COPIAPOA CONGLOMERATA
(PHIL.) LEMBCKE wird von LEMBCKE publiziert Februar 1966 in K.u.a.S. als
comb. nov. Basionym ist ECHINOCACTUS CONGLOMERATUS R.A.PHILIPPI in
Florula Atacamensis 1860, Art Nr. 144,
[Seite
1049] LEMBCKE setzt dazu synonym COPIAPOA FEROX LEMBCKE &
BACKEBERG in BACKEBERG:
Die Cactaceae, Bd. 3, S.
1922 von Ende 1959. LEMBCKE gibt die lateinische Diagnose durch PHILIPPI
wieder, Die Kakteenart, welche nach LEMBCKE ECHINOCACTUS CONGLOMERATUS PHILIPPI
sein soll, hatte ich am 18. März 1956 bei EL COBRE entdeckt und tags
darauf bei BLANCO ENCALADA, welches nahe südlich liegt, Ich hatte alle
für die Kenntnis der Art nötigen Notierungen einschließlich Blüte, Frucht
und Samen. Aus der Literatur ergab sich, daß diese Art bislang nicht
beschrieben worden war. Dabei bemühte ich mich vergeblich, den von
PHILIPPI beschriebenen ECHINOCACTUS CONGLOMERATUS mit irgendeiner chilenischen
Art in volle Ubereinstimmung zu bringen.
Die Beschreibung PHILIPPIs auf
die hier gefundene Art zu beziehen, ergab sich aus mehreren Angaben
PHILIPPIs als völlig unmöglich. So gibt PHILIPPI 20 Rippen an, während
die Rippenzahl dieser Art meist 9-10, weniger häufig 8 oder 11 beträgt;
trotz Suche fand ich keine höhere Anzahl der Rippen als 11. Die Diskrepanz
zwischen 11 und 20 Rippen ist unüberbrückbar. Den Durchmesser der Köpfe
ich mit 8-12 cm fest (Stacheln natürlich nicht eingeschlossen). PHILIPPI
gibt dagegen 15-25 Linien an, das sind 5-6 cm, was ebenfalls unvereinbar
ist. Nicht zutreffend ist zudem PHILIPPIs Angabe, daß die Stacheln mittelmäßig
seien, sie sind im Gegenteil stärker als bei jeder sonst bekannten
COPIAPOA, Die Mittelstacheln sollen gleich den 3 oder 4 oberen Randstacheln
sein, was
ebensowenig zutrifft, denn die Mittelstacheln sind beträchtlich stärker und
übertreffen meist die oberen Randstacheln um das Doppelte an Dicke und Länge. Jeder
einzelne der angeführten Widersprüche macht es für sich allein schon
unmöglich, den PHILIPPIschen Namen CONGLOMERATUS auf die genannte Art
von EL COBRE zu beziehen. Auch paßt die Angabe der Küstenfelsen sehr
schlecht auf unsere Wüstenart. Die Beschreibung PHILIPPIs trifft auch
auf keine andere dort wachsende Art zu, so daß seine Fundortangabe ,,EL
COBRE“ unrichtig sein muß, denn ich bin über die dort vorkommenden
Arten gut unterrichtet.
Aber solche falschen Herkunftsangaben sind in
der älteren Literatur so erstaunlich häufig, daß man sämtliche
Ortsangaben aus früherer Zeit mit der größten Skepsis aufnehmen muß;
sie sind das Unzuverlässigste in der alten Literatur; jedem, der ältere
Literatur durchgearbeitet hat, ist solches bekannt, Offenbar ist es eine
COPIAPOA gewesen, die PHILIPPI für die Beschreibung von ECHINOCACTUS CONGLOMERATUS vorgelegen hat. BR. & R. haben
ECHINOCACTUS CONGLOMERATUS
synonym gesetzt zu COPIAPOA CINERASCENS, und vermutlich ist so richtig,
zumal PHILIPPI diese außerordentlich häufige Art der Küstenfelsen
von CHAÑARAL wohl gekannt haben wird, aber dieselbe nicht unter dem
Namen ECHINOCACTUS CINERASCENS aufführt. Bei dieser Art fand ich eine Rippen-zahl
bis zu 22, was zu PHILIPPIs Angabe stimmt; die Körperfarbe ist nicht
immer sehr grau und öfters mehr grün, der Wuchs meist stark
haufenbildend, wie von PHIL. angegeben.
