Copiapoa - Living on the Edge
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Kakteen in Südamerika

Friedrich Ritter

Band 3: Chile

II. Untergattung: COPIAPOA
Sektion 4 (17 Arten)

[Seite 1074]

20.) COPIAPOA COQUIMBANA (RUEMPL.) RITTER 1980 hic non BR. & R 1922

syn. ECHINOCACTUS COQUIMBANUS RUEMPL. 1886, Handb. Kaktkde., S. 601 
syn. COPIAPOA COQUIMBANA VAR. WAGENKNECHTII RITTER 1963, Taxen 12(1), S.30
syn. COPIAPOA WAGENKNECHTII RITTER nom. nud., Kataloge WINTER, 1959/1962

RÜMPLER gibt als Autor KARW. an. SCHUMANN erklärt (1898), die Autorschaft von KARWINSKY sei selbstredend ein Irrtum. Da RÜMPLER die Originalbeschreibung machte, hat er als Autor zu gelten, wie auch GÜRKE schon 1908 RUEMPL.. als Autor setzte.

RÜMPLER beschreibt die Art wie folgt: "Aufgefunden in der Umgebung von COQUIMBO, dem Hauptort der chilenischen Provinz Coquimbo. Körper länglichrund, hellgrün. Rippen wenig in die Augen fallend, desto mehr die Höcker. Areolen gewölbt, in der jugend mit kurzer Wolle besetzt, später kahl. Randstacheln 5-6, bis 1 cm lang, schwarzbraun, später grau, gebogen-horizontal; Mittelstacheln fehlen. Die Blüte ist wahrscheinlich noch nicht beobachtet worden.“ 

Die Beschreibung ist so dürftig, daß sie auf zahlreiche Kakteenarten zutreffen würde, und zwar nicht nur von COPIAPOA, wenn nicht die Ortsangabe die Auswahl derart einschränkte, daß wir die Beschreibung auf nur eine Kakteenart beziehen können. BR. & R. bezogen die Beschreibung auf die direkt bei der Stadt COQUIMBO wachsende COPIAPOA, was aber in Anbetracht von deren höherer Stachelzahl und ständigem Vorhandensein von Mittelstacheln nicht möglich ist. Die Stacheln-Angaben treffen nur auf jene COPIAPOA zu, deren Verbreitung etwa 30 km weiter östlich im ELQUI-Tal beginnt und bis nahe Vicuña reicht, und zwar handelte es sich um ein junges, noch nicht blühfähiges Exemplar, worauf auch die Angabe weist, daß die Höcker viel stärker in die Augen fallen als die Rippen . Auf irgendeine andere Kakteenart des Gebietes von Coquimbo läßt sich die Beschreibung nicht beziehen. Da nun BR. & R. eine Fehlbestimmung machten von ECHINOCACTUS. COQUIMBANUS RUEMPL., indem sie diesen Namen trotz nicht zutreffender Beschreibung auf die Art nahe der Stadt Coquimbo bezogen, die sie nun nochmals selbst beschrieben unter dem Nanen COPIAPOA COQUIMBANA, so muß nun die BR. & R.sche Art als falsche COQUIMBANA bezeichnet werden, und es darf zu ihr kein Klammerautor gesetzt werden, wie es BR. & R. tun, es muß vielmehr heißen: COPIAPOA COQUIMBANA BR. & R. 1922, non ECHINOCACTUS COQUIMBANUS RUEMPL. (bzw. KARW.). Der auf eine andere Art bezogene und daher falsche Name COPIAPOA COQUIMBANA BR. & R. besteht also schon seit .1922, während der auf RÜMPLERs Art sich beziehende richtige Name COPIAPOA COQUIMBANA (RUEMPL.) RITTER erst hier gesetzt wird. 

Allerdings haben BR. & R. 1922 erstmals den Namen ECHINOCACTUS COQUIMBANUS unter die Gattung COPIAPOA gestellt und dementsprechend den Klammerautor (KARW.) dazugesetzt. Wenn dann ihre Beschreibung sich auf eine andere Art bezieht, so liegt hier lediglich eine Falschbestimmung vor, die Umkombination in COPIAPOA war für die RÜMPLERsche Art bestimmt; aber da die Autorennamen BR. & R. außerdem auch durch die gegebene Beschreibung mit der falsch bestimmten Art verknüpft sind, so können sie für die rechtmäßige Art COQUIMBANA nicht beibehalten werden mangels Eindeutigkeit des Namensbezuges. In jedem Fall muß der alte Artname COQUIMBANA für die rechtmäßige Art weitergeführt, bzw. wieder eingeführt werden in der neuen Kombination mit COPIAPOA, entsprechend Artikel 70 (1) des Botan. Nomenklatur-Code. Erst nunmehr wird die BR. & R.sche Kombination COPIAPOA COQUIMBANA von 1922 nachträglich, also mit dieser Publikation 1980, zu einem illegitimen Homonym für die falsche COQUIMBANA und muß durch einen anderen Artnamen ersetzt werden, wie 1963 in der nächst aufgeführten COPIAPOA PSEUDOCOQUIMBANA geschehen. Vor 1963 gab es keine Möglichkeit zu dieser Homonymie, da unter dem Namen COPIAPOA COQUIMBANA keine zwei Arten erkannt waren, es wurde alles von COQUIMBO bis Vicuña unter eine Art gestellt. Erst in Taxon 1963, 12 (1) erfolgte eine Zweiteilung, wobei der Name COPIAPOA COQUIMBANA zu derjenigen Art gestellt werden muß, die der Originalbeschreibung von 1886 entspricht, nicht der Folgebeschreibung durch BR. & R. 1922, die sich auf die zweite Art bezieht, entsprechend dem nomenklatorischen Prioritäts-Erfordernis.

