Copiapoa - Living on the Edge
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Kakteen in Südamerika

Friedrich Ritter

Band 3: Chile

II. Untergattung: COPIAPOA
Sektion 2 (8 Arten) - Serie a: Südgruppe

5.) COPIAPOA BRIDGESII (PFEIFFER) BACKEBERG 1959

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syn.   ECHINOCACTUS BRIDGESII PFEIFF. 1847, Abb. u. Beschreibg. Kakt. II, Tafel 14

Diagnosis neotypi (RITTER): Paulum basi proliferans, viridis, dura, radice vix rapacea; caules 5-8 cm diam., 20-40 cm alti, vertice conico, lana copiosissima cinerea obtecto; costae in juventude 10-12, postea 8-11, 10-15 mm altae, obtusae, minime crenatae; areolae 7-10 mm diam., dense cinereotomentosae, deinde atrae, paucis mm approximatae, in aeta- te saepe contingentes; spinae brunneae ad atrae, cinerascentes, subulatae; marginales 5-10, paulum curvatae, semilateraliter directae, 10-20 mm longae, centrales 1-3, rectae, multum robustiores, 20-50 mm longae; flores 30-38 mm longi, lana carentes; ovarium superne 6-12 squamis, ca 5 mm longis rubris praeditum; tubus floralis 10-15 mm longus; camara nectarifera 2-3 mm longa; stigmata 8-12, citrina, 1,5 mm longa; petala 15-20 mm longa, 6-8 mm lata, patentia, pallide flava, exteriora terminie saepe rubris; fructus ca 1 cm diam., viridis vel superne ruber; semina 0,8 mm longa, 0,7 mm lata, 0,5 mm crassa, nigra, vix tenuiter tuberculosa, hilo ventrali; locus neotypi Chaniaral in montibus ad septentriones versus, Chile.

Die Originaldiagnose von PFEIFFER ist mir nicht zugänglich, sie findet sich jedoch in LABOURETs Handbuch 1853, wo es auf S. 176 heißt (Übersetzung aus dem Französischen): ,,PFEIFFER, der eine Abbildung unserer Pflanze gegeben hat, beschreibt sie folgendermaßen: Körper groß, konisch, dicht bewollt, oben verdünnt, Körper schmtziggrün, mit 10 breiten stumpfen Rippen Areole genähert, groß, oval, mit flockiger bräunlicher oder weißlicher Wolle. Stacheln 8, stark, rund, gerade, graubräunlich; Randstacheln 7, divergierend, Mittelstacheln 1, abstehend und lang. Blüte von unregelmäßiger Form, blaßgelb. Rö. kurz, beschuppt und behaart. Perigonblätter in mehreren Reihen, diejenigen des Kelches außen grünlich, die der Blumenkrone gelb. Filamente und Beutel gelb, etwas den Griffel mit 10 stumpfen Narben überragend.“

