syn. ECHINOCACTUS BRIDGESII PFEIFF. 1847, Abb. u.
Beschreibg. Kakt. II, Tafel 14
Diagnosis
neotypi (RITTER): Paulum basi proliferans, viridis, dura, radice vix
rapacea; caules 5-8 cm diam., 20-40 cm alti, vertice conico, lana
copiosissima cinerea obtecto; costae in juventude 10-12, postea 8-11, 10-15
mm altae, obtusae, minime crenatae; areolae 7-10 mm diam., dense
cinereotomentosae, deinde atrae, paucis mm approximatae, in aeta- te
saepe contingentes; spinae brunneae ad atrae, cinerascentes, subulatae;
marginales 5-10, paulum curvatae, semilateraliter directae, 10-20 mm
longae, centrales 1-3, rectae, multum robustiores, 20-50 mm longae;
flores 30-38 mm longi, lana carentes; ovarium superne 6-12 squamis, ca 5
mm longis rubris praeditum; tubus floralis 10-15 mm longus; camara
nectarifera 2-3 mm longa; stigmata 8-12, citrina, 1,5 mm longa; petala
15-20 mm longa, 6-8 mm lata, patentia, pallide flava, exteriora terminie
saepe rubris; fructus ca 1 cm diam., viridis vel superne ruber; semina
0,8 mm longa, 0,7 mm lata, 0,5 mm crassa, nigra, vix tenuiter
tuberculosa, hilo ventrali; locus neotypi Chaniaral in montibus ad
septentriones versus, Chile.
Die
Originaldiagnose von PFEIFFER ist mir nicht zugänglich, sie findet sich
jedoch in LABOURETs Handbuch 1853, wo es auf S. 176 heißt (Übersetzung
aus dem Französischen): ,,PFEIFFER, der eine Abbildung unserer Pflanze
gegeben hat, beschreibt sie folgendermaßen: Körper groß, konisch,
dicht bewollt, oben verdünnt, Körper schmtziggrün, mit 10 breiten
stumpfen Rippen Areole genähert, groß, oval, mit flockiger
bräunlicher
oder weißlicher Wolle. Stacheln 8, stark, rund, gerade, graubräunlich;
Randstacheln 7, divergierend, Mittelstacheln 1, abstehend und lang. Blüte
von unregelmäßiger
Form, blaßgelb. Rö. kurz, beschuppt und behaart. Perigonblätter in
mehreren Reihen, diejenigen des Kelches außen grünlich, die der
Blumenkrone gelb. Filamente und Beutel gelb, etwas den Griffel mit 10
stumpfen Narben überragend.“
Die
Beschreibung kann sich nur auf die Gattung COPIAPOA beziehen. Auffällig
ist aber die Angabe einer behaarten Blütenröhre. Es kann sich aber
nicht um COPIAPOA (PILOCOPIAPOA) SOLARIS handeln, denn diese hat
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keinen konischen,
oben verdünnten Körper, hat 2-5 Mittelstacheln, die Filamente sind weiß bis grünlich,
der Griffel hat nur 4-8 Narbenäste, die Petalen sind nur gelegentlich blaßgelb,
meist rosa. Daß es eine zweite Art der Untergattung PILOCOPIAPOA geben
sollte, ist völlig unwahrscheinlich, denn das Gebiet ist gut abgesucht;
es ist ja nur ein schmaler Küstenstreifen, wo in diesen Breiten Kakteen
noch existieren können, weiter nach Osten ist Vollwüste. Die
Beschreibung stimmt im übrigen ganz auf die kahlblütige Untergattung
COPIAPOA, und unter deren Arten allein auf die von Chañaral, auf welche
ich diesen Namen beziehe; lediglich die Angabe, daß die Stbbl. die
Narbe etwas überragen, ist ungewöhnlich, es wird sich wohl, falls kein
Irrtum vorliegt, um eine individuelle Ausnahme handeln. Wir werden also
annehmen, daß die Angabe einer behaarten Rö. ein Irrtum war; dieser