Bei alledem muß aber
PHILIPPI die neue Art von EL COBRE gekannt haben, denn unter der Nr. 145
der gleichen Abhandlung macht er Angaben über eine andere Art, ohne ihr
jedoch einen Namen zu geben, mit folgenden Worten (in deutscher Übersetzung):
,,Ich sah nahe COBRE im Küstengebiet der Wüste bei 24° 15‘
geographischer Breite und sonst nirgends eine Kaktee von 2 und 1/2 bis 3
Zoll Durchmesser, Rippen 8 bis 10, stark hervortretend, die Stacheln der
Stachelpolster aufrecht“. Die Angabe, daß er sie persönlich sah und
zwar in der Wüste von EL COBRE (statt an den Küstenfelsen von dort),
daß sie ihm als etwas Eigenes aufgefallen ist und 8-10 sehr
hervortretende Rippen hat, machen es ziemlich gewiß, daß diese
unbenannte Art also und nicht ECHINOCACTUS CONGLOMERATUS, wie LEMBCKE meinte,
die von uns in den Wüsten von EL COBRE gefundene Art ist.
Bei der Bestimmung nach
der Literatur muß mit großer Sorgfalt vorgegangen werden. Man muß
nach dem Grundsatz verfahren, daß, wenn auch nur ein einziges
angegebenes Merkmal in keiner Weise zutreffen kann, die betreffende
Beschreibung nicht auf die zu bestimmende Art bezogen werden darf. Die
Unvereinbarkeiten von ECHINOCACTUS CONGLOMERATUS mit der fraglichen Art von EL
COBRE sind so zahlreich, daß ich bei meiner eigenen Publikation dieser
Art ECHINOCACTUS CONGLOMERATUS überhaupt nicht erwähnt habe, weil es mir
nicht in den Sinn kam, daß jemals ein Sachbearbeiter eine derart weit
greifende Fehlbestimmung machen könnte.
Die neue Haufenkaktee von
EL COBRE zeigt in der Gesamtheit ihrer Merkmale entschieden COPIAPOA-Charakter,
sie zeigt jedoch eine Anzahl [Seite 1050]
bemerkenswerter Abweichungen, die sich bei keiner der zahlreichen COPIAPOA-Arten
finden und namentlich die Blüte betreffen, die mit ihrer gleichmäzigen
Beschuppung und ihrer starken Filzbedeckung einen etwas ursprünglicheren
Entwicklungszustand aufweist als ihn alle sonst bekannten COPIAPOA-Arten
zeigen. Ich hatte daraufhin eine eigene Gattung aufgestellt:
PILOCOPIAPOA. Die Unterschiede sind im einzelnen aufgeführt in der
Originalpublikation, die ich hier oben wiedergegeben habe.
Im Jahr 1958 hatte ich
das Manuskript an Herrn BUINING in Holland eingesandt für eine
Publikation der PILOCOPIAPOA RITTER, die sich jedoch sehr verzögerte.
