Copiapoa - Living on the Edge
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Kakteen in Südamerika

Friedrich Ritter

Band 3: Chile

[Seite 1048]

Ich stelle hier die Hauptunterscheidungsmerkmale zwischen PILOCOPIAPOA und COPIAPOA einander gegenüber (Einklammerungen betreffen Merkmale, in denen diese Untergattungen nicht durchaus unterschiedlich sind).

Untergattung 

COPIAPOA

PILOCOPIAPOA

Körper

sehr verschieden, hart bis weich, grasgrün bis fast weiß oder schwarz, hochrippig ungehökkert bis rippenlos warzig, einzeln und wenige cm Durchmesser und flach bis zu über im hohe, dicke Säulen oder bis zu großen Sproßhaufen, Wurzeln rübig bis rübenlos.

(Körper: hart, graugrün, hochrippig, ungehöckert, riesige Sproßhaufen bildend, Wurzeln rübenlos.)

Rippen

8-47 bei Normalformen.

8-11

Stacheln

stark bis fein bis stachellos

stärker als bei allen COPIAPOA

Areolen

weniger als 1 cm Dm

über 1 cm Durchmesser

Ovarium

schuppenlos oder mit wenigen breit dreieckigen Schuppen, nur oder fast nur am Fruchtnapf, Achseln völlig kahl, selten mit wenigen Härchen.

mit langen, sehr schmalen, fast gleichmäßig verteilten Schupen; sehr reichlicher, sehr langer Areolenfilz bedeckt den ganzen Ovarium

Rö.

über Nektarkammer mindestens 1/3 der Blütenlänge, Wandung dünn, außen kahl mit wenigen breiten Schuppen.

über Nektarkammer höchstens 1/4 der Blütenlänge, Wandung doppelt so dick, außen beschuppt und befilzt wie Ovarium

Filamente

mindestens 1/3 der Blüten länge, 

weniger als 1/3 der Blütenlänge.

 Frucht 

bedeckt wie Ovarium,Schuppen bleiben saftig und weich, Wandung dünn, Rand des Fruchtnapfes ohne Vorwulstungen.

bedeckt wie Ovarium, aber die Schuppen werden dürr und stachelspitzig, Wandung doppelt so dick, Rand des Fruchtnapfes mit kleinen Vorwulstungen.

Samen

(gehöckert bis glatt, schwarz, sehr klein bis groß, 0,5-2 mm lang), Hilum oval, ohne tiefe Einbuchtung der Testa, subventral am basalen Ende.

(flach gehöckert, schwarz, 2 mm lang,) Hilum rund, in einer Einbuchtung der Testa, ventral, oberhalb des basalen Endes.

PILOCOPIAPOA wurde von mir entdeckt 1956. Nr. FR 541 . Abb. 963/966.

Über COPIAPOA CONGLOMERATA (PHIL.) LEMBCKE und COPIAPOA SOLARIS (RITT,) RITT,

COPIAPOA CONGLOMERATA (PHIL.) LEMBCKE wird von LEMBCKE publiziert Februar 1966 in K.u.a.S. als comb. nov. Basionym ist ECHINOCACTUS CONGLOMERATUS R.A.PHILIPPI in Florula Atacamensis 1860, Art Nr. 144, [Seite 1049] LEMBCKE setzt dazu synonym COPIAPOA FEROX LEMBCKE & BACKEBERG in BACKEBERG:

Die Cactaceae, Bd. 3, S. 1922 von Ende 1959. LEMBCKE gibt die lateinische Diagnose durch PHILIPPI wieder, Die Kakteenart, welche nach LEMBCKE ECHINOCACTUS CONGLOMERATUS PHILIPPI sein soll, hatte ich am 18. März 1956 bei EL COBRE entdeckt und tags darauf bei BLANCO ENCALADA, welches nahe südlich liegt, Ich hatte alle für die Kenntnis der Art nötigen Notierungen einschließlich Blüte, Frucht und Samen. Aus der Literatur ergab sich, daß diese Art bislang nicht beschrieben worden war. Dabei bemühte ich mich vergeblich, den von PHILIPPI beschriebenen ECHINOCACTUS CONGLOMERATUS mit irgendeiner chilenischen Art in volle Ubereinstimmung zu bringen. 

