RÜMPLER gibt als Autor KARW. an. SCHUMANN erklärt (1898), die Autorschaft
von KARWINSKY sei selbstredend ein Irrtum. Da RÜMPLER die
Originalbeschreibung machte, hat er als Autor zu gelten, wie auch GÜRKE
schon 1908 RUEMPL.. als Autor setzte.
RÜMPLER beschreibt die Art wie folgt: "Aufgefunden in der Umgebung von
COQUIMBO, dem Hauptort der chilenischen Provinz Coquimbo. Körper
länglichrund, hellgrün. Rippen wenig in die Augen fallend, desto mehr die
Höcker. Areolen gewölbt, in der jugend mit kurzer Wolle besetzt, später
kahl. Randstacheln 5-6, bis 1 cm lang, schwarzbraun, später grau,
gebogen-horizontal; Mittelstacheln fehlen. Die Blüte ist wahrscheinlich noch
nicht beobachtet worden.“
Die Beschreibung ist so dürftig, daß sie auf zahlreiche Kakteenarten
zutreffen würde, und zwar nicht nur von COPIAPOA, wenn nicht die Ortsangabe
die Auswahl derart einschränkte, daß wir die Beschreibung auf nur eine
Kakteenart beziehen können. BR. & R. bezogen die Beschreibung auf die direkt
bei der Stadt COQUIMBO wachsende COPIAPOA, was aber in Anbetracht von deren
höherer Stachelzahl und ständigem Vorhandensein von Mittelstacheln nicht
möglich ist. Die Stacheln-Angaben treffen nur auf jene COPIAPOA zu, deren
Verbreitung etwa 30 km weiter östlich im ELQUI-Tal beginnt und bis nahe
Vicuña reicht, und zwar handelte es sich um ein junges, noch nicht
blühfähiges Exemplar, worauf auch die Angabe weist, daß die Höcker viel
stärker in die Augen fallen als die Rippen . Auf irgendeine andere
Kakteenart des Gebietes von Coquimbo läßt sich die Beschreibung nicht
beziehen. Da nun BR. & R. eine Fehlbestimmung machten von ECHINOCACTUS.
COQUIMBANUS RUEMPL., indem sie diesen Namen trotz nicht zutreffender
Beschreibung auf die Art nahe der Stadt Coquimbo bezogen, die sie nun
nochmals selbst beschrieben unter dem Nanen COPIAPOA COQUIMBANA, so muß nun
die BR. & R.sche Art als falsche COQUIMBANA bezeichnet werden, und es darf
zu ihr kein Klammerautor gesetzt werden, wie es BR. & R. tun, es muß
vielmehr heißen: COPIAPOA COQUIMBANA BR. & R. 1922, non ECHINOCACTUS
COQUIMBANUS RUEMPL. (bzw. KARW.). Der auf eine andere Art bezogene und daher
falsche Name COPIAPOA COQUIMBANA BR. & R. besteht also schon seit .1922,
während der auf RÜMPLERs Art sich beziehende richtige Name COPIAPOA
COQUIMBANA (RUEMPL.) RITTER erst hier gesetzt wird.
Allerdings haben BR. & R. 1922 erstmals den Namen ECHINOCACTUS COQUIMBANUS
unter die Gattung COPIAPOA gestellt und dementsprechend den Klammerautor
(KARW.) dazugesetzt. Wenn dann ihre Beschreibung sich auf eine andere Art
bezieht, so liegt hier lediglich eine Falschbestimmung vor, die
Umkombination in COPIAPOA war für die RÜMPLERsche Art bestimmt; aber da die
Autorennamen BR. & R. außerdem auch durch die gegebene Beschreibung mit der
falsch bestimmten Art verknüpft sind, so können sie für die rechtmäßige Art
COQUIMBANA nicht beibehalten werden mangels Eindeutigkeit des Namensbezuges.