Ein Jahr später erschien der dritte Band von BACKEBERGs Kakteen-Monographie
und in diesem auf S. 1922 die Veröffentlichung einer COPIAPOA FEROX
LEMBCKE & BACKBG spec. nov., von BLANCO ENCALADA mit einer sehr ungenügenden
Beschreibung, die sich offenbar auf einen einzelnen eingesandten Kopf stützte;
weder Blüten noch Früchte noch Samen noch der Haufenwuchs dieser Art
waren dem Publizierer BACKEBERG bekannt, Normalerweise kommt die
Publikation einer Neuheit erst dann in Frage, wenn alles Kennzeichnende,
soweit noch Aussicht auf dessen Beschaffung besteht, geklärt worden ist,
so daß über die Stellung der fraglichen Neuheit Sicherheit besteht,
weil im anderen Fall Publikationen sehr häufig zu einer Belastung für
die Taxonomie werden, Nachdem die Kakteensystematik heute dadurch so
schwierig, verworren und oft unentwirrbar geworden ist, weil man von
gewissen Seiten mit Uberstürzung schnell publizierte, alles was man an
Neuem entdeckt zu haben glaubte oder nur wähnte und hoffte, entdeckt zu
haben, auch wenn nur dürftigste Kenntnisse vorlagen, ohne die
erforderlichen Unterlagen zu komplettieren, ohne die erforderliche
kritische Besinnung, ohne Sicherung, ob in sonstig Publiziertem
vielleicht schon vorhanden, kann man meines Erachtens ein derartiges
Vorgehen nicht noch einfach dadurch gewähren lassen und also fördern,
daß man selbst mit sorgfältigeren Untersuchungen einem solchen
Publizierer gegenüber freiwillig zurücktritt,
Wer so unsorgfältig
arbeitet, daß er nicht abwarten will, die für COPIAPOA diagnostisch so
relevanten Merkmale: Blüte, Frucht und Samen in Erfahrung zu bringen, sollte
gegenüber einer Arbeit, in welcher alle diese Daten mit Sorgfalt
gesammelt und für die Publikation schon lange zuvor eingesandt worden
waren, meines Erachtens keinen Prioritätsanspruch sich erjagt haben,
auch wenn er mit einer unfertigen Publikation sich einen zeitlichen
Vorsprung gesichert haben sollte. Im übrigen bedürfen einige Angaben
in BACKEBERGs Diagnose seiner COPIAPOA FEROX der Korrektur: Der Körper
hat nicht normalerweise einen grünlichweißen Belag, wie ihn BACKEBERG für
das vorgerückte Alter angibt; die Areolen sind erhaben, ihr Filz ist gelbbräunlich,
ehe er ergraut; die Stacheln sind nicht ,,zuerst blaß hornfarben“, sondern
gelblichbräunlich, erst danach vergrauend, der 5 mm Areolen -Abstand gilt
nur für junge Stadien, später nähern sich die Areolen bis zur Berührung.
Es fehlen alle generativen Angaben, die eine Zuordnung zur Gattung
COPIAPOA erst ermöglichen. Es fehlt zudem die vom Nomenklatur-Code
geforderte Angabe eines Typus-Exemplars, ohne welche die Publikation
eines Taxon gemäß Artikel 35 ungültig ist. Aus genannten Gründen
kann COPIAPOA FEROX nur als ein nomen nudum angesehen werden, und ich
sah keine Veranlassung, mein schon ein Jahr zuvor eingesandtes, sorgfältig
ausgearbeitetes Manuskript wieder zurückzufordern, zumal diese Art
unter dem Namen PILOC. SOLARIS bereits seit drei Jahren eingeführt
worden war, Der Liebhaber ist immer verärgert, wenn er einen bereits
eingeführten Namen wechseln soll. Die Nomenklaturregeln zeigen da eine
Verbesserungsbedürftigkeit, eine solche Verbesserung würde der
taxonomischen Ordnung zugute kommen, wenn der ,,Mihismus“ gewisser
Autoren eine Schranke erführe, LEMBCKE stellt in seinem erwähnten
Artikel meine PILOCOPIAPOA SOLARIS synonym zu seiner COPIAPOA
CONGLOMERATA (PHIL.) LEMBCKE, Als BACKEBERG seine COPIAPOA FEROX LEMBCKE
& BACKEBERG publizierte, waren ihm also weder Frucht noch Blüte noch Samen
bekannt. Als später meine PILOCOPIAPOA SOLARIS publiziert wurde, wußte
BACKEBERG nicht, daß es sich um dieselbe Art handelte, die er selbst
zuvor als COPIAPOA FEROX publiziert hatte, aber auf die Angabe des völlig
in Wolle gehüllten Ovarium hat er ohne weiteres PILOCOPIAPOA als selbständiges
Genus anerkannt, LEMBCKE, BACKEBERGs Mitautor der COPIAPOA FEROX, hätte
daher dies außergewöhnliche Merkmal der Bewollung des Ovarium - für
Backeberg beweisend als Gattungskriterium für
[Seite
1051] Aufstellung einer PILOCOPIAPOA in seinen
Argumenten für Nichtigmachung der PILOCOPIAPOA als Gattung nicht
einfach stillschweigend übergehen dürfen, sowohl in seiner neuen
Beschreibung dieser Art als auch in seinen Zeugnissen für den
COPIAPOA-Charakter dieser Art im Schlußabsatz seines Artikels, während
BACKEBERG im Kakt.-Lex. auf S. 362 schreibt:
"Dieses Genus ist
interessant, auch deshalb, weil RITTER hier meinem Trennungsprinzip
folgt,“ Allerdings war diese Bewollung für mich nur einer von
zahlreicheren Unterschieden, um meine Gattung PILOCOPIA aufzustellen,
denn man darf nie Gattungen auf ein einziges Trennungsprinzip gründen,
wie es BACKEBERG getan hat.