Die Beschreibung PHILIPPIs auf die hier gefundene Art zu beziehen, ergab sich aus mehreren Angaben PHILIPPIs als völlig unmöglich. So gibt PHILIPPI 20 Rippen an, während die Rippenzahl dieser Art meist 9-10, weniger häufig 8 oder 11 beträgt; trotz Suche fand ich keine höhere Anzahl der Rippen als 11. Die Diskrepanz zwischen 11 und 20 Rippen ist unüberbrückbar. Den Durchmesser der Köpfe  ich mit 8-12 cm fest (Stacheln natürlich nicht eingeschlossen). PHILIPPI gibt dagegen 15-25 Linien an, das sind 5-6 cm, was ebenfalls unvereinbar ist. Nicht zutreffend ist zudem PHILIPPIs Angabe, daß die Stacheln mittelmäßig seien, sie sind im Gegenteil stärker als bei jeder sonst bekannten COPIAPOA, Die Mittelstacheln sollen gleich den 3 oder 4 oberen Randstacheln sein, was ebensowenig zutrifft, denn die Mittelstacheln sind beträchtlich stärker und übertreffen meist die oberen Randstacheln um das Doppelte an Dicke und Länge. Jeder einzelne der angeführten Widersprüche macht es für sich allein schon unmöglich, den PHILIPPIschen Namen CONGLOMERATUS auf die genannte Art von EL COBRE zu beziehen. Auch paßt die Angabe der Küstenfelsen sehr  schlecht auf unsere Wüstenart. Die Beschreibung PHILIPPIs trifft auch auf keine andere dort wachsende Art zu, so daß seine Fundortangabe ,,EL COBRE“ unrichtig sein muß, denn ich bin über die dort vorkommenden Arten gut unterrichtet. 

Aber solche falschen Herkunftsangaben sind in der älteren Literatur so erstaunlich häufig, daß man sämtliche Ortsangaben aus früherer Zeit mit der größten Skepsis aufnehmen muß; sie sind das Unzuverlässigste in der alten Literatur; jedem, der ältere Literatur durchgearbeitet hat, ist solches bekannt, Offenbar ist es eine COPIAPOA gewesen, die PHILIPPI für die Beschreibung von ECHINOCACTUS CONGLOMERATUS vorgelegen hat. BR. & R. haben ECHINOCACTUS CONGLOMERATUS synonym gesetzt zu COPIAPOA CINERASCENS, und vermutlich ist so richtig, zumal PHILIPPI diese außerordentlich häufige Art der Küstenfelsen von CHAÑARAL wohl gekannt haben wird, aber dieselbe nicht unter dem Namen ECHINOCACTUS CINERASCENS aufführt. Bei dieser Art fand ich eine Rippen-zahl bis zu 22, was zu PHILIPPIs Angabe stimmt; die Körperfarbe ist nicht immer sehr grau und öfters mehr grün, der Wuchs meist stark haufenbildend, wie von PHIL. angegeben.

Bei alledem muß aber PHILIPPI die neue Art von EL COBRE gekannt haben, denn unter der Nr. 145 der gleichen Abhandlung macht er Angaben über eine andere Art, ohne ihr jedoch einen Namen zu geben, mit folgenden Worten (in deutscher Übersetzung): ,,Ich sah nahe COBRE im Küstengebiet der Wüste bei 24° 15‘ geographischer Breite und sonst nirgends eine Kaktee von 2 und 1/2 bis 3 Zoll Durchmesser, Rippen 8 bis 10, stark hervortretend, die Stacheln der Stachelpolster aufrecht“. Die Angabe, daß er sie persönlich sah und zwar in der Wüste von EL COBRE (statt an den Küstenfelsen von dort), daß sie ihm als etwas Eigenes aufgefallen ist und 8-10 sehr hervortretende Rippen hat, machen es ziemlich gewiß, daß diese unbenannte Art also und nicht ECHINOCACTUS CONGLOMERATUS, wie LEMBCKE meinte, die von uns in den Wüsten von EL COBRE gefundene Art ist.