Die Beschreibung kann sich nur auf die Gattung COPIAPOA beziehen. Auffällig ist aber die Angabe einer behaarten Blütenröhre. Es kann sich aber nicht um COPIAPOA (PILOCOPIAPOA) SOLARIS handeln, denn diese hat  [Seite 1058]  keinen konischen, oben verdünnten Körper, hat 2-5 Mittelstacheln, die Filamente sind weiß bis grünlich, der Griffel hat nur 4-8 Narbenäste, die Petalen sind nur gelegentlich blaßgelb, meist rosa. Daß es eine zweite Art der Untergattung PILOCOPIAPOA geben sollte, ist völlig unwahrscheinlich, denn das Gebiet ist gut abgesucht; es ist ja nur ein schmaler Küstenstreifen, wo in diesen Breiten Kakteen noch existieren können, weiter nach Osten ist Vollwüste. Die Beschreibung stimmt im übrigen ganz auf die kahlblütige Untergattung COPIAPOA, und unter deren Arten allein auf die von Chañaral, auf welche ich diesen Namen beziehe; lediglich die Angabe, daß die Stbbl. die Narbe etwas überragen, ist ungewöhnlich, es wird sich wohl, falls kein Irrtum vorliegt, um eine individuelle Ausnahme handeln. Wir werden also annehmen, daß die Angabe einer behaarten Rö. ein Irrtum war; dieser ist aber verständlich, denn die in Frage kommende Art hat den dichtesten und längsten Scheitelfilz unter allen COPIAPOA Arten. Bei Entnahme einer Blüte geht aber dann viel Filz mit aus, der dann außen auf der Blüte liegt und leicht den Eindruck einer behaarten Blüte erweckt. Am stärksten ist mir dies bei COPIAPOA SOLARIS aufgefallen. Als ich zuerst Blüte und Frucht dieser Art entnahm, waren diese außen so dicht mit Haaren bedeckt, daß es ganz so aussah, als ob die ganze Fläche der Frucht Haare trage und nicht nur die Areolen; ich untersuchte daher gründlicher und stellte fest, daß nur die Areolen Haare tragen, diese aber in Mengen ausfallen und die Frucht bedecken. Natürlich besteht hier der Unterschied, daß auch die Areolen der ganzen Außenseite der Blüte Haarfilz tragen, bei der Untergattung COPIAPOA nur die Körperareole, welche die Blüte hervorbrachte. Der Grundsatz, daß man einen Namen für eine bestimmte Art nicht anerkennen darf, wenn die Diagnose eine unvereinbare Angabe enthält, erfährt eine Einschränkung, wenn man wahrscheinlich machen kann, daß die nicht zutreffende Angabe auf einem Irrtum beruhte.

LABOURET gibt an, daß ECHINOCACTUS BRIDGESII von M. BRIDGES aus Bolivien eingeführt wurde, jedoch sind die alten Herkunfts-Angaben bekanntlich sehr oft falsch. BRIDGES hat nicht nur aus Bolivien, bzw. aus dem damals zu Bolivien gehörenden hohen Norden Chiles ausgeführt, sondern auch aus dem damaligen Chile, denn der von ihm stammende ECHINOCACTUS COPIAPENSIS ist nach COPIAPO, Chile, benannt, findet sich bei Chañaral und geht bis in das Depart. Copiapó. Mit ihm zusammen findet sich aber COPIAPOA BRIDGESII, so daß diese wohl von BRIDGES zusammen mit ECHINOCACTUS COPIAPENSIS (=CINERASCENS) gesammelt worden sein wird. Wenn man in damaliger Zeit nach Copiapó reisen wollte, mußte man in dem kleinen Hafen Caldera an Land gehen, und nahe diesem Hafen wächst ECHINOCACTUS STREPTOCAULON HOOK., von welchem HOOKER ebenfalls angibt, daß BRIDGES ihn aus Bolivien eingeführt habe.

BACKEBERG hat den Namen ECHINOCACTUS BRIDGESII falsch bezogen. Aus vieltägigen Begehungen des Gebietes von Antofagasta, über eine Anzahl Jahre verteilt, weiß ich, daß es dort auf vile Kilometer hin nur eine COPIAPOA- Art gibt, die ich heute als COPIAPOA BOLIVIANA (PFEIFF.) RITT, ansehe, während ich früher, wie unter COPIAPOA MARGINATA ausgeführt, im Vertrauen auf BR. & R.s Bestimmung diese Art für COPIAPOA MARGINATA gehalten hatte. BACKEBERG wird wohl kaum mehr als ein paar Stunden die Umgebung von Antofagasta auf Kakteen untersucht haben, glaubte aber, dort drei Arten COPIAPOA festgestellt zu haben, nämlich MARGINATA, ECHINOIDES und BRIDGESII, ohne daß er in der südlichen Heimat dieser drei jemals gewesen war. Es handelt sich bei diesen Bestimmungen BACKEBERGs nur um Formen aus der standörtlichen Variationsbreite einer einzigen Art: COPIAPOA BOLIVIANA. BACKEBERG bringt in Bd. 3, S. 1841 ein Foto eines Exemplars von Antofagasta, das er mit COPIAPOA BRIDGESII beschriftet. Der Körper ist bei schwacher Belichtung nicht zu erkennen; die Bestachlung ist aber anders als bei COPIAPOA BRIDGESII und findet sich in dieser Ausbildung oft bei COPIAPOA BOLIVIANA.