ist aber verständlich, denn die in Frage kommende Art hat den
dichtesten und längsten Scheitelfilz unter allen COPIAPOA Arten. Bei
Entnahme einer Blüte geht aber dann viel Filz mit aus, der dann außen auf
der Blüte liegt und leicht den Eindruck einer behaarten Blüte erweckt. Am
stärksten ist mir dies bei COPIAPOA SOLARIS aufgefallen. Als ich zuerst
Blüte und Frucht dieser Art entnahm, waren diese außen so dicht mit
Haaren bedeckt, daß es ganz so aussah, als ob die ganze Fläche der Frucht
Haare trage und nicht nur die Areolen; ich untersuchte daher gründlicher
und stellte fest, daß nur die Areolen Haare tragen, diese aber in
Mengen ausfallen und die Frucht bedecken. Natürlich besteht hier der
Unterschied, daß auch die Areolen der ganzen Außenseite der Blüte
Haarfilz tragen, bei der Untergattung COPIAPOA nur die Körperareole,
welche die Blüte hervorbrachte. Der Grundsatz, daß man einen Namen für
eine bestimmte Art nicht anerkennen darf, wenn die Diagnose eine
unvereinbare Angabe enthält, erfährt eine Einschränkung, wenn man
wahrscheinlich machen kann, daß die nicht zutreffende Angabe auf einem
Irrtum beruhte.
LABOURET gibt an, daß ECHINOCACTUS BRIDGESII von M. BRIDGES aus Bolivien
eingeführt wurde, jedoch sind die alten Herkunfts-Angaben bekanntlich
sehr oft falsch. BRIDGES hat nicht nur aus Bolivien, bzw. aus dem damals
zu Bolivien gehörenden hohen Norden Chiles ausgeführt, sondern auch
aus dem damaligen Chile, denn der von ihm stammende ECHINOCACTUS COPIAPENSIS
ist nach COPIAPO, Chile, benannt, findet sich bei Chañaral und geht bis
in das Depart. Copiapó. Mit ihm zusammen findet sich aber COPIAPOA
BRIDGESII, so daß diese wohl von BRIDGES zusammen mit ECHINOCACTUS COPIAPENSIS
(=CINERASCENS) gesammelt worden sein wird. Wenn man in damaliger Zeit
nach Copiapó reisen wollte, mußte man in dem kleinen Hafen Caldera an
Land gehen, und nahe diesem Hafen wächst ECHINOCACTUS STREPTOCAULON HOOK., von
welchem HOOKER ebenfalls angibt, daß BRIDGES ihn aus Bolivien eingeführt
habe.
BACKEBERG
hat den Namen ECHINOCACTUS BRIDGESII falsch bezogen. Aus vieltägigen
Begehungen des Gebietes von Antofagasta, über eine Anzahl Jahre
verteilt, weiß ich, daß es dort auf vile Kilometer hin nur eine
COPIAPOA- Art gibt, die ich heute als COPIAPOA BOLIVIANA (PFEIFF.) RITT,
ansehe, während ich früher, wie unter COPIAPOA MARGINATA ausgeführt, im
Vertrauen auf BR. & R.s Bestimmung diese Art für COPIAPOA MARGINATA
gehalten hatte. BACKEBERG wird wohl kaum mehr als ein paar Stunden die
Umgebung von Antofagasta auf Kakteen untersucht haben, glaubte aber,
dort drei Arten COPIAPOA festgestellt zu haben, nämlich MARGINATA,
ECHINOIDES und BRIDGESII, ohne daß er in der südlichen Heimat dieser
drei jemals gewesen war. Es handelt sich bei diesen Bestimmungen
BACKEBERGs nur um Formen aus der standörtlichen Variationsbreite einer
einzigen Art: COPIAPOA BOLIVIANA. BACKEBERG bringt in Bd. 3, S. 1841 ein
Foto eines Exemplars von Antofagasta, das er mit COPIAPOA BRIDGESII
beschriftet. Der Körper ist bei schwacher Belichtung nicht zu erkennen;
die Bestachlung ist aber anders als bei COPIAPOA BRIDGESII und findet sich
in dieser Ausbildung oft bei COPIAPOA BOLIVIANA.