Bei der Bestimmung nach der Literatur muß mit großer Sorgfalt vorgegangen werden. Man muß nach dem Grundsatz verfahren, daß, wenn auch nur ein einziges angegebenes Merkmal in keiner Weise zutreffen kann, die betreffende Beschreibung nicht auf die zu bestimmende Art bezogen werden darf. Die Unvereinbarkeiten von ECHINOCACTUS CONGLOMERATUS mit der fraglichen Art von EL COBRE sind so zahlreich, daß ich bei meiner eigenen Publikation dieser Art ECHINOCACTUS CONGLOMERATUS überhaupt nicht erwähnt habe, weil es mir nicht in den Sinn kam, daß jemals ein Sachbearbeiter eine derart weit greifende Fehlbestimmung machen könnte.

Die neue Haufenkaktee von EL COBRE zeigt in der Gesamtheit ihrer Merkmale entschieden COPIAPOA-Charakter, sie zeigt jedoch eine Anzahl [Seite 1050] bemerkenswerter Abweichungen, die sich bei keiner der zahlreichen COPIAPOA-Arten finden und namentlich die Blüte betreffen, die mit ihrer gleichmäzigen Beschuppung und ihrer starken Filzbedeckung einen etwas ursprünglicheren Entwicklungszustand aufweist als ihn alle sonst bekannten COPIAPOA-Arten zeigen. Ich hatte daraufhin eine eigene Gattung aufgestellt: PILOCOPIAPOA. Die Unterschiede sind im einzelnen aufgeführt in der Originalpublikation, die ich hier oben wiedergegeben habe.

Im Jahr 1958 hatte ich das Manuskript an Herrn BUINING in Holland eingesandt für eine Publikation der PILOCOPIAPOA RITTER, die sich jedoch sehr verzögerte. Ein Jahr später erschien der dritte Band von BACKEBERGs Kakteen-Monographie und in diesem auf S. 1922 die Veröffentlichung einer COPIAPOA FEROX LEMBCKE & BACKBG spec. nov., von BLANCO ENCALADA mit einer sehr ungenügenden Beschreibung, die sich offenbar auf einen einzelnen eingesandten Kopf stützte; weder Blüten noch Früchte noch Samen noch der Haufenwuchs dieser Art waren dem Publizierer BACKEBERG bekannt, Normalerweise kommt die Publikation einer Neuheit erst dann in Frage, wenn alles Kennzeichnende, soweit noch Aussicht auf dessen Beschaffung besteht, geklärt worden ist, so daß über die Stellung der fraglichen Neuheit Sicherheit besteht, weil im anderen Fall Publikationen sehr häufig zu einer Belastung für die Taxonomie werden, Nachdem die Kakteensystematik heute dadurch so schwierig, verworren und oft unentwirrbar geworden ist, weil man von gewissen Seiten mit Uberstürzung schnell publizierte, alles was man an Neuem entdeckt zu haben glaubte oder nur wähnte und hoffte, entdeckt zu haben, auch wenn nur dürftigste Kenntnisse vorlagen, ohne die erforderlichen Unterlagen zu komplettieren, ohne die erforderliche kritische Besinnung, ohne Sicherung, ob in sonstig Publiziertem vielleicht schon vorhanden, kann man meines Erachtens ein derartiges Vorgehen nicht noch einfach dadurch gewähren lassen und also fördern, daß man selbst mit sorgfältigeren Untersuchungen einem solchen Publizierer gegenüber freiwillig zurücktritt, 

