Die Gattung ist nur auf Chile beschränkt und in mehrfacher
Hinsicht eigentümlich; die Pflanzen neigen zu stärkerer basaler
Verzweigung, es sind aber zwei Entwicklungsäste zu erkennen, teils zu
niedrigem und ± kugeligem, auch polsterförmigem
Wuchs, teils zu dickcereoiden Altersformen. Ganz ungewöhnlich sind
die kahlen, sehr kurzröhrigen Blüten, mit vereinzelten schmalen Schuppen
am Ovarium und mehreren an dessen Rande bzw. ebenso später an der Frucht,
die oben mehrfach aufreißt, auseinenderklappt und die Samen mit
fleischigen Strängen freigibt; sie ist oben mit einer runden Scheibe
versehen, die zuerst reißt. Unterbleibt dies, kann die Frucht trocken und
geschlossen bzw. gelöst auf dem Wollscheitel verbleiben, der später bei
allen Arten ± ausgebildet ist, beim Typus
besonders dicht und breit. Sepalen und Petalen gehen einander
über,
die letzteren können oben ±
gerundet oder schmalspitz sein: verschieden ist auch die Form der Hülle:
glockig-trichterig bis breit radförmig oder auch mit schmalen, etwas
verdrehten und unregelmäßig gestellten Petalen. Schwierig ist die
Variationsbreite der Arten zu beurteilen, die zum Teil auch in den
Wuchsmerkmalen variieren. über
den Typus C. cinerea (Phil.) Br. & R. hat P. C. Hutchison eine
eingehende Studie in
C. & S. J. (US) XXV:3, 63-72, 1953,
geschrieben, auf die hier verwiesen sei: darin ist auch die
Variationsbreite der Bestachlung, Fruchtfarbe usw. beschrieben.
C. cinerea besiedelt besonders auffällig in der Gegend von Taltal und
Paposo das Küstenvorland und die angrenzenden Einschnitte ('Quebradas').
C. haseltoniana hält Hutchison für eine lokale Form. Ich habe ein
umfangreiches Material fast aller bekannten Copiapoas und auch in
übersee die Pflanzen auf
mehreren Standorten untersucht.
C. cinerea nur als 'stark variabel' zu bezeichnen,
würde meines Einsicht nicht der genauen Kenntnis der zu beobachtenden
Formen dienen. Es gibt im Alter kreidig-weiß werdende Pflanzen mit
schwarzen Stacheln: sie variieren in Zahl und Stärke der Stacheln (auch in
der Wuchshöhe sowie in der Petalen- und Fruchtfarbe). Diese von Hutchison
l.c. abgebildeten Pflanzen sind meines Einsicht allein als Copiapoa
cinerea anzusehen. Am Rande der hohen Pampa wachsen aber Pflanzen, die
(ebenso wie C. haseltoniana) in Körper- und Filzscheitel- sowie
Stachelfarbe wesentlich abweichen: C. gigantea meist mit kleinem
Scheitel und dieser dicht von Stacheln überragt, C. haseltoniana
mit breitem Scheitel, ± graugrünem
Körper, die Stacheln .....
[S. 1897] gelblich und
länger bzw. nie sehr derb. Wenn Hutchisons Feststellung auch
zutrifft, daß C. cinerea auf höheren Standorten stärker und länger
bestachelt ist und die Bestachelung in Zahl und Stärke nach tiefern Lagen
zu abnimmt, so gilt das doch nur für den Typus des Genus: C.
haseltoniana wächst fast auf Meereshöhe und ist ziemlich lang und
unterschiedlich bestachelt, darin mehr der C. gigantea ähnelnd, die
aber einen wesentlich abweichende Scheitel bildet. Allem Anschein nach hat
es drei Ausgangsarten gegeben, die teilweise wohl auch am Standort
vermischt sind:
-
der Typus der Gattung mit kreidig-weißen Trieben, grauem
Filzscheitel und pfriemlich-nagelförmigen schwarzen verschiedener Zahl,
Stärke und Länge, ferner die nicht kreidig-, sondern aschgrauweißlich,
etwas grünlich gefärbten
-
C. haseltoniana mit hellbraunem Filzscheitel und
gelben, dünneren Stacheln, sowie
-
C gigantea mit kleinem rötlich-gelbbraunem
Scheitel, von Stacheln überragt.
Man muß diese Arten auseinanderhalten, wenn die gemachten
Beobachtungen klar erhalten bleiben sollen (sehe die Vergleichsaufnahmen).
Es gehen auch unter den Namen C. malletiana zwei verschiedene
Formen: eine die offenbar zu C. cinerea gehört, während eine andere
ganz andere Rippen bildet, um die Areolen stark geschwollen; hier handelt
es sich zweifellos um Lemaires Echinocactus malletianus 'mit mehr
oder weniger geschweiften Rippen', sicher eine Copiapoa, aber nicht
C. cinerea; sie weicht stark ab und ist somit als gute Art
anzusehen.
Ebenso schwierig sind die südlicher vorkommenden anderen
Arten zu trennen, da sie am Standort und in der Kultur zum Teil ziemlich
verschieden aussehen und auch an Ort und Stelle teilweise variieren.
Schumann hat z.B. den 'Echinocactus pepinianus' und
'Echinocactus fiedlerianus' nicht genügend klar auseinandergehalten.
Als der 'Echinocactus echinoides' verwandt wurde 'Echinocactus
bridgesii' beschrieben, mit 'schmalen, unregelmäßig gedrehten
Hüllblättern und kräftigerer aufrechter Bestachelung'. Britton & Rose
stellten ihn als Synonym zu der fast geschlossen-radförmig blühenden
und niedrigeren C. echinoides. Ich habe den 'Echinocactus
bridgesii' 1933 auf der Pampa von Antofagasta wiedergefunden und sehe
ihn als eigene Art an.
über die
Versiedenheit der neueren Ritter-Funde habe ich - wenn auch nur zum Teil
und da meist keine genaueren Angaben zu erlangen waren - wenigstens mit
mehreren Farb- und Schwarzweißfotos eine bessere Vorstellung zu geben
versucht. Weitere Neufunden der jüngsten Zeit siehe in Band VI.
Diese zu Anfang ausgesprochen kugelige Gattung zeigt mit
ihrem Typus besonders die Zugehörigkeit auch der cactoiden Pflanzen zu dem
Cereoideae: es sind alte C. cinerea bis 1.30 m Höhe
beobachtet worden, die also ausgesprochen ceroid sind. Da diese Art
äußerst langsam wächst, müssen solche großen Pflanzen sehr alt sein.
Eigentümlich könnte scheinen, daß ein anderer Entwicklungsast niedrige
Gruppen bis Polster zeigt; es gibt aber auch beim Typus des Genus ähnliche
Formen.
Copiapoa läßt sich später kaum noch pfropfen, da
das Fleisch - zumindest bei der C. cinerea-Gruppe - gelb und
trocken ist und nicht verwächst; Sämlinge dagegen lassen sich leicht
heranziehen, wachsen auch willig als Pfröpflinge und bilden, geschnitten,
früh die typischen Gruppen wie bei älteren Pflanzen.
Typus: Echinocactus cinereus Phil. - Typstandort:
Chile (Prov. Antofagasta, Dept. Taltal: Quebrada Taltal, 'Hueso Parado').
Vorkommen: An der nördlichen Küste Chiles (und in
Seitentälern), von Coquimbo bis nördlich Paposo.