Copiapoa - Living on the Edge
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Kakteen in Südamerika

Friedrich Ritter

Band 3: Chile

II. Untergattung: COPIAPOA
Sektion 4 (17 Arten)

[Seite 1083]
28.) COPIAPOA CINERASCENS (S.-D.) Br. & R. 1922 und COPIAPOA CINERASCENS var. INTERMEDIA

syn. ECHINOCACTUS CINERASCENS S.-D. 1845, Allg. Gartenztg., S. 387
syn. ECHINOCACTUS COPIAPENSIS PFEIFF. 1847
syn. ECHINOCACTUS CONGLOMERATUS PHIL. 1860

Diese Art wurde von SALM-DYCK veröffentlicht mit folgender Diagnose:

"Echinocactus caule subgloboso cinerascenti-lurideviridi, vertice lanato, 20-costato, costis subcompressis repandis, ad pulvillos tuberculatoinflatis, pulvillis conflatis retundatis cinereo-tomentosis, aculeis exterioribus 8, inferioribus sensim longioribus, radianter intertextis, centralibus 2 validioribus, omnibus rigidissimis cinereis; floribus luteis, laciniis exterioribus latiusculis acutis,apice rubicundis saepe recurvulis, interioribus erectis planiusculis, lato-lanceolatis erosodentatis.“

"ECHINOCACTUS von graulich-fahlgelbem Grün, Scheitel bewollt 20-rippig, Rippen etwas zusammengedrückt, an den Areolen ausgeschweift höckerig aufgeblasen, Areolen gedrängt, rundlich, graufilzig; 8 äußere Stacheln, die unteren allmählich länger, seitlich verflochten, Mittelstacheln zwei stärkere, alle sehr starr und grau. Blüte gelb, die äußeren Petalen ziemlich breit, spitz, mit roten, oft etwas zurückgekrümmten Spitzen, die inneren aufrecht, etwas abgeflacht, breit-lanzettlich, ausgenagt-gezähnelt.“

SALM-DYCK fügt (in "Cacteae in Horto Dyckensi 1850) hinzu, daß der Durchmesser 3-4 Zoll betrage, die Areolen 6-8 mm entfernt seien, die äußeren Stacheln 10-12 mm lang seien, die inneren aufrecht und 18-20 mm lang, der Griffel dick und hohl, die Narben 8, aufrecht und gelb.

Daß es sich hier um eine COPIAPOA handelt, ist nie bezweifelt worden. Die zwei Jahre danach erfolgte Beschreibung des ECHINOCACTUS COPIAPENSIS PFEIFF., dessen Herkunft von Copiapó angegeben wird, stimmt so gut mit der vorliegenden überein, daß man ihn allgemein, und wohl richtig, als synonym mit CINERASCENS S.-D. betrachtet hat. Mir ist nur eine COPIAPOA-Art bekannt geworden, auf welche SALM-DYCKs Beschreibung ausgezeichnet zutrifft; sie findet sich an den Küsten um CHAÑARAL. Wir werden daher keine Bedenken tragen, diese Art als den korrekten ECHINOCACTUS CINERASCENS S.-D. zu betrachten.

Er ist sehr viel verwechselt worden. Es fällt auf, daß in den alten Beschreibungen die COPIAPOA MEGARHIZA BR. & R. fehlt, die bei Copiapó wächst, denn alles, was es bei Copiapó in weiter Umgebung wächst, wurde damals nach Europa eingeführt, Die Erklärung ist darin zu sehen, daß man sie mit CINERASCENS in eins genommen hat. Erst Br. & R. haben die Trennung vorgenommen. Ich mußte weiterhin die COPIAPOA CALDERANA abtrennen (BACKEBERGs im gleichen Jahr publizierte COPIAPOA LEMBCKEI), die der MEGARHIZA ähnelt und gewiß ebenfalls mit CINERASCENS in eins genommen wurde. Ebenso fehlt auffallenderweise in den alten Beschreibungen die gemeinste COPIAPOA, die gewiß oft nach Europa kam, die COPIAPOA COQUIMBANA; sie wurde erst 1886 von RÜMPLER beschrieben. Man hatte sie wohl ebenfalls mit CINERASCENS verwechelt. Auch der Museumsdirektor PHILIPPI in Santiago hatte sein vor RÜMPLER bei Coquimbo gesammeltes Herbarexemplar der COPIAPOA COQUIMBANA fälschlich als ECHINOCACTUS CINERASCENS etikettiert. Ebenso wird die südlichste COPIAPOA, die COPIAPOA PENDULINA RITT, von FRAI JORGE, fälschlich aufgeführt als COPIAPOA CINERASCENS in der Monographie der Flora von FRAI JORGE durch SKOTTSBERG (Acta Horti Gotoburg., Tom. 18 von 1948, S. 113). Ich gebe daher hier eine genauere Beschreibung der COPIAPOA CINERASCENS nach eigenen Feststellungen, um diese Art eindeutig festzulegen:

Körper stärker sprossend, große hell graugrüne Gruppen bildend; Köpfe ziemlich flach bis halbkuglig, etwa 8-15 cm Durchmesser, etwas weichfleischig, mit großer harter Rübenwurzel mit etwas verengtem Hals; Scheitel stark grauweißfilzig. Rippen 15 bis über 20, etwa 1 cm hoch, stumpf, über den Areolen gehöckert, darunter Kerben, so daß die Areolen etwas hängend sind, Rippen an den Areolen verdickt. Areolen mit langem gauweißem Filz, rund, 5-8 mm Durchmesser, ca 3-7 mm freie Entfernung. Randstacheln braun, vergrauend, oder weißlich, dunkel gespitzt, 7-9, 5-15 mm lang, dick nadelförmig, gerade, ziemlich seitlich gerichtet; Mittelstacheln 1-4, pfriemlich, braun, gerade oder wenig gekrümmt, 1-2 cm lang. 

Blüte (registriert 7 Blüte verschiedener Exemplare) mit COPIAPOA-Duft, 27-37 mm lang, Öffnung etwas geringer weit als Blütenlänge. Ovarium blaß, ganz schuppenlos. Nektarkammer 1,5-3 mm hoch, halboffen. [Seite 1084] Rö. darüber blaßgelb, 6-9 mm lang mit wenigen großen, schmal dreieckigen purpurnen Schuppen, Öffnung ca 1 cm weit. Filamente schwefelgelb, untere 15-18 mm lang, obere ca 13 mm, Beutel groß, zitrongelb, bei 1/2 bis 3/4 Höhe der Petalen. Griffel schwefelgelb, 2-3 cm lang, mit 8-13 nur 1-2 mm langen, unten miteinander verwachsenen, zitrongelben Narbenlappen, welche die Beutel wenig überragen. Petalen schwefelgelb, 10-20 mm lang, 5-7 mm breit, oben gerundet oder kurz zugespitzt, die äußeren mit etwas purpurnen Enden. 

Frucht 10-15 mm lang, 10-12 mm dick, rötlich oder rot, meist ganz schuppenlos, zuweilen mit 1-2 kleinen Schüppchen am Napfrand. 

Samen ca 1,2 mm lang, 0,8 mm breit, 0,5 mm dick, schwarz, glänzend, sehr fein und flach gehöckert, Hilum schräg ventralseits, weiß, oval, fast bis zur halben Samenlänge reichend. Herkunft im Original nicht angegeben. Meine Beschreibung nach Exemplaren von 11 bis 25 km nördlich von CHAÑARAL an der Küste; wächst auch an flacheren Küstenstrekken südlich von BARQUITO. Steht am nächsten der COPIAPOA CALDERANA, von der sie sich namentlich unterscheidet durch den gedrungeneren Wuchs, die höhere Zahl der Rippen, deren deutlichere Höckerung und die Lage der Areolen auf der Unterseite der Höcker. Von der nahestehenden COPIAPOA MEGARHIZA unterschieden namentlich durch die Körperfarbe, die zahlreicheren Rippen und die Lage der Areolen . Neotypus wurde von mir gesandt 1958 an die Städt. Sukk.-Samml. in Zürich. Nr. FR 524. Abb. 1015/1016.