Wer so unsorgfältig arbeitet, daß er nicht abwarten will, die für COPIAPOA diagnostisch so relevanten Merkmale: Blüte, Frucht und Samen in Erfahrung zu bringen, sollte gegenüber einer Arbeit, in welcher alle diese Daten mit Sorgfalt gesammelt und für die Publikation schon lange zuvor eingesandt worden waren, meines Erachtens keinen Prioritätsanspruch sich erjagt haben, auch wenn er mit einer unfertigen Publikation sich einen zeitlichen Vorsprung gesichert haben sollte. Im übrigen bedürfen einige Angaben in BACKEBERGs Diagnose seiner COPIAPOA FEROX der Korrektur: Der Körper hat nicht normalerweise einen grünlichweißen Belag, wie ihn BACKEBERG für das vorgerückte Alter angibt; die Areolen sind erhaben, ihr Filz ist gelbbräunlich, ehe er ergraut; die Stacheln sind nicht ,,zuerst blaß hornfarben“, sondern gelblichbräunlich, erst danach vergrauend, der 5 mm Areolen -Abstand gilt nur für junge Stadien, später nähern sich die Areolen bis zur Berührung. Es fehlen alle generativen Angaben, die eine Zuordnung zur Gattung COPIAPOA erst ermöglichen. Es fehlt zudem die vom Nomenklatur-Code geforderte Angabe eines Typus-Exemplars, ohne welche die Publikation eines Taxon gemäß Artikel 35 ungültig ist. Aus genannten Gründen kann COPIAPOA FEROX nur als ein nomen nudum angesehen werden, und ich sah keine Veranlassung, mein schon ein Jahr zuvor eingesandtes, sorgfältig ausgearbeitetes Manuskript wieder zurückzufordern, zumal diese Art unter dem Namen PILOC. SOLARIS bereits seit drei Jahren eingeführt worden war, Der Liebhaber ist immer verärgert, wenn er einen bereits eingeführten Namen wechseln soll. Die Nomenklaturregeln zeigen da eine Verbesserungsbedürftigkeit, eine solche Verbesserung würde der taxonomischen Ordnung zugute kommen, wenn der ,,Mihismus“ gewisser Autoren eine Schranke erführe, LEMBCKE stellt in seinem erwähnten Artikel meine PILOCOPIAPOA SOLARIS synonym zu seiner COPIAPOA CONGLOMERATA (PHIL.) LEMBCKE, Als BACKEBERG seine COPIAPOA FEROX LEMBCKE & BACKEBERG publizierte, waren ihm also weder Frucht noch Blüte noch Samen bekannt. Als später meine PILOCOPIAPOA SOLARIS publiziert wurde, wußte BACKEBERG nicht, daß es sich um dieselbe Art handelte, die er selbst zuvor als COPIAPOA FEROX publiziert hatte, aber auf die Angabe des völlig in Wolle gehüllten Ovarium hat er ohne weiteres PILOCOPIAPOA als selbständiges Genus anerkannt, LEMBCKE, BACKEBERGs Mitautor der COPIAPOA FEROX, hätte daher dies außergewöhnliche Merkmal der Bewollung des Ovarium - für Backeberg beweisend als Gattungskriterium für [Seite 1051] Aufstellung einer PILOCOPIAPOA  in seinen Argumenten für Nichtigmachung der PILOCOPIAPOA als Gattung nicht einfach stillschweigend übergehen dürfen, sowohl in seiner neuen Beschreibung dieser Art als auch in seinen Zeugnissen für den COPIAPOA-Charakter dieser Art im Schlußabsatz seines Artikels, während BACKEBERG im Kakt.-Lex. auf S. 362 schreibt:

"Dieses Genus ist interessant, auch deshalb, weil RITTER hier meinem Trennungsprinzip folgt,“ Allerdings war diese Bewollung für mich nur einer von zahlreicheren Unterschieden, um meine Gattung PILOCOPIA aufzustellen, denn man darf nie Gattungen auf ein einziges Trennungsprinzip gründen, wie es BACKEBERG getan hat. 