In jedem Fall muß der alte Artname COQUIMBANA für die rechtmäßige Art
weitergeführt, bzw. wieder eingeführt werden in der neuen Kombination mit
COPIAPOA, entsprechend Artikel 70 (1) des Botan. Nomenklatur-Code. Erst
nunmehr wird die BR. & R.sche Kombination COPIAPOA COQUIMBANA von 1922
nachträglich, also mit dieser Publikation 1980, zu einem illegitimen Homonym
für die falsche COQUIMBANA und muß durch einen anderen Artnamen ersetzt
werden, wie 1963 in der nächst aufgeführten COPIAPOA PSEUDOCOQUIMBANA
geschehen. Vor 1963 gab es keine Möglichkeit zu dieser Homonymie, da unter
dem Namen COPIAPOA COQUIMBANA keine zwei Arten erkannt waren, es wurde alles
von COQUIMBO bis Vicuña unter eine Art gestellt. Erst in Taxon 1963, 12 (1)
erfolgte eine Zweiteilung, wobei der Name COPIAPOA COQUIMBANA zu derjenigen
Art gestellt werden muß, die der Originalbeschreibung von 1886 entspricht,
nicht der Folgebeschreibung durch BR. & R. 1922, die sich auf die zweite Art
bezieht, entsprechend dem nomenklatorischen Prioritäts-Erfordernis.
Körper meist stark sprossend, grün bis etwas bläulichgrün, Köpfe etwa 7-12
cm Durchmesser . Rippen 13-18, sehr stumpf, an den Areolen verdickt, ca 15
mm [Seite 1075] hoch, beim Sämling in Höcker
aufgelöst, später geringer oder stärker gekerbt, die Höcker gewöhnlich ohne
Kinne. Keine eigentliche Wurzelrübe, aber eine kurze harte dünne
Pfahlwurzel. Areolen etwas bräunlich, vergrauend, auf den Höckern,
undeutlich nach hinten gerichtet, rund bis oval, 6-10 mm Durchmesser, 5-15
mm freier Abstand. Stacheln schwarz, vergrauend, alle pfriemlich;
Randstacheln 5-7, gebogen, 10-40 mm lang; Mittelstacheln fehlend oder nur
einer, stark pfriemlich, meist nach oben gerichtet, gerade oder etwas
gebogen, bis 5 cm lang.
Blüte (registriert 5 Blüte verschiedener Exemplare) 35-55 mm lang, mit 3-6
cm weiter Öffnung, mit stärkerem COPIAPOA-Blüte-Duft. Ovarium etwas breiter
als lang, mit rotbraunen schmalen, bis 10 mm langen Schuppen, die Mehrzahl
am oberen Ende, unbehaart. Nektarkammer 3-5 mm hoch, geschlossen von den
basalen Stbbl. . Rö. darüber trichterig, 10-12 mm lang, oben ebenso weit bis
doppelt so weit, mit 1-2 cm langen rotbraunen spitzen Schuppen. Untere
Filamente 15-20 mm lang, mittlere 5-10 mm, obere 10-15 mm, Filamente und
Beutel blaßgelb. Griffel 1,5-2,5 mm dick, 25-30 mm lang, wovon 3-7 mm auf
die gelben 9-14 Narbenäste kommen, welche die Beutel kaum überragen. Petalen
18-33 mm lang, 8-12 mm breit, oben gerundet oder wenig zugespitzt, etwa in
der Mitte am breitesten; sie haben zusammen die Form einer Schüssel; innere
hellgelb oder rot mit schmalen bis breiten Rändern, die äußersten rot oder
braunrot.
Frucht 12-20 mm lang, bis 15 mm dick, rötlichbraungrün.
Samen ca 2 mm lang, 1,5 mm breit, 1,2 mm dick, dorsal stark gewölbt und
gekielt, ventral über dem Hilum mit kleiner Kerbe; Testa schwarz, etwas
glänzend, fein flach gehöckert, um das Hilum gewulstet; Hilum groß, oval,
halb ventralseits, Mikropyle eingeschlossen.
Die Verbreitung wurde oben angegeben. Nr. FR 718. Wurde von Herrn RUDOLF
WAGENKNECHT in La Serena wiederentdeckt.
Früher hatte ich eine ca 15 km östlich von La Serena wachsende COPIAPOA als
Arttypus angesehen, also als VAR. COQUIMBANA im Sinne von ECHINOCACTUS
COQUIMBANUS RUEMPL., was sich aber als unzutreffend erwiesen hat, da sie zu
der Art von Coquimbo zu stellen ist (zu COPIAPOA PSEUDOCOQUIMBANA VAR.
VULGATA); und mit COPIAPOA COQUIMBANA VAR. WAGENKNECHTII hatte ich
größerblütige Formen westlich von Vicuña bezeichnet, die wir aber als
regionale Formen von RÜMPLERs ECHINOCACTUS COQUIMBANUS anzusehen haben. Abb.
1000/1001. Ein Farbfoto eins Sämlings findet sich in BACKEBERGs
KaktLexikon, Abb. 72, mit der Beschriftung "COPIAPOA COQUIMBANA VAR.
WAGENKNECHTII RITTER.“