HILGERT hat in einem ausführlichen Schreiben an BUINING vom 1.2.1966 die Ansicht dargelegt, daß für den in Frage kommenden ECHINOCACTUS BRIDGESII ein neuer Name (nomen novum) durch mich gemacht werden müßte, weil BACKEBERG vorschnell diesem Namen BRIDGESII, gemäß meinem Hinweis, auf Exemplare von Antofagasta, die nicht dazu gehören, bezogen hätte mit Umkombination in COPIAPOA BRIDGESII (PFEIFFER) BACKEBERG  Infolgedessen sei der PFEIFFER‘sche Name BRIDGESII in der Kombination mit COPIAPOA falsch vergeben, nämlich im Sinn des Kombinations-Autors BACKEBERG und könnte nicht mehr auf PFEIFFERs Art bezogen werden. Ich selbst hatte zwar die Kombination COPIAPOA BRIDGESII (PFEIFFER) RITTER schon lange vor BACKEBERG im Jahr 1957 gemacht, aber da sie im Katalog der Firma WINTER erfolgte, hat sie keine nomenklatorische Gültigkeit. 

Das hat dann BACKEBERG zum Anlaß genommen, mir mit einer nach den Regeln gültigen Umkombination zuvorzukommen, ohne daß er überhaupt wußte, welches die von mir wiederentdeckte BRIDGESII war, und wie so oft spekulierte er falsch. Die Sachlage ist jedoch nicht so, wie von HILGERT angenommen. BACKEBERG bezieht sich nämlich bei seiner Umkombination ausdrücklich auf PFEIFFER und gibt die Beschreibung wieder, die RÜMPLER in seinem Handbuch 1886 machte, welche der Beschreibung PFEIFFERs entlehnt ist. BACKEBERG gibt keine eigene Beschreibung nach den Pflanzen, die er fälschlich als ECHINOCACTUS BRIDGESII ansah. Es handelt sich daher nur um eine Fehlbestimmung und ein falsch zugeordnetes Foto, keine eigene Beschreibung auf der Basis seiner Fehlbestimmung als COPIAPOA BRIDGESII (PFEIFF.) BACKEBERG, im Gegensatz zu SCHUMANN, welcher häufig auf Fehlbestimmungen hin Neubeschreibungen unter alten Namen machte, ohne sich um die andersartigen Erstbeschreibungen dieser Namen zu kümmern. Auch wenn BACKEBERG in seiner COPIAPOA BRIDGESII (PFEIFFER) BACKEBERG zwei Arten vermengt hat, nämlich ECHINOCACTUS BRIDGESII PFEIFF. und Formen von ECHINOCACTUS BOLIVIANUS PFEIFFER, so ist der Name COPIAPOA BRIDGESII (PFEIFFER) BACKEBERG doch nicht zu verwerfen, wenn, gemäß Artikel 66 des Nomenklatur-Code: "einer dieser Bestandteile als zufriedenstellender Typus ausgewählt werden kann". Dies ist aber hier der Fall, da sich der Name auf ECHINOCACTUS BRIDGESII PFEIFFER gründet einschließlich der Originalbeschreibung, die wiedergegeben wird, während die Bezugnahme auf die Formen von Antofagasta nur auf einer Fehlbestimmung beruht . Ein neuer Name durch mich müßte daher zu einem Synonym von COPIAPOA BRIDGESII (PFEIFFER) BACKEBERG werden.

