Copiapoa - Living on the Edge
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Kakteen in Südamerika

Friedrich Ritter

Band 3: Chile

II. Untergattung: COPIAPOA
Sektion 3 (9 Arten)

[Seite 1070]

17.) COPIAPOA TENUISSIMA RITTER 1963, Taxon 12(1), S.31

Körper in Natur flach mit dem Boden, in Kultur halbkuglig, in Natur infolge ständiger schwerer Verstümmelungen durch Guanacos (wilde Lamas) meist sprossend, Sprosse am Stamm sich nicht ablösend; Köpfe 2-4 cm, selten bis 5 cm dick, schwarz bis grünlichschwarz, mit eingesenktem, bestacheltem Scheitel, der im Alter etwas weißfilzig wird. Dicke lange wurzel, unten oft abgestutzt. Riipen meist ganz in Warzen auf gelöst im Alter zuweilen 13-16 stark gedrehte Rippen erkennbar; Höcker konisch, können im Alter etwas kantig und im Querschnitt rhombisch werden; zuweilen im Alter unter den Areolen etwas vorgezogen, meist 3-4 mm hoch, Basis 3-4 mm Durchmesser; Höcker im Alter bis zu 6 mm lang und bis zu 8 mm breit. Areolen bei Jungpflanzen gering filzig, später reichlich weißfilzig, 1-2 mm Durchmesser, auf der Spitze der Höcker, rundlich, 3-5 mm freier Abstand. Stacheln nadelförmig, fein, gerade bis leicht gebogen, gelbbraun, braun oder schwarzbraun, unter der Lupe rauh, mit winzigen Härchen; Randstacheln seitwärts gerichtet oder gering abstehend, 8-14, 3-6 mm lang, die oberen am kürzesten, rings um die Areolen, Mittelstacheln häufig fehlend, öfters ein ebenso feiner von 4-8 mm Länge, etwas nach oben gerichtet, selten deren zwei. 

Blüte am Scheitel; die Blütenareolen tragen stärkere Wollbüschel; Blüte 20-26 mm lang, 25-35 mm weit geöffnet, mehrere Tage öffnend, nachts schließend, geruchlos (registriert 3 Blüte verschiedener Exemplare des Typusortes). Ovarium olivlich, 3-4 mm lang und dick, mit einigen kleinen Schuppen oben und oft auch bis unterhalb der Mitte, schmal, olivlich, 1 mm (unten) 2 mm (oben) lang, fleischig, zugespitzt, in ihren Achseln Büschel von weißer, mehrere mm langer krauser Wolle. Nektarkammer ca 1 mm hoch, ca 1/3 mm weit um den Griffel, trichterig, gelb, voll Nektar, oben geschlossen durch die gegen den Griffel gerichteten basalen Stbbl., deren unterste Reihe palisadenartig dicht zusammensteht. Rö. darüber trichterig, das obere Ende öfters auch nach außen geschwungen, 4-7 mm lang, oben 7-12 mm weit, innen von Farbe der Petalen, außen grauolivlich, mit wenigen Schuppen; diese unten mehr linealisch, nach oben verbreitert auf 2-5 mm, Enden zugespitzt, die oberen Schuppen sehr stumpf mit einem Spitzchen; Schuppen 2-3 mm (untere) bis 7 mm (obere) lang, olivlich mit blassen Rändern, Wollbüschel nur hinter den kleinsten unteren Schuppen der oberen Rö. . Filamente von Farbe der Petalen, untere 8-13 mm lang, obere 7-8 mm, untere gegen den Griffel, obere gegen die Wand mit den Beuteln nach innen, Beutel intensiv goldgelb, sehr klein, rund, flach, Pollen goldgelb, Insertionen unten sehr dicht, darüber geringer bis zum Saum. Griffel vom Gelb der Petalen, 1 mm dick, 10-14 mm lang, wovon 2 mm auf die 10-14 goldgelben zusammengeneigten Narbenäste kommen, welche die Beutel kaum überra- gen. Petalen 10-15 mm lang, 5-7 mm breit, Basis schmal, bei 2/3 Höhe am breitesten, oben gerundet zugespitzt, hellgelb, etwa Farbe 1,5, Sättigung 2-4, Dunkelstufe 1 (nach Din 6164), die äußersten Petalen nach oben hin und besonders außen rötlichbraun oder violettlichbraun. 