Körper meist stark sprossend, grün bis etwas bläulichgrün, Köpfe etwa 7-12 cm Durchmesser . Rippen 13-18, sehr stumpf, an den Areolen verdickt, ca 15 mm  [Seite 1075] hoch, beim Sämling in Höcker aufgelöst, später geringer oder stärker gekerbt, die Höcker gewöhnlich ohne Kinne. Keine eigentliche Wurzelrübe, aber eine kurze harte dünne Pfahlwurzel. Areolen etwas bräunlich, vergrauend, auf den Höckern, undeutlich nach hinten gerichtet, rund bis oval, 6-10 mm Durchmesser, 5-15 mm freier Abstand. Stacheln schwarz, vergrauend, alle pfriemlich; Randstacheln 5-7, gebogen, 10-40 mm lang; Mittelstacheln fehlend oder nur einer, stark pfriemlich, meist nach oben gerichtet, gerade oder etwas gebogen, bis 5 cm lang. 

Blüte (registriert 5 Blüte verschiedener Exemplare) 35-55 mm lang, mit 3-6 cm weiter Öffnung, mit stärkerem COPIAPOA-Blüte-Duft. Ovarium etwas breiter als lang, mit rotbraunen schmalen, bis 10 mm langen Schuppen, die Mehrzahl am oberen Ende, unbehaart. Nektarkammer 3-5 mm hoch, geschlossen von den basalen Stbbl. . Rö. darüber trichterig, 10-12 mm lang, oben ebenso weit bis doppelt so weit, mit 1-2 cm langen rotbraunen spitzen Schuppen. Untere Filamente 15-20 mm lang, mittlere 5-10 mm, obere 10-15 mm, Filamente und Beutel blaßgelb. Griffel 1,5-2,5 mm dick, 25-30 mm lang, wovon 3-7 mm auf die gelben 9-14 Narbenäste kommen, welche die Beutel kaum überragen. Petalen 18-33 mm lang, 8-12 mm breit, oben gerundet oder wenig zugespitzt, etwa in der Mitte am breitesten; sie haben zusammen die Form einer Schüssel; innere hellgelb oder rot mit schmalen bis breiten Rändern, die äußersten rot oder braunrot. 

Frucht 12-20 mm lang, bis 15 mm dick, rötlichbraungrün. 

Samen ca 2 mm lang, 1,5 mm breit, 1,2 mm dick, dorsal stark gewölbt und gekielt, ventral über dem Hilum mit kleiner Kerbe; Testa schwarz, etwas glänzend, fein flach gehöckert, um das Hilum gewulstet; Hilum groß, oval, halb ventralseits, Mikropyle eingeschlossen. 

Die Verbreitung wurde oben angegeben. Nr. FR 718. Wurde von Herrn RUDOLF WAGENKNECHT in La Serena wiederentdeckt.

Früher hatte ich eine ca 15 km östlich von La Serena wachsende COPIAPOA als Arttypus angesehen, also als VAR. COQUIMBANA im Sinne von ECHINOCACTUS COQUIMBANUS RUEMPL., was sich aber als unzutreffend erwiesen hat, da sie zu der Art von Coquimbo zu stellen ist (zu COPIAPOA PSEUDOCOQUIMBANA VAR. VULGATA); und mit COPIAPOA COQUIMBANA VAR. WAGENKNECHTII hatte ich größerblütige Formen westlich von Vicuña bezeichnet, die wir aber als regionale Formen von RÜMPLERs ECHINOCACTUS COQUIMBANUS anzusehen haben. Abb. 1000/1001. Ein Farbfoto eins Sämlings findet sich in BACKEBERGs Kakt­Lexikon, Abb. 72, mit der Beschriftung "COPIAPOA COQUIMBANA VAR. WAGENKNECHTII RITTER.“


VAR . ARMATA RITTER var. nov.

A var. coquimbana recedit caulibus maioribus, ad ca 15 cm crassis, spinis melleis ad brunneis, marginalibus 30-50 mm longis, centrali usque ad 6 cm longa; habitat Rio Choros, ad orientem regionis Copiapoae coquimbanae, Depart. La Serena, Chile.

Unterschiede gegen VAR. COQUIMBANA: Sproßhaufen größer, Köpfe bis ca 15 cm Durchmesser. Stacheln honiggelb bis braun; Randstacheln 3-5 cm lang, Mittelstacheln bis 6 cm lang, wie bei VAR. COQUIMBANA oft fehlend. 

Typusort Oberlauf des RIO CHOROS, östlicher als die Standorte der VAR. COQUIMBANA.

Von Herrn R. WAGENKNECHT entdeckt. Nr. FR 1461. Die hier gebrachte Schwarzweißkopie eines von Herrn WAGENKNECHT aufgenommenen blühenden Kopfes zeigt eine von VAR. COQUIMBANA anscheinend nicht abweichende Blüte . Abb. 1002.

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 © 2001-2006 Paul Klaassen
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