SCHUMANN hat 1898 ECHINOCACTUS BRIDGESII PFEIFFER mit ECHINOCACTUS ECHINOIDES LEMAIRE synonymisiert, der aber mit seinem halbflachem Wuchs und eingesenktem Scheitel und einem viel größerem Durchmesser verschieden ist, wie unter COPIAPOA MARGINATA ausgeführt. Dagegen hatte PFEIFFER, der Autor von ECHINOCACTUS BRIDGESII, beide Arten als selbständig anerkannt, ebenso LABOURET 1853 und RÜMPLER 1886 in ihren Handbüchern. Man könnte leicht COPIAPOA BRIDGESII für ein Synonym zu COPIAPOA MARGINATA halten; dagegen spricht aber, daß alle alten Autoren zur Zeit, wo die Originale dieser Arten eingeführt waren, beide als getrennte Arten ansahen. Die Beschreibung des ECHINOCACTUS BRIDGESII trifft aber besser auf die Art von Chañaral zu mit der Angabe des konischen, nach oben verdünnten Wuches, der dichten Bewollung, der ovalen Areolen, während sie bei COPIAPOA MARGINATA später queroval werden, mit der Angabe von genäherten (nicht zusammenfließenden) Areolen.

Um COPIAPOA BRIDGESII (PFEIFFER) BACKEBERG erneut festzulegen, gab ich oben die Diagnose eines Neotypus und gebe hier eine Beschreibung in deutsch, entsprechend dem Neotypusort:

Körper nur wenig vom Grund sprossend, lockere kleine Haufen bildend, grasgrün, mit kaum entwickelter Wurzelrübe; Köpfe 5-8 cm dick, 20-40 cm hoch, in der Jugend mit flachem geringfilzigem Scheitel, im Alter mit konisch nach oben zugespitztem, sehr stark- und langfilzigem grauem Scheitel. Rippen junger Pflanzen ca 10-12, nur mäßig hoch, später nur 8-11 von 10-15 mm Höhe, gerade, stumpf, nach ihrer Basis verbreitert, sehr schwach gehöckert. Areolen junger Pflanzen klein, nur wenige mm Durchmesser, mit einigen mm freiem Abstand; Areolen alter Pflanzen 7-10 mm Durchmesser, genähert, zuletzt dicht gereiht. Stacheln neu schwarz bis braun, bald vergrauend; bei jungen Pflanzen Randstacheln 6-10, kurz, zart, halbseitlich gerichtet; Mittelstacheln ein abstehender längerer gerader. Im Blühalter Randstacheln 5-10, pfriemlich, 1-2 cm lang; Mittelstacheln 1-3, sehr dick, gerade, aufwärts gerichtet, 15-50 mm lang, mit faseriger Oberfläche. 

Blüte mit dem charakteristischen COPIAPOA Blüte-Duft, 30-38 mm lang, trichterig geöffnet. Ovarium blaß bis rosa, unbewollt, darüber schwache Einschnürung außen, beschuppt wie Frucht. Nektarkammer 2-3 mm hoch, halboffen. Rö. darüber 8-12 mm lang, mit lang rot gespitzten Schuppen. Filamente 7-15 mm lang, die längeren unten, Beutel zitrongelb bis goldgelb. Griffel überragt mit 20-25 mm etwas die Stbbl. mit 8-12 zitrongelben Narbenästen von 1 5 mm Länge. Petalen 15-20 mm lang, 6-8 mm breit, spatelförmig, oben gerundet oder kurz zugespitzt, blaßgelb, die äußeren oft oben etwas rot. 

Frucht rundlich, ca 1 cm Durchmesser, blaßgrün, der aus dem Filz stärker herausragende Teil rot, Frucht mit 6-12 großen roten, ca 5 mm langen Schuppen am Napfrand. 

Samen ca 0,8 mm lang, 0,7 mm breit, 0,5 mm dick, schwarz, etwas glänzend, mit sehr feinen ausgeflachten Höckerchen; Hilum oval, weiß, ventral. 

Neotypusort Berge nördlich Flugplatz von CHAÑARAL. 

Verbreitung ca 20 km weiter nach Norden, nach Süden bis halbwegs nach CALDERA. Die nördlichsten Formen sind die stärkst bewollten. Am meisten verwandt mit COPIAPOA MARGINATA, überschneidet sich im Süden mit dieser, südlich von FLAMENCO. Neotypus 1954 gesandt an die Städt. Sukk.Samml. in Zürich. Nr. FR 245. Abb. 971/972 vom Neotypusört.

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