Frucht grün oder braungrün, rundlich, bedeckt wie Ovarium. 

Samen ca 1,4 mm lang, 1,2 mm breit, 0,6 mm dick, dorsal stark gewölbt, gekielt, basal verschmälert und verdünnt; Testa schwarz, glänzend, glatt oder mit feinen, fast ausgeflachten Höckerchen; Hilum lang, weiß, ventral vom basalen Pol. 

Typus gegend Küstenberge im Süden von Antofagasta; ein kleiner, sehr gefährdeter Fundplatz; die vorhandenen Exemplare kommen infolge extremer Beweidung durch die Guanacos nur selten mal zu einer Blüte oder Frucht . Verwandt mit COPIAPOA HUMILIS und VARIISPINATA. Von mir 1956 entdeckt. Nr. FR 540 und 539. Abb. 987/989. 

Ein weiteres Bild in BACKEBERG, Bd. 6, S.3840. Auffallend ist, daß die Frucht etwas behaart ist; dies ist ein Primitivmerkmal. Die starke Auflösung der Rippen in Höcker und der nur gering entwickelte Filzscheitel sind als persistierende Jugendmerkmale aufzufassen, was dadurch verständlich wird, daß diese Art sich gegenüber den Guanacos nur durchzusetzen vermag, wenn sie schon auf einem Jugendstadium fortpflanzungsreif wird. Diese Art verkörpert das entgegengesetzte Extrem der COPIAPOA-Entwicklung als die Untergattung PILOCOPIAPOA. Was die Blüte- und Frucht-Behaarung der PILOCOPIAPOA betrifft, so ist diese von anderer Natur; die Behaarung besteht hier aus eiem feinen dichten Areolenfilz, welcher kutikularer Entstehung ist und Blüte wie Frucht völlig einhüllt. Dagegen finden sich bei COPIAPOA TENUISSIMA wollige Haare in den unteren Schuppenachseln, welche Haardornen sind und somit den normalen Kakteenstacheln als axialen Bildungen entsprechen.

BACKEBERG schreibt in seinem Kakt.-Lexikon, S. 99: "Ovarium und Frucht sollen etwas behaarte Achseln haben. An sich wäre daher die Abtrennung von PILOCOPIAPOA anfechtbar.... Stärkere Behaarung bedingte demnach die Abtrennung wie z. B. bei SUBMATUCANA. RITTER verfährt mitunter uneinheitlich.“ BACKEBERG übersieht dabei, daß ich nicht wie er nach formalen phytograpgischen Gesichtspunkten klassifiziere, sondern - wie solches allgemein außer bei BACKEBERG üblich ist - nach angenommenen Verwandtschaftsbeziehungen. In dieser Hinsicht sind COPIAPOA (PILO COPIAPOA) SOLARIS und COPIAPOA ( COPIAPOA) TENUISSIMA die einander entgegengestztesten Extreme, die wir überhaupt bei COPIAPOA kennen. Abgesehen davon, daß die Ovarium-Behaarung bei SOLARIS anderer Natur ist als bei TENUISSIMA, darf man nie auf ein einziges Merkmal hin eine Gattung begründen, was BACKEBERG in einer Anzahl Fällen getan hat. 

Die Begründung von PILOCOPIAPOA durch mich beruht auf einer Anzahl Abweichungen von allen sonstigen COPIAPOA, worunter die Areolenfilzbedeckung der Blüte nur eine ist. TENUISSIMA gehört jedoch eindeutig in die Verwandtschaftsgruppe der von mir aufgestellten Sektion 3 der Untergattung COPIAPOA, auch wenn die Ovarium -Achseln etwas bewollt sind. BACKEBERGs Gattung SUBMATUCANA erkenne ich aus gleichartigen Gründen nicht an, nicht einmal als Untergattung, was ich unter der Gattung MATUCANA (Peru) erläutere.

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 © 2001-2006 Paul Klaassen
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