Copiapoa - Living on the Edge
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Kakteen in Südamerika

Friedrich Ritter

Band 3: Chile

II. Untergattung: COPIAPOA

Sektion 3 (9 Arten)

[Seite 1066]
14.) COPIAPOA HUMILIS (PHIL.) HUTCH. 1953, Cact. Succ. Journ. USA, S.34

syn. ECHINOCACTUS HUMILIS PHIL. 1860, Florula Atacam., S. 23

HUTCHISON hebt hervör, daß Jugend- und Altersform dieser Art sehr unterschiedlich sind und daß es daher wesentlich ist, beide besonders zu beschreiben, wie er es tut. BACKEBERG, der darüber keine eigene Felderfahrung hatte, hat dies nicht genügend beachtet, und erklärt in seinem Kakteen-Lexikon, daß verschiedenartige Pflanzen unter diesem Namen gehen und daß es noch nicht geklärt sei, welche als Typus angesehen werden soll und welche als Varietät öder als nahestehende Art. Die Formen vön COPIAPOA HUMILIS, deren Verbreitung nach meinen Feststellungen mit Unterbrechung von PAPOSO bis BLANCO ENCALADA reicht, zeigen aber keine besonderen regionalen Varietäten, sondern nur eine größere Variationsbreite in Körper und Bestachlung, namentlich hinsichtlich ihres Altersstadiums, so daß keine Varietät aufzustellen ist. BACKEBERG kam überdies zu keinem Verständnis dieser Art, da er mit ihr zwei andere COPIAPOA-Arten vermengte: TALTALENSIS und PAPOSOENSIS. 

Die Originalbeschreibung von PHILIPPI bezieht sich etwa auf das Übergangsstadium der Jugend- zur Altersform. Wichtig ist seine genaue Angabe des Typusortes:

"Bei PAPOSO im Gesteinsschutt am Fuß der Küstenberge“, womit diese Art eindeutig festgelegt ist, denn es gibt dort keine andere Kakteenart, auf welche seine Beschreibung zuträfe. Die folgende Beschreibung gebe ich nach eigenen Aufzeichnungen:

Körper freiwillig nicht oder wenig sprossend, bei der in Natur häufigen Köpfung durch Weidetiere stark sprossend; ziemlich weichfleischig; Köpfe flach bis kuglig, 3 - 9 cm Durchmesser, olivgrün, bei Besonnung gebräunt, in Schattenlage schwärlichgrün; sehr lange dicke weiche Wurzelrübe mit verengtem Hals; Scheitel vertieft, meist mit wenigem weißem oder hellgrauem Filz. Rippen 10 - 14, meist 13, in der Jugend und meist auch im Beginn des Blühalters völlig in Höcker aufgelöst, meist gedreht, 5 - 15 mm hoch, auch im Alter ziemlich tief gekerbt; Höcker meist kegelförmig, unter den Areolen rund oder etwas schärfer gekinnt, Trennfurchen auch im Alter stärker geschlängelt. Areolen auf der Spitze der Höcker, nicht hinabreichend, rund bis oval, 2 - 4 mm Durchmesser, meist 8 - 15 mm freie Entfernung, weißfilzig, später grau. Stacheln bei jungen Köpfen weiß bis gelbbräunlich, fein nadelförmig, Randstacheln ca 10, anliegend, 2 - 5 mm lang, Mittelstacheln fehlend oder einer, ca 1 cm lang; im Blühalter Stacheln schwarz bis dunkelbraun, vergrauend, nadelförmig, Randstacheln 7 - 13, 8 - 25 mm lang, etwas abstehend, meist etwas gebogen, Mittelstacheln 1-3 (-4), wenig stärker, 10 - 35 mm lang, gerade oder verbogen.

Blüte 3 - 4 cm lang, mit starkem COPIAPOA-Blüte-Duft. Rö. 15 - 20 mm lang. Nektarkammer ca 4 mm hoch. Innere Blüte-Teile hellgelb, mit Ausnahme der goldgelhen Beutel und fast dottergelben Narbe. Filamente fast parallel stehend, untere ca 20 mm lang, obere ca 12 mm, Insertionen nach oben spärlicher. Griffel ca 3 cm lang, die ca 10 Narbenäste überragen die Beutel. Petalen ca 17 mm lang, 5 - 7 mm breit, oben gerundet bis zugespitzt, die äußeren mit rosa Mitteistreif.