HILGERT
hat in einem ausführlichen Schreiben an BUINING vom 1.2.1966 die
Ansicht dargelegt, daß für den in Frage kommenden ECHINOCACTUS BRIDGESII ein
neuer Name (nomen novum) durch mich gemacht werden müßte, weil
BACKEBERG vorschnell diesem Namen BRIDGESII, gemäß meinem Hinweis, auf
Exemplare von Antofagasta, die nicht dazu gehören, bezogen hätte mit
Umkombination in COPIAPOA BRIDGESII (PFEIFFER) BACKEBERG Infolgedessen
sei der PFEIFFER‘sche Name BRIDGESII in der Kombination mit COPIAPOA
falsch vergeben, nämlich im Sinn des Kombinations-Autors BACKEBERG und könnte
nicht mehr auf PFEIFFERs Art bezogen werden. Ich selbst hatte zwar die
Kombination COPIAPOA BRIDGESII (PFEIFFER) RITTER schon lange vor BACKEBERG
im
Jahr 1957 gemacht, aber da sie im Katalog der Firma WINTER erfolgte, hat
sie keine nomenklatorische Gültigkeit.
Das hat dann
BACKEBERG zum Anlaß
genommen, mir mit einer nach den Regeln gültigen Umkombination
zuvorzukommen, ohne daß er überhaupt wußte, welches die von mir
wiederentdeckte BRIDGESII war, und wie so oft spekulierte er falsch. Die
Sachlage ist jedoch nicht so, wie von HILGERT angenommen. BACKEBERG
bezieht sich nämlich bei seiner Umkombination ausdrücklich auf
PFEIFFER und gibt die Beschreibung wieder, die RÜMPLER in seinem
Handbuch 1886 machte, welche der Beschreibung PFEIFFERs entlehnt ist.
BACKEBERG gibt keine eigene Beschreibung nach den Pflanzen, die er fälschlich
als ECHINOCACTUS BRIDGESII ansah. Es handelt sich daher nur um eine
Fehlbestimmung und ein falsch zugeordnetes Foto, keine eigene
Beschreibung auf der Basis seiner Fehlbestimmung als COPIAPOA BRIDGESII (PFEIFF.)
BACKEBERG, im Gegensatz zu SCHUMANN, welcher häufig auf Fehlbestimmungen
hin Neubeschreibungen unter alten Namen machte, ohne sich um die
andersartigen Erstbeschreibungen dieser Namen zu kümmern. Auch wenn BACKEBERG
in seiner COPIAPOA BRIDGESII (PFEIFFER) BACKEBERG zwei Arten vermengt
hat, nämlich ECHINOCACTUS BRIDGESII PFEIFF. und Formen von ECHINOCACTUS
BOLIVIANUS PFEIFFER, so ist der Name COPIAPOA BRIDGESII (PFEIFFER) BACKEBERG doch nicht zu
verwerfen, wenn, gemäß Artikel 66 des Nomenklatur-Code: "einer dieser
Bestandteile als zufriedenstellender Typus ausgewählt werden kann".
Dies ist aber hier der Fall, da sich der Name auf ECHINOCACTUS BRIDGESII
PFEIFFER gründet einschließlich der Originalbeschreibung, die wiedergegeben
wird, während die Bezugnahme auf die Formen von Antofagasta nur auf
einer Fehlbestimmung beruht . Ein neuer Name durch mich müßte daher
zu einem Synonym von COPIAPOA BRIDGESII (PFEIFFER) BACKEBERG werden.
