Copiapoa - Living on the Edge
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Kakteen in Südamerika

Friedrich Ritter

Band 3: Chile

II. Untergattung: COPIAPOA
Sektion 4 (17 Arten)

[Seite 1073]

19.) COPIAPOA PENDULINA RITTER 1959, "Cactus" Nr. 63, S.135

Körper grasgrün, 10-14 cm dick, zunächst säulig wachsend, im höheren Alter sehr verlängert, bis auf 2 m, und dann über Felsen hinabhängend, wie lange Pfeifen mit emporgehobenen Köpfen, falls die Exemplare auf Steilgelände stehen, mit vielen Verzweigungen; es ist die einzige COPIAPOA, die normalerweise hängend wächst; Haufen sehr locker (viel lockerer als bei COPIAPOA COQUIMBANA), mit geringer dünner Wurzelrübe ohne verengten Hals und mit sehr reichlichen langen Faserwurzeln; Scheitel flach, graubraunfilzig, bestachelt. Rippen 12 - 20, gerade, stumpf, über den Areolen etwas flachhöckerig, an den Areolen verbreitert, unter ihnen gering gekerbt, Kanten zwischen den Areolen etwas scharf und zuweilen mit einem kleinen Kinn. Areolen 5 - 8 mm Durchmesser, rundlich bis oval, zunächst graubraunfilzig, später schwärzlich, 10 bis über 15 mm freier Abstand. Stacheln schwarz bis braun, vergrauend; Randstacheln 6 - 8, gerade oder etwas körperwärts gebogen, 15 - 25 mm lang, dick nadelförmig; Mittelstacheln 1 - 2, gerade oder etwas nach unten gebogen, mehr pfriemlich, 2 - 4 cm lang. 

Blüte etwas duftend, ca 35 mm lang. Frkn. nur am Ende beschuppt, unbehaart. Nektarkammer ca 2 mm hoch, halb geschlossen durch die gegen den Griffel geneigten basalen Stbbl. . Rö. darüber ca 1 cm lang, trichterig, mit wenigen großen roten Schuppen. Filamente alle 12 - 15 mm lang, blaßgelb, Beutel blaßgelb bis goldgelb, Insertionen dicht über der Nektarkammer, nach oben wenige gleichmäßig verteilt. Griffel ca 2 cm lang, 1,5 mm dick, blaßgelb, die ca 10 blaßgelben Narbenäste überragen etwas die Beutel. Petalen 20-23 mm lang, 5 - 10 mm breit, oben gerundet oder kurz zugespitzt, in Trichterstellung, hellgelb, die äußeren oben mehr rot, woher die Knospe rot ist. Frucht kuglig, ca 1 cm Durchmesser, hellgrün, der aus der Scheitelwolle herausragende Teil gebräunt, mit 6 - 8 großen Schuppen nahe dem oberen Rand. Samen ca 2,0 mm lang, 1,5 mm breit, 1,0 mm dick, dorsal stark gewölbt, gekielt, ventral ohne deutliche Kerbe; Hilum groß, oval, weiß, ventral der Basis; Mikropyle klein, gesondert. 

Typusort FRAI JORGE an Küstenfelsen, Depart. Ovalle. Es ist die südlichste COPIAPOA-Art; wurde von da bis ca 40 km weiter südlich festgestellt.

Die Fundort-Angabe "CARRIZAL BAJO“ in BAGKBG., Bd. 3, S. 1922 ist falsch. Die Art ist verwandt mit COPIAPOA PSEUDOCOQUIMBANA, die bei FRAI JORGE ihre südliche Grenze findet und mit der sie daselbst zuweilen hybridisiert. Von mir entdeckt 1955. Nr. FR 504.

Typus wurde von mir damals gesandt an die Städt. Sukk.-Samml. in Zürich. Abb. 995/996. Farb­Sämlingsbilder in BACKEBERG, Bd. 3, Tafel 146 oben links und Bd. 6, S. 3837, Abb. 3473, sowohl linkes wie rechtes Bild.

BACKEBERG bringt im Text dazu COPIAPOA PENDULINA in Beziehung zu COPIAPOA MARGINATA, was abwegig ist; letztere gehört nach meiner Auffassung in eine andere Sektion. BACKEBERG schreibt daselbst auf S. 3839: "... und was RITTER als COPIAPOA PENDULINA RITTER bezeichnet, sollte zuerst einmal daraufhin untersucht werden, welche in Abb. 3473 gezeigten Pflanzen (beide aus Samen von COPIAPOA PENDULINA RITTER aufgelaufen), nun diese Art sein soll, bzw. ob die rechte oder linke etwa ECHINOCACTUS COLUMNARIS PFEIFF. sein könnte.“ Der letztere Name kann nur als ein Synonym zu ECHINOCACTUS MARGINATUS S.-D. gesetzt werden und ist bestimmt eine andere Art. Die beiden Pflanzen der Abb. 3437 sind aber die gleiche PENDULINA, nur mit dem Unterschied, daß das rechte Exemplar im Stadium der beim Sämling aufgelösten Rippen länger verblieben ist (eine Beobachtung, die man auch bei einer Anzahl anderer Kakteenarten machen kann), während das linke Exemplar schon jünger zur Berippung übergegangen ist. Die obere Hälfte dieses Exemplars zeigt die typische Form der Rippen dieser Art wie meine Abb..

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