietäten dieser Art durcheinander gekommen; ich selbst habe nur einmal in 1956 ca 330 Korn der reinen VAR. HYPOGAEA gesandt, von der VAR. BARQUITENSIS nie ein Korn; in Kultur ist der Same viel leichter zu gewinnen als in Natur, aber wie weit der Kultursame rein ist bei den häufigen Verwechslungen beider Varietäten, erscheint fraglich. Areolen 1,5  -    3 mm lang, etwas schmaler, 4  -    10 mm freie Entfernung, oben in die Höckerchen eingesenkt, weißfilzig. Stacheln fehlen an den meisten Pflanzen völlig; andere haben 1  -    6 schwarze, nicht vergrauende, abstehende nadelförmige Randstacheln von 2  -    4 mm, keine Mittelstacheln . Bei stärkerer Bestachlung als der angegebenen handelt es sich gewöhnlich um eine Hybride, die sich auch in Natur finden. 

Blüte (1 Blüte) nur für einen Tag öffnend, 20  -    22 mm lang, 3 bis fast 4 cm weit offen, mit dem typischen COPIAPOA  -     Blütenduft; Blühareolen stärker befilzt. Nektarkammer nur 1 mm hoch, fast 4 mm weit, aber nur ca 1 mm weit um den fast 2 mm dicken Griffel; oben geschlossen durch die basalen Stbbl.. Rö. ca 6 mm lang, oben 9 mm weit, außen olivgrünlich, mit wenigen breiten olivgrünlich  -    roten Schuppen, trichterförmig. Filamente ausgebreitet, blaßgelb, die unteren länger als die oberen; die goldgelben Beutel in Höhe der Narbe; Insertionen auf der ganzen Rö. . Griffel vom gleichen Gelb der Filamente, mit 7, zum größten Teil untereinander verwachsenen hellgelben, ca 2 mm langen, etwas gespreizten Narbenlappen. Petalen sehr weit ausgebreitet, 12  -    14 mm lang, 6  -    8 mm breit, spatelförmig, bei etwa 1/3 Höhe am breitesten, oben gerundet zugespitzt, an der Basis schmaler, hellgelb, an den oberen Enden etwas rosa, die äußeren mit mehr Rot, besonders an der Außenseite. 

Frucht klein, rundlich, schuppenlos oder mit einem winzigen rötlichen Schüppchen am Napfrand; Fleisch spärlich. 

Samen ca 1,0 mm lang, 0,7 mm breit, 0,5 mm dick, schwarz, glatt, glänzend, dorsal stark gewölbt und etwas gekielt; Hilum ventral, weiß, etwa von halber Samenlänge. 

Heimat in den Küstenanden des Depart. Chañaral; Fundort sehr klein und Pflanzen selten; bei genauerer Angabe des Fundplatzes wäre diese Art durch Sammler in ihrer Existenz gefährdet; im übrigen ist diese Art auch ohne Kenntnis der genauen Fundstelle unverwechselbar. Von mir entdeckt 1954. Nr. FR 261. Typus wurde 1954 an die Städt. Sukk.  -    Samml. in Zürich gesandt.

Es ist offenbar eine echte Mimikry  -    Züchtung. Die Höckerchen haben etwa die Farbe und Größe der kleinen Steinchen, mit denen der Erdboden bedeckt ist, wo die Pflanzen wachsen. Stacheln würden die Köpfchen den Augen der Guanacos, der wilden Lamas, verraten, welche die saftigen Rüben aus dem Boden scharren; Ziegen und Esel gibt es dort nicht. Die Pflanze ist so schwer erkennbar, daß man sich meist trotz Aufmerksamkeit auf den Erdboden bücken muß, um sie nicht zu übersehen. Trotz wiederholtem Begehen habe ich diese Pflanzen fast nur an einer winzigen Stelle von wenigen Quadratmetern finden können; hier stehen ein paar Dutzend Exemplare. Das Foto des Natur  -    Exemplares ist keine Standort  -    Aufnahme, ist aber eine Pflanze, die dem Standort kurz zuvor entnommen worden war. Ich habe, um den Standort nachzuahmen, den Boden um die blühende Pflanze mit solchen  [Seite 1085]  Steinchen bedeckt, wie sie sich am Standort finden. Abb. 1019/1020 und 1023. Ein Farbbild in BACKEBERG, Bd. 6, S. 3832. Ein weiteres Bild in Bd. 3 auf S. 1830 gleicht eher der Varietät BARQUITENSIS dieser Art, mit der Beschriftung "NEOCHILENIA HYPOGAEA (RITTER)“; die Angabe daselbst von BACKEBERG, daß ich HYPOGAEA RITTER Nr. FR 261 als "CHILEOREBUTIA“ bezeichnet hätte, ist unrichtig.


29a. VAR. BARQUITENSIS RITTER var. nov.

A var. hypogaea recedit costis 11  -    16, ca 4 mm altis, arugosis; areolis 0,7  -    2 mm diam., 3  -    7 mm inter se remotis; spinis marginalibus 0  -    10, centrali 0  -    1, usque ad 15 mm longi; petalis 12 mm longis, 4  -    5 mm latis; habitat Barquito, Depart. Chañaral.

Unterschiede gegen VAR. HYPOGAEA: Rippen 11  -    16, ca 4 mm hoch, meist stark aufgelöst; Höcker im ganzen gerundeter, stumpfer und etwas kleiner; Rippen  -    Trennfurchen stärker geschlängelt; Körperoberfläche glatt, ohne die Riefen und Runzeln der VAR. HYPOGAEA. Areolen 0,7 -  2 mm Durchmesser, meist mit 3 -  7 mm freier Entfernung. Stacheln von gleichem Aussehen, fehlend oder bis 10 Randstacheln von 0,5 -  3 mm Länge, zuweilen bis über 5 mm, dazu öfters 1 abstehender, bis 15 mm langer Mittelstacheln; Stachellosigkeit ist weniger häufig als bei VAR. HYPOGAEA. Petalen 12 mm lang und 4 -  5 mm breit (bei 2 Exemplaren), also schmaler als bei VAR. HYPOGAEA, sehr ausgebreitet, so daß sie im Hochstand dem Scheitel aufliegen. 

Samen mit etwas größerem und weniger ventralem Hilum. 

Typusort BARQUITO bei Chañaral, nur stellenweise. Von mir entdeckt 1956. Nr. FR 654, in der Original -  Veröffentlichung der COPIAPOA HYPOGAEA aufgeführt als COPIAPOA BARQUITENSIS RITTER nom. nud.  Abb. 1021/1022

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