Copiapoa - Living on the Edge
Online Publications
  home [ References ]   [Ritter Index]   [Taxa]  

Kakteen in Südamerika

Friedrich Ritter

Band 3: Chile

Untergattung: PILOCOPIAPOA (RITTER) RITTER

Sektion 1 (der Gattung COPIAPOA) mit einer Art 

pro genere PILOCOPIAPOA RITTER, K.u.a.S. 1961, H. 2, S. 20

1.) COPIAPOA (subgenus PILOCOPIAPOA) SOLARIS (RITTER) RITTER comb. nov.

syn. PILOCOPIAPOA SOLARIS RITTER 1961, K.u.a.S., H. 2, S. 20
syn. COPIAPOA FEROX LEMBCKE & BACKBG nom. nud., 1959 in BACKEBERG ,,Die Cactaceae“, Bd. 3, S.1922
syn. COPIAPOA CONGLOMERATA LEMBCKE 1966, K.u.a.S., H. 2, S. 29, non ECHINOCACTUS CONGLOMERATUS PHIL. 1860

Körper gerundet, später gestreckt, sehr hart, mit Wollscheitel, stark sprossend und halbkuglige Haufen mit vielen, ziemlich gedrängten Köpfen bildend von bis über 1 m Höhe und bis ca 2 m Durchmesser, ohne Wurzelrübe. Einzelköpfe 8-12 cm dick, graugrün, unbereift. Scheitel flach, ganz mit Filz bedeckt, bestachelt.

Rippen meist 9-12, seltener 8 oder 11, gerade, stumpf, ungehöckert, an der Basis verbreitert, 2-3,5 cm hoch. Areolen nahezu rund, 1-1,75 cm Durchmesser, etwas erhaben, mit dichtem langem Filz, der frisch gelblichbräunlich ist und vergraut, bis 5 mm freier Abstand, an alten Köpfen einander genähert bis zur Berührung. Stacheln neu hell gelb-bräunlich, Spitzen nur wenig dunkler, vergrauend, derb bis sehr derb, starr, gerade bis gebogen, zuweilen auch krallig, namentlich bei jungen Pflanzen, die Krümmungen vorzugsweise nach unten. Die Oberfläche der Stacheln ist mehr oder weniger deutlich faserig und schilfert oft auf. Randstacheln ca 7-10, seitlich gerichtet bis etwas abstehend, 15-50 mm lang. Mittelstacheln 2-5 in unregelmäßiger Stellung, 2-6 cm lang.

Blüte aus dem Scheitel, tags geöffnet, ganze Länge 25-30 mm; sie haben den gleichen charakteristischen Duft wie viele andere COPIAPOA - Blüte (den aber auch manche andere Kakteen­Blüte haben). Ovarium ganz in dem langen Filz der Areolen, rundlich, 7-10 mm lang und dick, grünlichweiß oder weiß oder rosa, mit ca 10 Schuppen von 7 bis über 10 mm Länge und nur 0,5-1 mm Breite, auf den ganzen Ovarium gleichmäßig verteilt, die unteren Schuppen grün; an der Frucht vertrocknen die Schuppen und werden stechend spitz. In den Schuppenachseln sehr dichte, ca 15 mm lange weiße Wolle, deren Beschaffenheit ganz so ist wie die des Areolenfilzes; ohne stärkere Haare oder Borsten. Nektarkammer 2-3 mm hoch und 2-3 mm weit, fast die Hälfte der Receptaculum ausmachend, halboffen durch die nach innen geneigten basalen Filamente. Receptaculum darüber nur 4-7 mm lang, Wandung dicker als bei der Untergattung COPIAPOA, trichterförmig, Außenseite mit zahlreichen, über 1 cm langen, nur 1-2 mm breiten, lang zugespitzten Schuppen und ebensolcher weißer Wolle wie am Ovarium. Filamente  inserieren auf der ganzen Receptaculum oberhalb der Nektarkammer, gegen den Griffel geneigt,  kürzer als 1/3 der Blütenlänge, nur 5-8 mm lang, reichen nur bis zur Basis oder bis zur halben Höhe der Petalen, weiß bis blaßgrünlich, Beutel creme, sehr verschieden hoch stehend. Griffel weiß oder gelblich, kurz, nur 10-13 mm lang einschließlich der 4-8 hellgelben bis orangefarbenen zusammengeneigten Narbenäste, die etwa gleichhoch mit den Beuteln stehen. Petalen karminrosa bis rosagelb bis hellgelb oder gelblichweiß, 12-15 mm lang, 3-5 mm breit, oben gerundet, die äußeren röter und mehr zugespitzt mehr parallel stehend als ausgebreitet, zudem werden sie durch die starke Bestachlung meist an der Ausbreitung gehindert.