Frucht rundlich, ca 8 mm Durchmesser, grün bis rot, haarlos und schuppenlos oder mit 1-3 mm langen Schuppen am Napfrand.

Samen ca 1,4 mm lang, 1,2 mm breit, 0,6 mm dick, dorsal stark gewölbt, gekielt, ventral ohne Kerbe, auf beiden Flanken mit Eindellung; Testa schwarz, glänzend, sehr fein flach gehöckert; Hilum ventral, weiß, oval, mit eingeschlossener Mikropyle.

HUTCHISON fand bei PAPOSO, daß ca 90% aller Exemplare Jugendformen waren, meist auf alten Wurzelrüben. Er stellte lange Erörterungen darüber an, um solches zu erklären und meint, daß, wenn der oberirdische Körper schließlich mal abstirbt, die Wurzelrübe am Leben bleibe und neu austreibe und daß derart der unterirdische Teil viele Generationen der oberirdischen ausgereiften Körper überdauere. 

Die Erklärung ist jedoch viel einfacher. PAPOSO ist eine besiedelte Gegend, wo Esel und Ziegen weiden. Diese fressen aus Nahrungsmangel die jungen Triebe trotz der feinen Stachelchen, die sie tragen, oder wenn die starkstachligen großen Köpfe mit dünnem Hals im Wachsen sind, fressen sie den Scheitel, der noch keine stechenden Stacheln hat, heraus, wobei diese Köpfe gewöhnlich von der Rübe abbrechen. Die Rübe treibt neue Triebe, die meist immer wieder abgeweidet werden, ehe sie ins Blühalter gelangen. Derart sind ca 90% der Köpfe noch nicht blühbar, meist auf alten Wurzelrüben. Es wird übrigens dadurch auch verständlich, daß in besonders dürren Jahren viele Ziegen an solchem Stachelzeug krepieren, ohne verhungert zu sein, Dort wo diese Art in einer unbesiedelten Gegend wächst, findet man ganz vorwiegend alte Pflanzen und viele von ihnen ohne Sprossung. Es gibt ja eine große Zahl Kakteenarten, wo es ebenso ist. 

Die Übertäter sind in Chile entweder Haustiere oder Guanacos (siehe z. B. bei THELOCEPHALA NUDA, THELOCEPHALA ODIERI, PYRRHOCACTUS VEXATUS und PYRRHOCACTUS RESIDUUS). Nr . FR 464. Abb. 983/985. Die drei Fotos zeigen Exemplare verschiedenen Aussehens im Blühalter, wie sie in Übergängen in einander an den gleichen Fundstellen wachsen. 

Außerdem gehören bei BACKEBERG hierher in Bd. 3 Abb. 1845 bis 1847 sowie Tafel 147 rechts, in Bd. 6 Abb. 3465 und 3467, letztere beschriftet als "COPIAPOA TALTALENSIS WERD.“, und im Kakt.-Lex. Abb. 69. Jedoch gehört Abb. 3466 in BACKEBERG, Bd. 6, beschriftet als "COP. HUMILIS (PHIL.) HUTCH.“ nicht hierher, sondern ist "COPIAPOA PAPOSOENSIS RITTER“, wenn auch als Kulturzüchtung geringer bestachelt als das Exemplar meines Foto dieser Art vom Standort. 