Nun habe ich aber eine weitergehende Auffassung des Gattungsbegriffs als BACKEBERG, namentlich was dessen taxonomische Vorrangstellung des Blüten-Integumentes betrifft. Ich bin heute der Auffassung, daß man PILOCOPIAPOA nur als eine Untergattung zu COPIAPOA setzen sollte.

LEMBCKE schreibt im genannten Artikel: ,,Obgleich RITTER diese Art ausführlich und genau beschrieben hat, möchte auch ich dies tun, zumal meine Beobachtungen sich nicht genau mit denen von RITTER decken. . . . Ich gab an: ,,Frucht grün bis rot“. LEMBCKE erklärt: ,,Frucht anfangs grün, bei Vollreife rötlich...“ Ich habe bei der Angabe ,,grün bis rot“ nur vollreife Früchte berücksichtigt. Wer viel Kakteenfrüchte in Natur gesammelt hat, weiß, gaß es auch sonst häufig Kakteenarten gibt, bei denen neben gereiften farbigen Früchten auch solche sind, die ihre Grünfärbung bei der Reife beibehalten haben; dafür dürfte die Belichtungsstärke entscheidend sein, LEMBCKEs Schluß war jedenfalls umgekehrt, einer Gewohnheit entsprechend: Weil ungereifte Früchte grün sind, schloß er, daß alle grünfarbigen Früchte unausgereift sein müssen. LEMBCKE meint: ,,Der Vorgang des Öffnens (der Frucht) scheint nicht immer reibungslos zu verlaufen, man findet z. T. verkrüppelte Früchte,“ Offenbar hat sich da LEMBCKE irgendwie getauscht. Ich habe nur normal reifende Früchte gefunden, aber viele Blüte entwickeln sich, wie auch sonst oft zu beobachten, mangels Befruchtung nicht zu reifen Früchten. Meine Kenntnis der Frucht beruht auf vielen Stunden der Fruchtsuche während mehrmaliger Besuche der Standorte; Lembcke war nur mal ganz flüchtig dort.

LEMBCKE schreibt weiter: ,,RITTER ist der Ansicht, daß diese Art den Küstennebel meidet. Dieses trifft nach meinen Beobachtungen nicht zu, wäre auch nicht möglich, da es außerhalb der Nebelzone in dieser Gegend keine Lebensmöglichkeiten für Pflanzen gibt.“ Ich selbst glaube die Gegend hinreichend gut zu kennen, um urteilen zu können. Ich habe bei viermaliger Anwesenheit in den Bergen von EL COBRE und BLANCO ENCALADA in allem etwa sechs Tage das Gebiet durchwandert und dementsprechend auch viel mehr Kakteenarten dort gefunden als LEMBCKE seinem Artikel gemäß und seinem kurzen Besuch entsprechend bekannt geworden sind, nämlich an Arten vier COPIAPOA, ohne nahe Verwandtschaft mit einander (SOLARIS, BOLIVIANA, TENUISSIMA und HUMILIS), zwei PYRRHOCACTUS (GLAUCESCENS und FLOCCOSUS und dessen regionale Varietät MINOR), zwei TRICHOCEREUS (FULVILANUS und DESERTICOLA), zwei EULYCHNIA ( IQUIQUENSIS VAR. PULLILANA und BREVIFLORA VAR. TALTALENSIS) und zwei Opuntien (CUMULOPUNITA BERTERI und CYLINDROPUNTIA TUNICATA VAR. CHILENSIS). Ich habe mehrfach Gebirgsaufstiege dortselbst gemacht von der Küste gegen Osten bis zum Ende der Kakteen-Vorkommen. Wandert man z. B. von der Küste von BLANCO ENCALADA gegen Osten das Gebirge hoch, so findet man am Fuß der Berge in einer vorzugsweise Sonnenzone zunächst spärliche COPIAPOA SOLARIS, von kleinerem Wuchs. Beim Aufstieg kommt man in die Hauptnebelzone, gekennzeichnet durch den starken Flechtenbewuchs, COPIAPOA SOLARIS fehlt dann völlig. Als ich erstmals 1956 über die Vorberge gegen Osten hinaus gelangte, kam der Nebel hier zu Ende, und ich trat in strahlendes Sonnengelände ein, und erst jetzt erschien erneut COPIAPOA SOLARIS, und zwar in ihrem üppigsten Wuchs. Entsprechend notierte ich damals auf meiner Wanderung: "PILOCOPIAPOA wie EL COBRE, bis 120 cm hohe Haufen, oberhalb der Nebelzone landeinwärts, beginnt dort, vo COPIAPOA MARGINATA“ (jetzt COPIAPOA BOLIVIANA) " und EULYCHNIA wgen Dürre zu Ende gehen.“ (Kakteen-Notizheft Nr. 27, Seite 1348.) Von jener bezeichneten Stelle ist das Foto mit dem Rucksack neben dem größten Haufen. Man sieht die Wüste, in der andere Kakteen fehlen, den wolkenlosen Himmel und die Schatten der Steine, welche die Besonnung anzeigen.