Frucht grün bis rot,  oben am Fruchtnapf 15 mm dick, nach unten verdünnt, mit sehr weitem Fruchtnapf, an dessen Rand sich kleine wulstige Vorwölbungen finden, mit fest anhaftendem Blütenrest, außen wie Ovarium; die Wandung der Frucht ist doppelt so dick wie sonst bei COPIAPOA, ca 2-3 mm. Bei der Reife öffnet sich die Frucht oben mit einem 1,5 mm dicken Deckel, der mit der Seitenwandung der Frucht kreisförmig abschließt. Die ausgereift dicken, wenige mm langen Samenstränge (das Fruchtfleisch) sind etwas saftig und locken Ameisen an.

Samen ca 2 mm lang, 1,3 mm breit, 0,7 mm dick, schwarz, glänzend, am verdünnten basalen Pol gerundet; Testa mit abgeflachten feinen Höckerchen; Hilum sehr seitlich, 1/3 bis 1/2 mm über dem basalen Ende, in Aufsicht rund, in Seitensicht stark eingebuchtet, weiß; zu beiden Seiten des Hilum ist die Testa etwas eingedellt.

Typusort EL COBRE an  der nordchilenischen Küste, östlich der Nebelzone.


[Seite 1048]

Verbreitung im Hinterland der nordchilenischen Küste um den 24. Breiten-grad. Die Art meidet die Zone der Küstennebel und wächst höher und landeinwärts, wo fast immer Sonne ist und sehr selten mal ein Regen fällt, außerdem viel seltener und etwas kleiner bleibend westlich der Nebelzone bei BLANCO ENCALADA über der Strandlinie am Fuß der Berge, bis wohin Nebel nur selten hinabreichen. Man muß hier beachten, daß die Kakteen im hohen Nordwesten sich fast nur in der Zone der Küstennebel vor der Ausdörrung durch die Sonne zu halten vermögen. Dort, wo weiter landeinwärts alle anderen Kakteen an der Dürre zugrunde gehen und etwa noch aufgegan-gene Keimlinge verschmachten, weil die Nebel zu selten mal so weit gelangen, dort beginnt das Reich dieser Kaktee, wo sie am üppigsten in riesenhaften Haufen gedeiht. Man kann wohl annehmen, daß diese Untergattung ehemals eine viel weitere Verbreitung gehabt haben wird, aber an der zunehmenden Ausdörrung Nordchiles zugrunde gegangen ist, da sie offenbar auf das sonnige Klima des Tieflandes angewiesen ist und nicht auf das Nebelklima, und daß sich nur dieser kleine Relikt erhielt, welcher der Dürre am besten zu trotzen verstand. Die befilzten Blüten mit den schmalen, gleichmäßig verteilten Schuppen zeigen, daß diese Untergattung ursprünglicher geblieben ist als die Untergattung COPIAPOA und jedenfalls ein älteres Stadium dieser Gattung bildet.

All material, except where otherwise credited, is Copyright
 © 2001-2006 Paul Klaassen
---------- end of page ----------