Nun habe ich aber eine
weitergehende Auffassung des Gattungsbegriffs als BACKEBERG, namentlich
was dessen taxonomische Vorrangstellung des Blüten-Integumentes
betrifft. Ich bin heute der Auffassung, daß man PILOCOPIAPOA nur als
eine Untergattung zu COPIAPOA setzen sollte.
LEMBCKE schreibt im
genannten Artikel: ,,Obgleich RITTER diese Art ausführlich und genau
beschrieben hat, möchte auch ich dies tun, zumal meine Beobachtungen
sich nicht genau mit denen von RITTER decken. . . . Ich gab an: ,,Frucht grün
bis rot“. LEMBCKE erklärt: ,,Frucht anfangs grün, bei Vollreife rötlich...“
Ich habe bei der Angabe ,,grün bis rot“ nur vollreife Früchte berücksichtigt.
Wer viel Kakteenfrüchte in Natur gesammelt hat, weiß, gaß es auch
sonst häufig Kakteenarten gibt, bei denen neben gereiften farbigen Früchten
auch solche sind, die ihre Grünfärbung bei der Reife beibehalten haben;
dafür dürfte die Belichtungsstärke entscheidend sein, LEMBCKEs Schluß
war jedenfalls umgekehrt, einer Gewohnheit entsprechend: Weil ungereifte
Früchte grün sind, schloß er, daß alle grünfarbigen Früchte
unausgereift sein müssen. LEMBCKE meint: ,,Der Vorgang des Öffnens (der
Frucht) scheint nicht immer reibungslos zu verlaufen, man findet z. T.
verkrüppelte Früchte,“ Offenbar hat sich da LEMBCKE irgendwie
getauscht. Ich habe nur normal reifende Früchte gefunden, aber viele Blüte
entwickeln sich, wie auch sonst oft zu beobachten, mangels Befruchtung
nicht zu reifen Früchten. Meine Kenntnis der Frucht beruht auf vielen
Stunden der Fruchtsuche während mehrmaliger Besuche der Standorte;
Lembcke war nur mal ganz flüchtig dort.
LEMBCKE schreibt weiter:
,,RITTER ist der Ansicht, daß diese Art den Küstennebel meidet. Dieses
trifft nach meinen Beobachtungen nicht zu, wäre auch nicht möglich, da
es außerhalb der Nebelzone in dieser Gegend keine Lebensmöglichkeiten
für Pflanzen gibt.“ Ich selbst glaube die Gegend hinreichend gut zu
kennen, um urteilen zu können. Ich habe bei viermaliger Anwesenheit in
den Bergen von EL COBRE und BLANCO ENCALADA in allem etwa sechs Tage das
Gebiet durchwandert und dementsprechend auch viel mehr Kakteenarten dort
gefunden als LEMBCKE seinem Artikel gemäß und seinem kurzen Besuch
entsprechend bekannt geworden sind, nämlich an Arten vier COPIAPOA,
ohne nahe Verwandtschaft mit einander (SOLARIS, BOLIVIANA, TENUISSIMA
und HUMILIS), zwei PYRRHOCACTUS (GLAUCESCENS und FLOCCOSUS und dessen
regionale Varietät MINOR), zwei TRICHOCEREUS (FULVILANUS und
DESERTICOLA), zwei EULYCHNIA ( IQUIQUENSIS VAR. PULLILANA und BREVIFLORA
VAR. TALTALENSIS) und zwei Opuntien (CUMULOPUNITA BERTERI und
CYLINDROPUNTIA TUNICATA VAR. CHILENSIS). Ich habe mehrfach
Gebirgsaufstiege dortselbst gemacht von der Küste gegen Osten bis zum
Ende der Kakteen-Vorkommen. Wandert man z. B. von der Küste von BLANCO
ENCALADA gegen Osten das Gebirge hoch, so findet man am Fuß der Berge
in einer vorzugsweise Sonnenzone zunächst spärliche COPIAPOA SOLARIS, von
kleinerem Wuchs. Beim Aufstieg kommt man in die Hauptnebelzone,
gekennzeichnet durch den starken Flechtenbewuchs, COPIAPOA SOLARIS fehlt