Dazu ist noch Folgendes auszuführen: BACKEBERG gibt in Bd. 6, S. 3829 eine Beschreibung von Importpflanzen der COPIAPOA HUMILIS. Dann fährt er fort: "Diese Art steht, mit weit dunkleren Sämlingspflanzen, bei dem Züchter SAINT-PIE, Asson (Frankreich), unter der RITTER-Nr. FR 526 "COPIAPOA TALTALENSIS‘. Dies muß ein Irrtum sein (wie auch RITTERs COPIAPOA HUMILIS). Das heißt also: die RITTER-Nr. für COPIAPOA HUMILIS muß richtig lauten - wenigstens nach dem Bestand bei SAINT-PIE : FR 526.“ Danach gibt BACKEBERG von dem, was er als "COPIAPOA TALTALENSIS WERD.“ ansieht, folgende Beschreibung: "Diese ähnliche Pflanze, in der Kultur noch dunkler,...“ (folgt eine Beschreibung. in welcher BACKEBERG Angaben von WERD, für COPIAPOA TALTALENSIS und Merkmale von Sämlingen von FR 464, also von COPIAPOA HUMILIS, in eins verarbeitet).. . ."Die Blüte sind gelb und haben lanzett1ich " (im Original gesperrt) "zugespitzte Perigonblätter. 

Diese Pflanzen stehen bei SAINT-PIE unter der RITTER-Nr. FR 464 (als COPIAPOA HUMILIS), so daß sich diese Nr. (vorausgesetzt, daß die Etiketten nicht vertauscht wurden) für COPIAPOA TALTALENSIS versteht. Um jeden Irrtum auszuschließen, nahm ich beide Arten, COPIAPOA HUMILIS und COPIAPOA TALTALENSIS, bei SAINT-PIE in Blüte auf und gebe sie so hier wieder...“ BACKEBERG gibt aber nur die Nr. FR 464, die er nun als COPIAPOA TALTALENSIS (statt COPIAPOA HUMILIS, was sie ist) bezeichnet, aus der Sammlung SAINT-PIE wieder, dagegen die Nr. FR 526, die er nun als COPIAPOA HUMILIS bezeichnet, nicht aus dieser Sammlung, wie er im Text angibt, wieder, sondern als "Foto A.M. WOUTERS“, also des Kakteenzüchters in Holland. 

Dies letztere Bild, in seinem 6. Bd. also als "COPIAPOA HUMILIS“ ausgegeben, bringt er aber in seinem Kakt.-Lex. nochmals (Abb. 70), und zwar mit der Beschriftung: "COPIAPOA LONGISPINA RITT?“ (was sie keineswegs ist), ohne darauf zu verweisen, daß sie für ihn in Bd.6 COPIAPOA HUMILIS war und daß sie in den Sammlungen unter COPIAPOA TALTALENSIS und Nr. FR 526 steht. 

Das Haupt-Charakteristikum für eine Umstellung meiner FR-Nummern war für BACKEBERG offenbar das Merkmal zugespitzte Petalen; da aber WERDERMANN, in seiner Originalpublikation nichts davon erwähnt und auch Pflanzen von WERDERMANNs Typusort nirgends in Europa existiert haben dürften, wie sich BACKEBERG auch auf keine solchen berufen kann, so sind die zugespitzten Petalen für COPIAPOA TALTALENSIS eine durch nichts bewiesene Behauptung BACKEBERGs, Dagegen sagt er unter "COPIAPOA HUMILIS":

"die Perigonblätter sind nach HUTCHISONs Zeichnung...oben gerundet. " (Letzteres Wort ebenfalls im Original gesperrt.) Aber es handelt sich nach meinen Feststellungen um ein variables Merkmal; die Petalen können ebensogut oben gerundet wie zugespitzt sein, wie meine eigenen Fotos vom Typusort zeigen.