Wenn LEMBCKE erklärt, es sei gar nicht möglich, daß [Seite 1052] diese Art die Nebelzone meide, weil es außerhelb derselben keine Lebens-möglichkeit für Pflanzen gäbe, so muß ich widersprechen, weil diese Art fast ganz auf gelegentliche Regen angewiesen ist, Nässende Nebel vermögen nur in der Hauptnebelzone die Erde so weit zu durchfeuchten und die Pflanzen zu kühlen mit Herabsetzung ihrer Wasserverdunstung, daß Kakteenwuohs mit der wesentlicheren Hilfe gelegentlicher Regen möglich ist. In die Zone der COPIAPOA SOLARIS mögen gelegentlich Nebel vordringen, aber sie vermögen nicht die Erde nennenswert zu durchfeuchten, Als ich das letztemal jene Gegend besuchte, war nicht lange Zeit vorher ein erlösender Regen gefallen, der Boden war noch durchfeuchtet, und die Körper der COPIAPOA SOLARIS hatten ihre Wasserreserven wieder aufgefüllt. Weiter abwärts, in einer nebeligeren Zone, waren von PYRRHOCACTUS GLAUCESCENS eine Anzahl Exemplare verdurstet oder nahe am Verdursten, weil der Regen zu spät gefallen war; die Nebel hatten nicht genügt; auch hier war der Boden erst jetzt vom Regen gründlich durchfeuchtet worden.

Ich hatte die PILOCOPIAPOA SOLARIS in meiner Publikation sehr ausführlich und meines Erachtens ganz eindeutig beschrieben. Die Angaben über diese Art, die LEMBCKE später für eine genaue Kenntnis dieser Art, aber mit einer ungenügend kurzen Beschreibung machte, bringen nichts Neues hinzu. Ich war daher etwas erstaunt, daß LEMBCKE als Begründung für seine eigene Beschreibung angibt, daß ,,es angebracht ist, daß diese Art nun eindeutig festgelegt wird,“ Der Leser kann leicht selbst urteilen, wenn er LEMBCKEs ,,eindeutig festlegende“ Beschreibung mit der meinigen von damals vergleicht. Ich habe diese ganze Darstellung der sachlichen Klärung wegen gegeben, ich möchte nicht, daß sich Herr LEMBCKE persönlich durch mich verletzt fühlt. Ich bin sicher, daß er seinen Artikel nicht in der Absicht geschrieben hat, meine wissenschaftliche Arbeit herabzusetzen, sondern daß er sich nur in Einigem geirrt hatte. Auch sind meine obigen Beanstandungen unfertiger Publikationen nicht an die Adresse von LEMBCKE gerichtet, denn er hat gewiß die Beschreibung der COPIAPOA FEROX LEMBCKE & BACKEBERG nicht selbst verfaßt oder zu drukken veranlaßt.