dann völlig. Als ich erstmals 1956 über die Vorberge gegen Osten
hinaus gelangte, kam der Nebel hier zu Ende, und ich trat in strahlendes
Sonnengelände ein, und erst jetzt erschien erneut COPIAPOA SOLARIS, und
zwar in ihrem üppigsten Wuchs. Entsprechend notierte ich damals auf
meiner Wanderung: "PILOCOPIAPOA wie EL COBRE, bis 120 cm hohe Haufen,
oberhalb der Nebelzone landeinwärts, beginnt dort, vo COPIAPOA
MARGINATA“ (jetzt COPIAPOA BOLIVIANA) " und EULYCHNIA wgen Dürre zu Ende
gehen.“ (Kakteen-Notizheft Nr. 27, Seite 1348.) Von jener bezeichneten
Stelle ist das Foto mit dem Rucksack neben dem größten Haufen. Man
sieht die Wüste, in der andere Kakteen fehlen, den wolkenlosen Himmel
und die Schatten der Steine, welche die Besonnung anzeigen.
Wenn LEMBCKE
erklärt, es sei gar nicht möglich, daß
[Seite
1052] diese Art die Nebelzone meide, weil es außerhelb
derselben keine Lebens-möglichkeit für Pflanzen gäbe, so muß ich
widersprechen, weil diese Art fast ganz auf gelegentliche Regen
angewiesen ist, Nässende Nebel vermögen nur in der Hauptnebelzone
die Erde so weit zu durchfeuchten und die Pflanzen zu kühlen mit
Herabsetzung ihrer Wasserverdunstung, daß Kakteenwuohs mit der
wesentlicheren Hilfe gelegentlicher Regen möglich ist. In die Zone der COPIAPOA
SOLARIS mögen gelegentlich Nebel vordringen, aber sie vermögen
nicht die Erde nennenswert zu durchfeuchten, Als ich das letztemal jene
Gegend besuchte, war nicht lange Zeit vorher ein erlösender Regen
gefallen, der Boden war noch durchfeuchtet, und die Körper der COPIAPOA
SOLARIS hatten ihre Wasserreserven wieder aufgefüllt. Weiter abwärts,
in einer nebeligeren Zone, waren von PYRRHOCACTUS GLAUCESCENS eine
Anzahl Exemplare verdurstet oder nahe am Verdursten, weil der Regen zu
spät gefallen war; die Nebel hatten nicht genügt; auch hier war der
Boden erst jetzt vom Regen gründlich durchfeuchtet worden.
Ich hatte die
PILOCOPIAPOA SOLARIS in meiner Publikation sehr ausführlich und meines
Erachtens ganz eindeutig beschrieben. Die Angaben über diese Art, die
LEMBCKE später für eine genaue Kenntnis dieser Art, aber mit einer
ungenügend kurzen Beschreibung machte, bringen nichts Neues hinzu. Ich
war daher etwas erstaunt, daß LEMBCKE als Begründung für seine eigene
Beschreibung angibt, daß ,,es angebracht ist, daß diese Art nun
eindeutig festgelegt wird,“ Der Leser kann leicht selbst urteilen,
wenn er LEMBCKEs ,,eindeutig festlegende“ Beschreibung mit der
meinigen
von damals vergleicht. Ich habe diese ganze Darstellung der sachlichen
Klärung wegen gegeben, ich möchte nicht, daß sich Herr LEMBCKE persönlich
durch mich verletzt fühlt. Ich bin sicher, daß er seinen Artikel nicht
in der Absicht geschrieben hat, meine wissenschaftliche Arbeit
herabzusetzen, sondern daß er sich nur in Einigem geirrt hatte. Auch
sind meine obigen Beanstandungen unfertiger Publikationen nicht an die
Adresse von LEMBCKE gerichtet, denn er hat gewiß die Beschreibung der
COPIAPOA FEROX LEMBCKE & BACKEBERG nicht selbst verfaßt oder zu
drukken veranlaßt.