Same von COPIAPOA HUMILIS Nr. FR 464 wurde, von mir übersandt, von der Firma H. WINTER zweimal angeboten, in den Katalogen 1957 und 1958 (gleiche Ernte) und 1961 und 1962 (einer späteren Ernte). Same von Nr. FR 527 COPIAPOA CHANIARALENSIS 1957 und 1958 unter dieser Nr. und diesem Namen. In den gleichen Katalogen 1957/1958 wurde Same angeboten unter Nr. FR 526 als COPIAPOA TALTALENSIS. Diesen letzteren Samen hatte ich jedoch gesammelt von der COPIAPOA PAPOSOENSIS RITT, an derem Typusort; ich hatte damals aus Mangel an Vergleichsmaterial und aufgrund der sehr mangelhaften Beschreibung der COPIAPOA TALTALENSIS durch WERD, noch nicht die Kenntnis, daß es sich hier um eine neue Art handelte, sondern hatte sie als zu COPIAPOA TALTALENSIS gehörig angenommen, mit der Nr. der letzteren FR 526; später erhielt sie eine eigene Nr. FR 1148, und ich sandte Samen davon unter letzterer Nr. im März 1963 an die Firma WINTER und unter dem inzwischen dafür gemachten Namen COPIAPOA PAPOSOENSIS. Wie unter COPIAPOA CHANIARALENSIS oben (S. 1064) bemerkt, hatte ich außerdem 1962 unter der Nr. FR 526 Samen gesandt als ebenfalls "COPIAPOA TALTALENSIS“, der zu Nr. FR 527 COPIAPOA CHANIARALENSIS gehörte, weil ich zu jener Zeit diese beiden aus dem gleichen Grund ebenfalls in eins gerechnet hatte. Dagegen ist von der echten COPIAPOA TALTALENSIS (WERD.) LOOS. Nr. FR 526 nie Samen von mir gesammelt worden, weil ich außer einigen Korn für meine Samen-Sammlung von dieser Seltenheit keinen Samen fand.

Für die von BACKEBERG in Bd. 6 von 1962 aufgeführten dunkleren Sämlingspflanzen aus Samen von Nr. FR 526 kommt also nur der Samen von 1957/1958 in Frage, also von COPIAPOA PAPOSOENSIS RITTER.  Hierzu stimmt auch das in Bd. 6, S. 3830 oben gebrachte Farbfoto von BACKEBERG, beschriftet "COPIAPOA HUMILIS (PHIL.) HUTCH., aus RITTER‘schen Samen angezogene Kulturpflanze. .... welche demnach, in Anbetracht von BACKEBERGs Umbenennungen meiner FR-Nummern, nicht diese Art, sondern COPIAPOA PAPOSOENSIS RITT, ist, auch wenn die Bestachlung entsprechend den Kulturbedingüngen geringer ist als auf meinem Standortfoto dieser Art. Daß dies Bild meine COPIAPOA PAPOSOENSIS ist, zeigen die genäherteren Höcker und Areolen des rippigeren Körpers, die grasgrüne bis bläulichgrüne Farbe des Körpers; auch die oben gerundeten Petalen sind in Übereinstimmung, denn Blüten von 2 Pflanzen, die ich notierte, hatten gerundete Petalen. 

Dagegen ist die darunter stehende Abb. 3467, beschriftet als "COPIAPOA TALTALENSIS WERD.“, gezogen aus Samen Nr. FR 464, eine typische COPIAPOA HUMILIS; das zeigen die völlig in kegelförmige Höcker aufgelösten Rippen, die Bestachlung und der viel dunkler grüne Körper; die zugespitzten Petalen des Bildes haben ganz die Form eines meiner Farbbilder dieser Art. Es stimmt ferner dazu, daß BACKEBERG zu dieser von ihm zu Unrecht als "COPIAPOA TALTALENSIS FR 464“ umbenannten Art schreibt, wie ich oben angab: "in der Kultur noch dunkler“ (als die damals unter FR 526 gestellte Art, die, wie angegeben, COPIAPOA PAPOSOENSIS ist) . Im übrigen hängt die Stärke des Dunkeltones sehr von der Stärke der Lichteinstrahlung ab, aber nie ist die Farbe so grün wie die des Farbbildes 3466, sondern immer immer olivgrün, braunlichgrün oder schwarzgrün. Dadurch wird verständlich, daß er, wie angegeben, auf S. 3829 die in Kultur gezüchteten Sämlingspflanzen dieser FR 526 (also der fälschlich als COPIAPOA HUMILIS ausgegebenen COPIAPOA PAPOSOENSIS) im Vergleich zu den Importen der COPIAPOA HUMILIS als "weit dunkler“ angibt; sie waren eben schattiger gewachsen als in Natur, bei gleicher Belichtung werden sie heller grün.

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