Copiapoa - Living on the Edge
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Kakteen in Südamerika

Friedrich Ritter

Band 3: Chile

II. Untergattung: COPIAPOA
Sektion 4 (17 Arten)

[Seite 1078]
23.) COPIAPOA FIEDLERIANA (K.SCH.) BACKEBERG 1935

syn. ECHINOCACTUS FIEDLERIANUS K. SCH., Gesamtbeschr. Kakt., Nachtrag 
syn. COPIAPOA PEPINIANA K. SCH. VAR. FIEDLERIANA BACKEBERG 1959

Als Herkunft gibt SCHUMANN an: "In Chile, am Strand von HUASCO, dem Hafen von Vallenar: SÖHRENS Nr. 28.“ Seine Beschreibung stimmt dazu mit Ausnahme der Blüte-Länge von 5 cm; anscheinend liegt hier ein Irrtum vor oder eine bloße Schätzung. Ich gebe im Folgenden eine Beschreibung nach eigenen Notierungen:

Körper etwas stärker sprossend, graugrün, später stärker vergrauend, mit dicker Wurzelrübe mit etwas verengtem Hals. Köpfe halbflach bis kuglig, nicht säulig werdend, ca 5-8 cm Durchmesser mit flachem weißfilzigem Scheitel. Rippen 15-20, ca 1 cm hoch, tief gekerbt, die Kerben über den Areolen; Höcker unter den Areolen, mit starken, meist nach außen gerichteten Kinnen; Rippen an den Höckern verbreitert, an den Kinnen schmal, Rippen- Trennfurchen stark geschlängelt. Areolen rundlich bis oval, etwas kahnartig in die Höcker eingesenkt, nicht in die Kerben hinabreichend, nicht nach hinten abwärts gerichtet, 4-7 mm Durchmesser, grau, 8-20 mm freier Abstand. Stacheln schwarz bis braun, vergrauend; Randstacheln 4-8, stärker körperwärts gebogen, die kürzeren auch gerade, dick nadelförmig bis pfriemlich, 8-30 mm lang. 

Blüte (zwei Blüte verschiedener Exempare am Typusort) 25-30 mm lang, geruchlos. Nektarkammer 4-5 mm hoch, offen. Rö. darüber trichterig, mit wenigen breiten roten Schuppen. Filamente 13-15 mm lang, obere und untere ziemlich gleichlang, hellgelb, Beutel goldgelb. Griffel blaßgelb, die 6-9 goldgelben Narbenäste nur etwa in Höhe der unteren Beutel. Petalen 15-18 mm lang, 5-7 mm breit, etwas gerundet zugespitzt bis stumpf, innere zitrongelb, äußere nach oben mit rotem Mittelstreif. 

Frucht 10-15 mm lang, 7-10 mm dick, grünlich, nach oben mehr braun, mit wenigen langen rötlichen Schuppen am Napfrand. 

Samen ca 1,4 mm lang, 1,1 mm breit, 0,7 mm dick, ohne ventrale Kerbe; Testa schwarz, matt oder etwas glänzend, sehr fein gehöckert; Hilum schief ventralwärts, langoval, Mikropyle eingeschlossen. Verbreitung von HUASCO nordwärts bis über CARRIZAL BAJO hinaus. Nr. FR 251. Abb. 999.

BACKEBERG hat ECHINOCACTUS FIEDLERIANUS K. SCH. als eine Varietät von ECHINOCACTUS PEPINIANUS K. SCH. aufgefaßt. Der letztere ist aber, wie ich unten ausführe, eine nicht klärbare Kakteenart. Zur Begründung seiner Umkombination schreibt BACKEBERG in Bd. 3, S. 1919: "Wird in Kultur dem Arttypus oft so ähnlich, bis auf den fehlenden Mittelstacheln, daß ich die Pflanze hier als var. einbezog“; und auf S. 1899 erklärt BACKEBERG in seinem Artenschlüssel bei COPIAPOA PEPINIANA: "Kinnhöcker auch stärker vorspringend“, und bei "VAR. FIEDLERIANA“: ,,Ohne Mittelstacheln, Kinnhöcker nicht immer und nur schwächer ausgebildet.“ 

Das ist unrichtig: SCHUMANN schreibt bei ECHINOCACTUS FIEDLERIANUS: "Höcker..., die am Grund stark kinnförmig ausgezogen sind“, und so ist es auch sowohl an Natur- wie an Kulturexemplaren, während er bei ECHINOCACTUS PEPINIANUS schreibt: "sie unten kinnförmig vorgezogen sind“. Zudem hat COPIAPOA FIEDLERIANA sehr häufig, wenn nicht zumeist einen starken Mittelstacheln, was BACKEBERG eigentlich wissen müßte, da er am Typusort Huasco sammelte. Er kann sich nicht auf SCHUMANN berufen, denn dieser gibt bei ECHINOCACTUS FIEDLERIANUS an: "4-6 Stacheln", ohne zu erwähnen, ob ein Mittelstacheln darunter ist. 

Was SCHUMANN als ECHINOCACTUS PEPINIANUS beschrieben hat, läßt sich aber heute überhaupt nicht mehr feststellen, vielleicht war es eine ISLAYA; was jedoch BACKEBERG dafür hält, fällt unter ECHINOCACTUS FIEDLERIANUS K. SCH.. 

Was BACKEBERG für letzteren als kennzeichnend hervorhebt, um ihn von ECHINOCACTUS PEPINIANUS zu trennen, ist falsch. Da die scharfen Kinne das hervorstechendste Merkmal der COPIAPOA FIEDLERIANA sind, sind die beiden Abbildungen 1850 und 1851 bei BACKEBERG, welche kinnlose oder fast kinnlose Exemplare zeigen, offenbar nicht das, was die Beschriftung angibt: "COPIAPOA PEPINIANA VAR.FIEILERIANA“, dagegen scheint seine Abb. 1849, beschriftet als "COPIAPOA PEPINIANA (SCHUM.) BACK.?“, eine COPIAPOA FIEDLERIANA zu sein. Aber dies ist eine andere Art als Abb. 1848, welche ebenfalls "COPIAPOA PEPINIANA (SCHUM.) BACKEBERG“ beschriftet ist, diesmal ohne Fragezeichen. Nach dem Aussehen ist letztere vermutlich eine COPIAPOA COQUIMBANA. Jedoch ist die Abb. 1844, beschriftet als "COPIAPOA MEGARHIZA BR. & R.“, mit Bestimmtheit nicht diese Art, sondern COPIAPOA FIEDLERIANA, auch wenn BACKEBERG im Text erklärt, daß er diese Pflanze vom Typusort (Copiapó) erhalten habe (wo außer COPIAPOA MEGARHIZA nach meinen häufigen Begehungen keine andere COPIAPOA-Art wächst); das ist, wie so häufig, eine falscher Herkunftsangabe. Außerdem ist Abb. 1839, beschriftet als "COPIAPOA CINERASCENS“, in Wahrheit eine COPIAPOA FIEDLERIANA: das zeigen die Kinne, die eingesenkten Areolen, die stärker geschlängelten Trennfurchen und die Bestachlung. Die Beschriftungen einer sehr bedeutenden Anzahl von Abbildungen in BACKEBERGs Schriften beruhen nur auf oft schlechten Mutmaßungen oder auf irgendwelchen unsicheren Indizien, auch wenn sie ohne Fragezeichen gesetzt wurden.

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