Nachbemerkungen: Eine
Stellungnahme zu dem Aufsatz von LEMBCKE hatte ich am 25, Februar 1966
an den damaligen Schriftführer der Deutschen Kakteen-Gesellschaft,
Herrn Prof. E. HAUSTEIN, gesandt mit folgendem Begleitschreiben: ,,. .
. . Das Februarheft der Zeitschrift ,,K.u.a.S.“ wurde mir per Luftpost
zugesandt, in welchem ich einen Aufsatz finde von LEMBCKE: ,,COPIAPOA
CONGLOMERATA (PHIL.) LEMBCKE“ , Diese Umbenennung beruht auf einer
groben Fehlbestimmung durch LEMBCKE, Abgesehen davon muß dieser Aufsatz
bei jedem Leser den Eindruck erwecken, daß ich in meiner
wissenschaftlichen Arbeit sehr unzuverlässig sei, Ich sah mich daher genötigt,
einen Artikel mit einer Stellungnahme zu schreiben und habe bei dieser
Gelegenheit einen weiteren Artikel verfaßt mit Stellungnahme zu einer
anderen Veröffentlichung von LEMBCKE und BACKEBERG über NEOCHILENIA
PSEUDOREICHEI, welche ebenfalls berichtigt werden mußte, Da beide
Publikationen von LEMBCKE in Ihrer Zeitschrift erfolgten, so ist es notwendig,
daß die Berichtigungen in derselben Zeitschrift gegeben werden, da die
Leser einen Anspruch auf Aufklärung haben, wenn sie aus Versehen
unrichtig informiert worden waren.“ Da in einem Antwortschreiben vom
20, März 1966 die von mir abgefaßten Kritiken mit keinem Worte berührt
wurden und auch die folgenden Hefte dieser Zeitschrift sich darüber
ausschwiegen, so wandte ich mich am 14. Juni 1966 schriftlich an den 1,
Vorsitzenden der D. K.G., Herrn HELMUT GERDAU, indem ich nochmals
vorstellig wurde und unter anderem schrieb: ...
-
erstens haben
die Leser Ihrer Zeitschrift ein Anrecht darauf, Berichtigungen durch
Ihre Zeitschrift selbst zu erfahren, wenn sie aus Versehen falsch
unterrichtet worden waren...;
-
zweitens muß jeder
Leser jenes Aufsatzes von Herrn LEMBCKE den Eindruck gewinnen, daß
ich für wissenschaftliche Sachbearbeitungen nicht kompetent sei,
und ich habe daher selbst ein unbedingtes Anrecht darauf, daß diese
meine Berichtigungen in Ihrer Zeitschrift erscheinen.
Falls Sie gleichwohl
meine Entgegnungen auf LEMBCKEs Artikel ablehnen sollten, müßte ich
dieselben an anderer Stelle publizieren und mit der Bemerkung, daß
meine Berichtigungen der Ausführungen des Herrn LEMBCKE in den Spalten
Ihrer Zeitschrift keine Aufnahme gefunden hätten.“ Leider waren meine
Bemühungen vergebens. In einem Antwortschreiben vom 28. Juni wurde
[Seite
1053] mein Ansinnen mit keiner Silbe berührt, wie auch in
der Zeitschrift nie eine Berichtigung publiziert wurde, Ob auch nach
dieser zweiten Zuschrift Herr Prof. HAUSTEIN es war, der die Publikation
verhinderte, weiß ich nicht. Diese Nachbemerkungen beziehen sich nur
auf die damalige Zeit, Schriftführer und erster Vorsitzender haben längst
gewechselt, und ich habe heute nicht den geringsten Anlaß zu
Beanstandungen, da meinen Arbeiten wohlwollendes Interesse und
Anerkennung von der Deutschen Kakteen-Gesellschaft und ihrem Vorstand
entgegengebracht wird.