Nachbemerkungen: Eine Stellungnahme zu dem Aufsatz von LEMBCKE hatte ich am 25, Februar 1966 an den damaligen Schriftführer der Deutschen Kakteen-Gesellschaft, Herrn Prof. E. HAUSTEIN, gesandt mit folgendem Begleitschreiben: ,,. . . . Das Februarheft der Zeitschrift ,,K.u.a.S.“ wurde mir per Luftpost zugesandt, in welchem ich einen Aufsatz finde von LEMBCKE: ,,COPIAPOA CONGLOMERATA (PHIL.) LEMBCKE“ , Diese Umbenennung beruht auf einer groben Fehlbestimmung durch LEMBCKE, Abgesehen davon muß dieser Aufsatz bei jedem Leser den Eindruck erwecken, daß ich in meiner wissenschaftlichen Arbeit sehr unzuverlässig sei, Ich sah mich daher genötigt, einen Artikel mit einer Stellungnahme zu schreiben und habe bei dieser Gelegenheit einen weiteren Artikel verfaßt mit Stellungnahme zu einer anderen Veröffentlichung von LEMBCKE und BACKEBERG über NEOCHILENIA PSEUDOREICHEI, welche ebenfalls berichtigt werden mußte, Da beide Publikationen von LEMBCKE in Ihrer Zeitschrift erfolgten, so ist es notwendig, daß die Berichtigungen in derselben Zeitschrift gegeben werden, da die Leser einen Anspruch auf Aufklärung haben, wenn sie aus Versehen unrichtig informiert worden waren.“ Da in einem Antwortschreiben vom 20, März 1966 die von mir abgefaßten Kritiken mit keinem Worte berührt wurden und auch die folgenden Hefte dieser Zeitschrift sich darüber ausschwiegen, so wandte ich mich am 14. Juni 1966 schriftlich an den 1, Vorsitzenden der D. K.G., Herrn HELMUT GERDAU, indem ich nochmals vorstellig wurde und unter anderem schrieb: ...

  •  erstens haben die Leser Ihrer Zeitschrift ein Anrecht darauf, Berichtigungen durch Ihre Zeitschrift selbst zu erfahren, wenn sie aus Versehen falsch unterrichtet worden waren...;

  • zweitens muß jeder Leser jenes Aufsatzes von Herrn LEMBCKE den Eindruck gewinnen, daß ich für wissenschaftliche Sachbearbeitungen nicht kompetent sei, und ich habe daher selbst ein unbedingtes Anrecht darauf, daß diese meine Berichtigungen in Ihrer Zeitschrift erscheinen.

Falls Sie gleichwohl meine Entgegnungen auf LEMBCKEs Artikel ablehnen sollten, müßte ich dieselben an anderer Stelle publizieren und mit der Bemerkung, daß meine Berichtigungen der Ausführungen des Herrn LEMBCKE in den Spalten Ihrer Zeitschrift keine Aufnahme gefunden hätten.“ Leider waren meine Bemühungen vergebens. In einem Antwortschreiben vom 28. Juni wurde [Seite 1053] mein Ansinnen mit keiner Silbe berührt, wie auch in der Zeitschrift nie eine Berichtigung publiziert wurde, Ob auch nach dieser zweiten Zuschrift Herr Prof. HAUSTEIN es war, der die Publikation verhinderte, weiß ich nicht. Diese Nachbemerkungen beziehen sich nur auf die damalige Zeit, Schriftführer und erster Vorsitzender haben längst gewechselt, und ich habe heute nicht den geringsten Anlaß zu Beanstandungen, da meinen Arbeiten wohlwollendes Interesse und Anerkennung von der Deutschen Kakteen-Gesellschaft und ihrem Vorstand entgegengebracht wird.

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 © 2001-2006 Paul Klaassen
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