BACKEBERG kannte COPIAPOA CINERASCENS nicht, denn seine Abb. 1839 in seinem Band 3, beschriftet als COPIAPOA CINERASCENS, ist eine völlig andere Art, nämlich COPIAPOA FIEDLERIANA (siehe dort), während seine "COPIAPOA APPLANATA BACKEBERG spec. nov.“, S. 1913, in Wahrheit COPIAPOA CINERASCENS ist, und zwar ist es offenbar die im ganzen südlichere VAR. INTERMEDIA dieser Art (siehe dort). Die Original-Beschreibung, welche S.-D. lieferte, paßt besser zu der nördlicheren Varietät, so daß ich diese als den Arttypus genommen habe. ECHINOCACTUS CONGLOMERATUS PHIL. muß ebenfalls ein Synonym von ECHINOCACTUS CINERASCENS sein, auch wenn PHILIPPI eine unzutreffende Fundort-Angabe machte, denn dort gibt es keine Kaktee, welche seiner Beschreibung entspräche, wie ich unter COPIAPOA SOLARIS ausführte.


28a. VAR. INTERMEDIA RITTER nom. et comb. nov.
syn. COPIAPOA APPLANATA BACKEBERG 1959 in Die Cactaceae, Bd. 3, S. 1913

A var. cinerascenti recedit corpore minus proliferanti, caulibus ad 10 cm crassis, areolis 3-5 mm diam., ca 7 mm inter se remotis, spinis marginalibus 5-8, 1-2 cm longis, centralibus 1-3 cm longis; floribus 25-30   mm longis, magis explanatis, ovario compluribus squamis praedito, camara nectarifera 2,5-5 mm alta; habitat Barquito, Depart. Chañaral.

Der Name erscheint erstmals als COPIAPOA INTERMEDIA RITTER nom. nud. im Katalog H. WINTER 1958, nachdem der Same bereits seit 1955 unter der Nr. FR 216 angeboten worden war. Die Diagnose der synonymen COPIAPOA APPLANATA BACKEBERG ist völlig ungenügend und ohne Herkunfts-Kenntnis, so daß man ohne die Fotos die Identität mit COPIAPOA CINERASCENS VAR. INTERMEDIA nicht nachweisen könnte.

Unterschiede gegen VAR. CINERASCENS: 
Pflanzen geringer sprossend, Köpfe 6-10 cm Durchmesser, mit 13-22 Rippen. Areolen kleiner, 3-5 mm Durchmesser, mit etwa 7 mm freier Entfernung. Randstacheln 5-8 von 1-2 cm, Mittelstacheln 1-3 von 1-3 cm. 

Blüte (registriert 5 Blüte verschiedener Exemplare vom Typusort) 25-30 mm lang mit etwa ebensoweiter Öffnung. Ovarium immer mit einigen (bis ca 7) Schuppen von 2-7 mm Länge, die meisten am oberen Ende. Nektarkammer 2,5-5 mm hoch. Beutel creme- bis goldgelb, überragen meist wegen der ausgebreiteteren Petalen dieselben. Griffel 15-20 mm lang, die 8-9 Narbenlappen überragen nicht die Beutel. Petalen 10-16 mm lang, 4-6 mm breit. Frucht grünlichweiß, seltener rot.

Typusort BARQUITO bei CHAÑARAL. 

Wächst auf bergigem Gelände, während VAR. CINERASCENS auf dem ebeneren Vorgelände der Küstenberge wächst. Von mir entdeckt 1954. Nr. FR 216. Abb. 1017/1018. Hierher gehören die beiden Pflanzen der Abb. 1843 in BACKEBERG Bd. 3, S. 1913, beschriftet als "COPIAPOA APPLANATA BACKEBERG“. Von den beiden Sämlings-bildern in BACKEBERG Bd. 6, S. 3833, beschriftet "COPIAPOA INTERMEDIA RITTER“, kann das obere einer VAR. INTERMEDIA entsprechen, das untere wird wohl auch eine COPIAPOA CINERASCENS sein, auch wenn der Habitus der Höcker ungewöhnlich ist.

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 © 2001-2006 Paul Klaassen
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