Copiapoa - Living on the Edge
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Die Cactaceae (1959)

Curt Backeberg

Band 3: 1896

 

117. Copiapoa Britton & Rose - The Cactaceae III:85, 1922

Die Gattung ist nur auf Chile beschränkt und in mehrfacher Hinsicht eigentümlich; die Pflanzen neigen zu stärkerer basaler Verzweigung, es sind aber zwei Entwicklungsäste zu erkennen, teils zu niedrigem und ± kugeligem, auch polsterförmigem Wuchs, teils zu dickcereoiden Altersformen.  Ganz ungewöhnlich sind die kahlen, sehr kurzröhrigen Blüten, mit vereinzelten schmalen Schuppen am Ovarium und mehreren an dessen Rande bzw. ebenso später an der Frucht, die oben mehrfach aufreißt, auseinenderklappt und die Samen mit fleischigen Strängen freigibt; sie ist oben mit einer runden Scheibe versehen, die zuerst reißt. Unterbleibt dies, kann die Frucht trocken und geschlossen bzw. gelöst auf dem Wollscheitel verbleiben, der später bei allen Arten ± ausgebildet ist, beim Typus besonders dicht und breit. Sepalen und Petalen gehen einander über, die letzteren können oben  ± gerundet oder schmalspitz sein: verschieden ist auch die Form der Hülle: glockig-trichterig bis breit radförmig oder auch mit schmalen, etwas verdrehten und unregelmäßig gestellten Petalen. Schwierig ist die Variationsbreite der Arten zu beurteilen, die zum Teil auch in den Wuchsmerkmalen  variieren. über den Typus C. cinerea (Phil.) Br. & R. hat P. C. Hutchison eine eingehende Studie in C. & S. J. (US) XXV:3, 63-72, 1953, geschrieben, auf die hier verwiesen sei: darin ist auch die Variationsbreite der Bestachlung, Fruchtfarbe usw. beschrieben.  C. cinerea besiedelt besonders auffällig in der Gegend von Taltal und Paposo das Küstenvorland und die angrenzenden Einschnitte ('Quebradas'). C. haseltoniana hält Hutchison für eine lokale Form. Ich habe ein umfangreiches Material fast aller bekannten Copiapoas und auch in übersee die Pflanzen auf mehreren Standorten untersucht.

C. cinerea nur als 'stark variabel' zu bezeichnen, würde meines Einsicht nicht der genauen Kenntnis der zu beobachtenden Formen dienen. Es gibt im Alter kreidig-weiß werdende Pflanzen mit schwarzen Stacheln: sie variieren in Zahl und Stärke der Stacheln (auch in der Wuchshöhe sowie in der Petalen- und Fruchtfarbe). Diese von Hutchison l.c. abgebildeten Pflanzen sind meines Einsicht allein als Copiapoa cinerea anzusehen. Am Rande der hohen Pampa wachsen aber Pflanzen, die (ebenso wie C. haseltoniana) in Körper- und Filzscheitel- sowie Stachelfarbe wesentlich abweichen: C. gigantea meist mit kleinem Scheitel und dieser dicht von Stacheln überragt,  C. haseltoniana mit breitem Scheitel, ± graugrünem Körper, die Stacheln .....

[S. 1897] gelblich und länger bzw. nie sehr derb.  Wenn Hutchisons Feststellung auch zutrifft, daß C. cinerea auf höheren Standorten stärker und länger bestachelt ist und die Bestachelung in Zahl und Stärke nach tiefern Lagen zu abnimmt, so gilt das doch nur für den Typus des Genus: C. haseltoniana wächst fast auf Meereshöhe und ist ziemlich lang und unterschiedlich bestachelt, darin mehr der C. gigantea ähnelnd, die aber einen wesentlich abweichende Scheitel bildet. Allem Anschein nach hat es drei Ausgangsarten gegeben, die teilweise wohl auch am Standort vermischt sind:

  • der Typus der Gattung mit kreidig-weißen Trieben, grauem Filzscheitel und pfriemlich-nagelförmigen schwarzen verschiedener Zahl, Stärke und Länge, ferner die nicht kreidig-, sondern aschgrauweißlich, etwas grünlich gefärbten

  • C. haseltoniana mit hellbraunem Filzscheitel und gelben, dünneren Stacheln, sowie

  • C gigantea mit kleinem rötlich-gelbbraunem Scheitel, von Stacheln überragt. 

Man muß diese Arten auseinanderhalten, wenn die gemachten Beobachtungen klar erhalten bleiben sollen (sehe die Vergleichsaufnahmen). Es gehen auch unter den Namen C. malletiana zwei verschiedene Formen: eine die offenbar zu C. cinerea gehört, während eine andere ganz andere Rippen bildet, um die Areolen stark geschwollen; hier handelt es sich zweifellos um Lemaires Echinocactus malletianus 'mit mehr oder weniger geschweiften Rippen', sicher eine Copiapoa, aber nicht C. cinerea; sie weicht stark ab und ist somit als gute Art anzusehen. 

Ebenso schwierig sind die südlicher vorkommenden anderen Arten zu trennen, da sie am Standort und in der Kultur zum Teil ziemlich verschieden aussehen und auch an Ort und Stelle teilweise variieren.  Schumann hat z.B. den 'Echinocactus pepinianus' und 'Echinocactus fiedlerianus' nicht genügend klar auseinandergehalten.  Als der 'Echinocactus echinoides' verwandt wurde 'Echinocactus bridgesii' beschrieben, mit 'schmalen, unregelmäßig gedrehten Hüllblättern und kräftigerer aufrechter Bestachelung'. Britton & Rose stellten ihn als Synonym zu der  fast geschlossen-radförmig blühenden und niedrigeren C. echinoides. Ich habe den 'Echinocactus bridgesii' 1933 auf der Pampa von Antofagasta wiedergefunden und sehe ihn als eigene Art an.

über die Versiedenheit der neueren Ritter-Funde habe ich - wenn auch nur zum Teil und da meist keine genaueren Angaben zu erlangen waren - wenigstens mit mehreren Farb- und Schwarzweißfotos eine bessere Vorstellung zu geben versucht. Weitere Neufunden der jüngsten Zeit siehe in Band VI.

Diese zu Anfang ausgesprochen kugelige Gattung zeigt mit ihrem Typus besonders die Zugehörigkeit auch der cactoiden Pflanzen zu dem Cereoideae: es sind alte C. cinerea bis 1.30 m Höhe beobachtet worden, die also ausgesprochen ceroid sind. Da diese Art äußerst langsam wächst, müssen solche großen Pflanzen sehr alt sein. Eigentümlich könnte scheinen, daß ein anderer Entwicklungsast niedrige Gruppen bis Polster zeigt; es gibt aber auch beim Typus des Genus ähnliche Formen.

Copiapoa läßt sich später kaum noch pfropfen, da das Fleisch - zumindest bei der C. cinerea-Gruppe - gelb und trocken ist und nicht verwächst; Sämlinge dagegen lassen sich leicht heranziehen, wachsen auch willig als Pfröpflinge und bilden, geschnitten, früh die typischen Gruppen wie bei älteren Pflanzen.

Typus: Echinocactus cinereus Phil. - Typstandort: Chile (Prov. Antofagasta, Dept. Taltal: Quebrada Taltal, 'Hueso Parado').

Vorkommen: An der nördlichen Küste Chiles (und in Seitentälern), von Coquimbo bis nördlich Paposo.

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