SCHUMANN
hat 1898 ECHINOCACTUS BRIDGESII PFEIFFER mit ECHINOCACTUS ECHINOIDES
LEMAIRE synonymisiert,
der aber mit seinem halbflachem Wuchs und eingesenktem Scheitel und
einem viel größerem Durchmesser verschieden ist, wie unter COPIAPOA MARGINATA
ausgeführt. Dagegen hatte PFEIFFER, der Autor von ECHINOCACTUS BRIDGESII,
beide Arten als selbständig anerkannt, ebenso LABOURET 1853 und RÜMPLER
1886 in ihren Handbüchern. Man könnte leicht COPIAPOA BRIDGESII für ein
Synonym zu COPIAPOA MARGINATA halten; dagegen spricht aber, daß alle alten
Autoren zur Zeit, wo die Originale dieser Arten eingeführt waren, beide
als getrennte Arten ansahen. Die Beschreibung des ECHINOCACTUS BRIDGESII trifft
aber besser auf die Art von Chañaral zu mit der Angabe des konischen,
nach oben verdünnten Wuches, der dichten Bewollung, der ovalen Areolen, während
sie bei COPIAPOA MARGINATA später queroval werden, mit der Angabe von genäherten
(nicht zusammenfließenden) Areolen.
Um
COPIAPOA BRIDGESII (PFEIFFER) BACKEBERG erneut festzulegen, gab ich oben die
Diagnose eines Neotypus und gebe hier eine Beschreibung in deutsch,
entsprechend dem Neotypusort:
Körper
nur wenig vom Grund sprossend, lockere kleine Haufen bildend, grasgrün,
mit kaum entwickelter Wurzelrübe; Köpfe 5-8 cm dick, 20-40 cm hoch,
in der Jugend mit flachem geringfilzigem Scheitel, im Alter mit konisch
nach oben zugespitztem, sehr stark- und langfilzigem grauem Scheitel. Rippen
junger Pflanzen ca 10-12, nur mäßig hoch, später nur 8-11 von
10-15 mm Höhe, gerade, stumpf, nach ihrer Basis verbreitert, sehr
schwach gehöckert. Areolen junger Pflanzen klein, nur wenige mm Durchmesser, mit
einigen mm freiem Abstand; Areolen alter Pflanzen 7-10 mm Durchmesser,
genähert,
zuletzt dicht gereiht. Stacheln neu schwarz bis braun, bald vergrauend; bei
jungen Pflanzen Randstacheln 6-10, kurz, zart, halbseitlich gerichtet; Mittelstacheln
ein abstehender längerer gerader. Im Blühalter Randstacheln 5-10, pfriemlich,
1-2 cm lang; Mittelstacheln 1-3, sehr dick, gerade, aufwärts gerichtet, 15-50
mm lang, mit faseriger Oberfläche.
Blüte mit dem charakteristischen
COPIAPOA Blüte-Duft,
30-38 mm lang, trichterig geöffnet. Ovarium blaß bis rosa, unbewollt,
darüber schwache Einschnürung außen, beschuppt wie Frucht. Nektarkammer
2-3
mm hoch, halboffen. Rö. darüber 8-12 mm lang, mit lang rot gespitzten
Schuppen. Filamente 7-15 mm lang, die längeren unten, Beutel zitrongelb
bis goldgelb. Griffel überragt mit 20-25 mm etwas die Stbbl. mit
8-12 zitrongelben Narbenästen von 1 5 mm Länge. Petalen 15-20 mm lang,
6-8 mm breit, spatelförmig, oben gerundet oder kurz zugespitzt, blaßgelb,
die äußeren oft oben etwas rot.
Frucht rundlich, ca 1 cm Durchmesser,
blaßgrün,
der aus dem Filz stärker herausragende Teil rot, Frucht mit 6-12 großen
roten, ca 5 mm langen Schuppen am Napfrand.
Samen ca 0,8 mm lang, 0,7 mm
breit, 0,5 mm dick, schwarz, etwas glänzend, mit sehr feinen
ausgeflachten Höckerchen; Hilum oval, weiß, ventral.
Neotypusort Berge
nördlich Flugplatz von CHAÑARAL.
Verbreitung ca 20 km weiter nach
Norden, nach Süden bis halbwegs nach CALDERA. Die nördlichsten Formen
sind die stärkst bewollten. Am meisten verwandt mit COPIAPOA MARGINATA, überschneidet
sich im Süden mit dieser, südlich von FLAMENCO. Neotypus 1954 gesandt
an die Städt. Sukk.Samml. in Zürich. Nr. FR 245. Abb. 971/972 vom
Neotypusört.